Lehm schippen bis zum Umfallen: Ehemaliges Pfarrhaus in Flerzheim wird saniert

Lehm schippen bis zum Umfallen : Ehemaliges Pfarrhaus in Flerzheim wird saniert

Fünf Freunde ermöglichten einer Flerzheimer Familie die Sanierung ihres historischen Eigenheims. Das ehemalige Bauernhaus wurde im 19. Jahrhundert zum Pfarrhaus umfunktioniert.

Das Wort „Freundschaftsdienst“ hat für die Familie von Michael Linden einen ganz besonderen Klang. Denn untrennbar bleibt für ihn und seine Frau Ingrid die aufwendige Sanierung ihres denkmalgeschützten Pfarrhauses in Flerzheim mit einem ungewöhnlichen Engagement ihrer Freunde verknüpft: Die Rede ist von Lindens Bruder Oliver Linden (44), einem Polizisten, von Gärtnermeister Bruno Defanti (48), von Bänker Peter Bürvenich (42), von Lackierermeister Andreas Bois (48) und dem Beamten Uli Pruys (51), die etliche Stunden dabei halfen, dem Altbau aus dem 19. Jahrhundert neues Leben einzuhauchen.

Nur so konnte die Familie die Sanierung stemmen. Denn Handwerksfirmen mit allen Arbeiten zu beauftragen, hätte das Budget des 49 Jahre alten Schreiners und der 46 Jahre alten Arzthelferin gesprengt. Um das schier Unmögliche trotzdem möglich zu machen, malochten die Freunde anfangs über Monate oft mehrere Tage in der Woche nach Feierabend.

Alles begann vor zehn Jahren: Wie viele junge Paare suchten Michael Linden und seine Frau Ingrid, die beide aus Wachtberg stammen, nach ihrer Traumimmobilie. Aber wo ließ sich ein geeignetes Objekt auftreiben, das beide bezahlen konnten? Zudem gab es ein Ausschlusskriterium: „Es durfte kein Neubau sein“, betonte Altbaufan Michael Linden“.

Tipp beim Traugespräch

Das Flerzheimer Pfarrhaus kam unerwartet ins Spiel: Als das Paar 2006 beim Vorgespräch für seine Trauung bei Pater Bruno Kremsler in Rheinbach saß, kam die Rede auf ihre Hausuche. „Können Sie sich vorstellen, in Flerzheim zu wohnen?“, wollte der Gottesmann wissen. Genauer gesagt ging es um ein Bauernhaus, das Ende des 19. Jahrhunderts zum Pfarrhaus ausgebaut worden war und nun unter Denkmalschutz steht. Da dort niemand mehr wohnte, stand es für 90 000 Euro zum Verkauf. Die Eheleute sahen sich das Haus an – und unterschrieben kurz darauf den Notarvertrag.

Schließlich strahlte der Backsteinbau viel Charme aus. Allerdings war Michael Linden auch sofort klar: „Hier musste viel gemacht werden.“ Beim Sanieren war allerdings Eigeninitiative gefragt, um die Kosten überschaubar zu halten. Im Februar 2008 unterschrieb das Paar den Notarvertrag, nicht ohne sich zuvor im Freundeskreis umzuhören, ob sich Unterstützer für das Projekt finden würden. Schnell meldete sich das Quintett. Allesamt keine Fachleute in Sachen Sanierung, wie Defanti rückblickend klarstellt, „aber ausgestattet mit viel gutem Willen“. Michael Linden und seiner Frau Ingrid war es einerlei, denn sie hatten sich zuvor viel Fachwissen angelesen. Hausherr Linden übernahm die Baustellenplanung, und zwar akribisch: „Ich habe jeden Tag genau festgelegt, wer was macht.“

Planung war alles, denn die Sanierung startete mit einer Arbeit, die Defanti und Bürvenich „nie im Leben vergessen werden“. Im Erdgeschoss musste der marode Boden erneuert werden. Dafür hieß es, eine mehr als 50 Zentimeter dicke Lehmschicht abzutragen. Alles per Hand und Schubkarre. „Das waren insgesamt rund 20 Kubikmeter“, schätzt Defanti. „Danach war ich fix und alle!“ Bei dieser Aussage nickt Spannmann Peter Bürvenich, der sich oft die Frage stellte: „Warum tust du dir das freiwillig überhaupt an?“

Viel Eigenregie am Bau

Doch der Frust schwand mit den Baufortschritten und „einem immer eingespielteren Miteinander“, wie Oliver Linden, Bruder des Bauherren, bekräftigt. Der tat sich beim Verputzen des Kellers hervor, während sich Andreas Bois als Trockenmaurer bewährte, Uli Pruys half beim Verlegen der Holzfußböden und beim Malern. Oft wurde im Pfarrhaus bis spät in die Nacht geschippt, gehämmert und verputzt.

Bereits ein Jahr später war der erste Sanierungsabschnitt fertig: Das Ehepaar zog ins Erdgeschoss ein. 2009 bekamen Lindens Nachwuchs, Tochter Melina. Nach zweijähriger Unterbrechung spuckte die Familie erneut in die Hände: Die Sanierung des Obergeschosses stand auf dem Programm, zumal neuer Wohnraum gebraucht wurde. Nicht nur Tochter Melina sollte ein großes Kinderzimmer bekommen, sondern auch Michaels Mutter Maria Linden brauchte ein neues Zuhause: Der 79-Jährigen war ihr Haus in Fritzdorf zu groß geworden. Maria Linden sollte ins Erdgeschoss ziehen und Sohn Michael mit seiner Familie ins Obergeschoss. Gesagt, getan, und wieder halfen die Freunde. „Ganz ohne Fachfirmen ging es aber nicht“, sagt Linden. So wurden Fachleute etwa für die Installation eines Blockheizkraftwerkes beauftragt. Fakt ist aber laut Linden: „Etwa 80 Prozent der Arbeiten haben wir in Eigenregie erledigt.“ Nur so hätten sich die Sanierungskosten auf rund 90 000 Euro begrenzen lassen.

2014 war es geschafft: Das 180 Quadratmeter große Pfarrhaus war saniert und ist heute ein Schmuckstück im Flerzheimer Ortskern. Was für Familie Linden noch mehr zählt: Der Altbau taugt für ein Drei-Generationen-Wohnen unter einem Dach. Wenn die Freunde heute das Ergebnis ihrer Arbeit sehen, fällt das Urteil einhellig aus: „Wir sind richtig stolz auf uns.“ Rückblickend sagen alle Beteiligten trotz oder gerade wegen aller Plackerei: „Es war ein Erlebnis.“