Rheinbach: Römerkanal-Infozentrum ist eröffnet

Mit Gladiatoren und Wandertag : Römerkanal-Infozentrum in Rheinbach eröffnet

Zahlreiche Beteiligte feierten am Wochenende die Eröffnung des Römerkanal-Infozentrums in Rheinbach. Das größte Spektakel waren die Gladiatorenkämpfe. Geführte Thementouren gab es am Sonntag, dem Römerkanal-Wandertag.

Mit Schild, Helm und Rüstung fiel Tiberius Rubelius direkt ins Auge. Er hielt zuverlässig Wache, wie es sich für einen römischen Legionär gehört. Und wenn jemand eine Frage zu dieser Ausrüstung hatte, konnte man bei ihm einiges erfahren. Haiko Dietrich, wie Tiberius Rubelius eigentlich heißt, war nur einer der Akteure, die beim Römertag rund um das neue Römerkanal-Infozen-trum Kultur und Leben jener Zeit anschaulich darstellten. Damit und mit einem Römerkanal-Wandertag feierten zahlreiche Beteiligte die Eröffnung. Dabei lockten Mitmach-Aktionen, Wissenswertes und eine große Show. Denn wie es der Vorsitzende des Freundeskreises Römerkanal, Lorenz Euskirchen, ausdrückte: "Spektakulum haben die Römer auch gemacht."

Am Eingang standen die Zelte der "Vigilia Romana Vindriacum". Die Gruppe aus Wintrich hat sich auf römisches Militär und Wein spezialisiert. Neben dem eindrucksvollen Legionär Dietrich zeigten sie das Modell einer Mulsum-Kelteranlage. Interessierte Kinder konnten selbst einmal in eine Rüstung schlüpfen oder beim Nüssewerfen ein echt antikes Spiel ausprobieren.

Das größte Spektakel am Römertag waren indes die Gladiatorenkämpfe. Sechs Recken der Kölner Gruppe "Amor Mortis" traten in die Sandarena. Historisch bewaffnet, ohne Schuhe, dafür je nach Gattung mit großen Schilden, Metallhelmen und Netzen zeigten sie mehrere Kämpfe. Wenn da Provocator Varro auf seinen Gegner Ajax traf, knallten die Rüstungsteile. "Die gehen ja richtig ran!", staunte das Publikum. Allerdings ohne zu verletzen, wie Moderator Stefen Heres betonte. Als Larista, also Besitzer einer Gladiatorenschule, hätte er früher allerdings im Laufe der Saison den einen oder anderen Kämpfer verloren, erzählte er.

Kaum waren die ersten Kämpfe beendet, erklangen schon Cornu und Tuba. Mit diesen militärischen Blasinstrumenten rief Justus Willberg zum Konzert mit der römischen Wasserorgel ins Foyer des Glasmuseums. Vor der Tür ließ derweil Ingo Weule als Tuchhändler Marcus Aurelius Kinder in klassische Togen schlüpfen. Dabei zeigte er, wie man das Gewand über dem Gürtel bauschig auf die richtige Länge zupft. Später demonstrierte er noch eine Opferzeremonie und stellte die Arbeit eines Vermessungsingenieurs jener Zeit vor.

Ob bei Weule, am Glasperlenofen oder beim Steineschleifen: lebendige Geschichte stand im Vordergrund. Frank Kellner, der an diesem Tag als "Iucundus" unterwegs war, zeigte den Kindern, dass die Römer nicht nur große Wasserleitungen bauen konnte. "Damals gab es noch keine Personalausweise", erklärte Keller die Bedeutung filigraner Siegelsteine.

Natürlich nutzten die Besucher die Chance, das Infozentrum anzusehen. Zudem konnten sie an diesem Wochenende die Wasserleitung selbst besichtigen. Am Sonntag, dem Römerkanal-Wandertag, gab es gleich mehrere geführte Thementouren. Nicht alle starteten in Rheinbach, an der Feier beteiligten sich auch andere Kommunen entlang des Denkmals. Eine Tour führte beispielsweise zum Römerkanal-Aufschluss Kreuzweingarten. Ab Mechernich gab es eine geführte Familienwanderung auf den Spuren der Römer. Sie hatte neben der Aquäduktbrücke bei Vussem den römischen Steinbruch "Katzensteine" zum Ziel.

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