Römerkanal in Rheinbach: Zwei neue Publikationen zu Römerkanal und Wanderweg

Römerkanal in Rheinbach : Zwei neue Publikationen zu Römerkanal und Wanderweg

Zwei neue Publikationen befassen sich mit dem 95,4 Kilometer langen rheinischen Römerkanal und dem gleichnamigen Wanderweg.

Noch gar nicht so lange soll es her sein, dass Landwirte im Eifel-Erdreich nicht weniger als einen direkten Weg in die Hölle vermuteten. "Düvelskall" (Teufelsrinne) titulierten die Einheimischen das mysteriöse, unterirdische Bauwerk, welches sie bei der Feldarbeit entdeckten und aus Angst vor dem Leibhaftigen gleich wieder mit reichlich Erde bedeckten. Dass es sich bei der tiefschwarzen Röhre aus Stein um den in der Antike gebauten Römerkanal handelt, wussten in späteren Zeiten allenfalls Gelehrte.

"Es hat etwas gedauert, bis die Menschen erkannt haben, was das sein konnte", berichtet Professor Klaus Grewe, Archäologe aus Morenhoven, mit einem Augenzwinkern. "Das konnte nach früherem Verständnis nur Teufelswerk sein", sagt er. Rechtzeitig zur Eröffnung des Römerkanal-Infozentrums in Rheinbach sind zwei Bücher erschienen, die sich mit der Baukunst der römischen Aquädukte und mit dem Römerkanalwanderweg beschäftigen.

Dass nahezu zeitgleich zwei neue, respektive umfassend überarbeitete Bücher zum 95,4 Kilometer langen rheinischen Römerkanal von Netterheim bis nach Köln erscheinen, ist alles andere als ein Zufall. "Keine Wasserleitung im Imperium Romanum ist so gut erforscht wie die römische Eifelwasserleitung", findet Grewe. Der Archäologe und Geodät beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Aquädukten und besonders mit dem Römerkanal. Vergriffen war für lange Zeit sein Buch "Aquädukte - Wasser für Roms Städte".

Vor fünf Jahren erschien es als Begleitbuch zur gleichnamigen, von Grewe kuratierten Ausstellung, die in Zülpich, Köln und Xanten mehr als 200.000 Besucher anlockte und nun in Rheinbach zu sehen sein wird. "Wir haben festgestellt, dass bei Internetauktionen stets dreistellige Preise für diesen Band aufgerufen wurden", berichtet Sven Nieder, Geschäftsführer des Regionalia-Verlags, der die dritte Neuauflage (39,95 Euro) herausgibt. Der Titel sei zum Standardwerk des Aquäduktbaus avanciert, weiß Nieder. Mit eindrucksvollen Bildern erhaltener oder gut im Erdreich versteckter Wasserleitungen, mit detaillierten Schilderungen sowie Grafiken zeigt der Band das hohe Niveau römischer Ingenieurskunst, kilometerlange Leitungen in bis zu 50 Metern Höhe zu bauen - überall, wo sich die Römer vor 2000 Jahren ausdehnten. "Man muss dem Wasser das Laufen beibringen. Die Römer haben das in Perfektion betrieben", sagt Grewe.

Solche Meisterleistungen technischer Art, die für die Römer sinnbildlich sind, lassen sich entlang der Eifelwasserleitung, dem längsten Aquädukt nördlich der Alpen, an vielen Stellen entdecken. Seit 1988 - und somit weit länger als den aktuellen Wanderboom - gibt es den Römerkanalwanderweg, der das Wandern auf einer 120 Kilometer langen Trasse quer durch die Eifel, die Voreifel und die Ville bis in die Millionenstadt Köln schmackhaft macht.

Eine Art unerlässlicher Begleiter auf der nach archäologischen Gesichtspunkten ausgewählten Wegstrecke ist das ebenfalls neu aufgelegte Buch "Der Römerkanal-Wanderweg". Auf 216 Seiten erklären Grewe und Manfred Knauff, leidenschaftlicher Wanderer und profunder Kenner der Eifel, die magische Melange von Natur, Technik und Altertum. "In den vergangenen sieben Jahren nach der Erstauflage 2012 hat sich einiges an Erkenntnissen angesammelt, wie die archäologischen und kulturgeografischen Inhalte didaktisch noch besser dargestellt werden können", berichtet Rolf Seel, Hauptvorsitzender des Eifelvereins. Der Verein hat in seinem Verlag den Wanderführer mit dem sinnigen Untertitel "Wie das Wasser laufen lernte", herausgegeben - zum Preis von 16,95 Euro.

Im Schnitt tummeln sich laut Eifelverein etwa 70 Wanderer pro Tag auf diesem Wanderweg. Am seinem Eröffnungstag anno 1988 waren es "6000 Menschen in strömendem Regen", wie sich Grewe erinnert. Für die Leser des handlichen Bandes ist es ein Glücksfall, dass sich der Naturfreund Knauff und der Wissenschaftler Grewe für das Buch zusammengefunden haben. "Knauff kennt jeden Stein in der Eifel", sagt Grewe voller Bewunderung. "Und aus jedem Stein schallt's: Guten Tag, Herr Knauff."

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