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15. RheinHexenSlam in Rheinbach: Junge Texte in alten Mauern

15. RheinHexenSlam in Rheinbach : Junge Texte in alten Mauern

Beim 15. RheinHexenSlam maßen sich Wortakrobaten in geschliffener Sprache und feiner Ironie. Das Publikum fungiert als Jury und hebt Theresa Sperling auf das Siegerpodest.

So mancher fühlte sich eventuell mulmig, als er am Freitagabend die alten Räumlichkeiten des Erzbischöflichen Sankt-Joseph-Gymnasiums in Rheinbach betrat, und sich dabei an alte Schulzeiten und die hier absolvierten Prüfungen erinnerte. Diesmal indes kamen die Besucher selbst als Jury. Zum 15. Mal veranstaltete der Verein „Rheinbach liest“ seinen RheinHexenSlam und hatte in das alte Theater in der Schule am Stadtpark geladen.

Lasse Samström kündigte „zwei alte Männer, zwei tolle Frauen und einen Hipster“ an, die an diesem Abend um die Gunst der Zuhörerschaft buhlen sollten. Die Jubiläums-Slammer namentlich: Christian Gottschalk, Gerhard Horriar, Theresa Sperling, Sarah Kersting und Nils Frenzel.

Das Los entschied, dass die aus Nordhorn angereiste Theresa Sperling mit „Sezierung“ begann, einem wortgewaltig vorgetragenen Text über die Schönheit. Und über all jene, die daran herumnörgeln. Sie konnte sich damit allerdings in der ersten Vorrunde nicht gegen die anderen Kandidaten behaupten.

Der Kölner Christian Gottschalk hatte die Lacher auf seiner Seite, als er von den drei „Arschloch-Mantras“ berichtete und wie diese sich auf „Orte, die man nie betreten will“ auswirkten, darunter Flohmärkte oder – noch schlimmer – Fußballstadien. Nils Frenzel punktete mit einer Geschichte vom Zivildienst im Kinderheim, gewalttätigen Kindern und überaus wohlwollenden Psychotherapeuten, die in allem noch etwas Gutes sähen: „Immerhin hat er was mit der Hand gemacht“.

Böse Pointen gekonnt vorgetragen

Gerhard Horriar thematisierte das Alter. Im halben Singsang ging es um „alt sein ist doof“, oder cool, oder – na ja, vielleicht doch doof. Mit allen Vor- und Nachteilen, die das Alter oder die Jugend so mit sich bringen. Die erste Vorrunde schloss Sarah Kersting aus Euskirchen mit einem lautstarken Vortrag ihres Textes „was wir von unseren Eltern gern gehört hätten“ ab.

Nach der Pause fuhr Kersting mit „Intimität“ fort. „Innerliches Ausziehen und darin geborgen sein“ oder „ansehen bei verschlossenem Visier“ waren sehr schöne Bilder, um die es dabei textlich ging. Horriar aus Aachen präsentierte in der zweiten Vorrunde Liebeslyrik. mit mehrere Gedichten an Frauen, zukünftige oder ehemalige. Mit bösen Pointen, aber sehr gekonnt vorgetragen. Das vor Lachen jauchzende Publikum danke es mit vielen Punkten.

Gesellschaftskritik und Kritik an der eigenen Generation gab es von Frenzel während Gottschalk aus seinem Buch „Vereinigung der Freunde des Münzfernglases“ vorlas. Gegen den emotionalen, ironischen und schonungslos wahren Beitrag von Sperling kam in der zweiten Runde indes niemand an: Volle Punktzahl und tosenden Applaus gab es für „Was ich meinen Söhnen nie selbst sagen würde“.

In der Entscheidungsrunde trat Frenzel gegen Sperling an, Letztere gewann mit aktueller Thematik: ein Flüchtlingskind in einer Schulklasse, in der es keinen Anschluss findet, die Sprache nicht spricht, sich doch bald arrangiert – und dann abgeschoben wird. „Amilya“ brachte den Zuhörern den schulischen Alltag von Migrantenkindern auf sehr emotionale Weise nahe.

Zum Lohn für den guten Vortrag gab es die vom CF-Atelier gesponserte, silberne Hexenturm-Plakette.