Gespräch am Wochenende: Anschein bringt Bukowski auf die Bühne des Pallotti-Kollegs

Gespräch am Wochenende : Anschein bringt Bukowski auf die Bühne des Pallotti-Kollegs

Die Schauspielerin Ella Anschein zu ihrem neuen Bukowski-Stück, das sie gemeinsam mit Florian Kalff in Rheinbach auf die Bühne bringt. Eine szenische Lesung zum Roman "Der alte Mann und das Mädchen".

Wieso Bukowski, zudem als junge Frau von 22 Jahren, einem Alter, in dem die meisten den Autor überhaupt nicht kennen?

Ella Anschein: Weil ich alle seine autobiografischen Romane gelesen habe, den ersten schon im Alter von 16 Jahren. Sein gesamtes Werk zeigt, dass die Dinge im Leben nicht immer so einfach sind. Gerade für Menschen wie ihn, der unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen ist – mit einem trinkenden, prügelnden Vater und in der Jugend einer schweren entstellenden Akne, wegen der er ein ganzes Jahr keine Schule besuchen konnte. Viele seiner Aussagen sind unter ganz verschiedenen Aspekten greifbar und können divers interpretiert und diskutiert werden.

Wieso dieser Roman „Das Liebesleben der Hyäne?“

Anschein: Weil er darin einen gewissen Männlichkeitswahn wunderbar auf die Spitze treibt. Wo im Grunde nichts anderes dahintersteckt als eine große menschliche Leere, die viele spüren. Alles, was Bukowski sagt, kann man auf heute übertragen. Das war auch Thema in einer Ansprache, die ich an Weihnachten gehört habe. Gerade zu dieser Zeit wird Vielen klar, dass sie Leere in sich spüren. Natürlich ist da auch diese teilweise brachiale Sprache Bukowskis. Aber gerade dadurch wird es auch so real.

Wie sind Sie und Florian Kalff überhaupt zusammengekommen, er ist 49 und Sie 22?

Anschein: Wir haben uns vor sechs Jahren bei meinem ersten Poetry Slam kennengelernt. Und wir waren uns schnell klar, dass wir etwas gemeinsam machen wollten und dass es Bukowski wird. Wir hatten uns viel über das Buch unterhalten und wollten das Projekt unbedingt zusammen machen.

Haben Sie die Inszenierung „Der alte Mann und das Mädchen“ mit Florian Kalff auch selbst geschrieben?

Anschein: Wir haben gemeinsam das Skript zum Roman geschrieben. Zu 99 Prozent ist es aus dem Originaltext gefertigt. So ist es einerseits werktreu und funktioniert andererseits auch als Theaterstück.

Bukowski ist bekannt für seine derbe Sprache, Sexuelles zu benennen. Was erwartet die Besucher in der Aula des Pallotti-Kollegs?

Anschein: Es ist schon sehr sexuell und explizit. Es gleitet aber nicht ins „Sittenwidrige“. Ich selbst habe mit dieser direkten, derben Sprache auch kein Problem. Im Gegenteil, ich mache mir auf der Bühne einen Spaß daraus. Den haben unsere Besucher auch. Zu unserer Premiere an der Studiobühne Siegburg war zum Beispiel ein junger Mann eigens aus Erlangen angereist, der es so auf den Punkt brachte: „Es war wunderbar unangenehm.“ Es gibt sicher Stellen in dem Stück, wo der Zuschauer nicht direkt weiß, wie er darauf reagieren soll. Es hat aber durchaus künstlerischen Anspruch. Immerhin handelt es sich um große Weltliteratur, durch das damals Tabus gebrochen wurden.

Sie selbst stellen allein sieben verschiedene Frauen und einen Mann dar – eine besondere Herausforderung für Sie als erst 22-jährige Schauspielerin in der Ausbildung?

Anschein: Ja, das ist es auf jeden Fall. Und ich habe davor einen Heidenrespekt. Ich bin im dritten von vier Ausbildungsjahren an der Schauspielschule. Meine Dozenten haben mir wichtige Tipps und Hilfestellungen gegeben, dadurch hat das Stück sehr gewonnen. Die Regie stammt aber im Grunde von Florian Kalff und mir alleine.

Für manch einen mag es geradezu frivol erscheinen, Bukowski nun ausgerechnet im katholischen Pallotti auf die Bühne zu bringen. Ihr Bühnenpartner Florian Kalff sagt dazu: „Bei aller Explizität, die der Stoff bei einem gebotenen Mindestmaß an Werktreue nun mal haben muss, so steuert das Finale ja auf eine geradezu katholische Katharsis zu.“ Was ist denn damit gemeint?

Anschein: Das kann ich nun wirklich nicht vorab verraten. Da muss man schon zu der Aufführung kommen.

Am 26. Januar sind Sie mit Ihrem ersten eigenen Solo-Programm „Vom großen Entzücken, wenn einer sich auszieht“ in der Pallotti-Aula zu sehen. Was erwartet das Publikum dann?

Anschein: Das ist meine erste Solo-Slam-Show, mit der ich seit der Premiere im Februar 2018 schon in ganz NRW unterwegs war. Ich switche darin viel zwischen Lesung und Performance, es sind Geschichten und Gedichte über den ganz normalen Wahnsinn und sonderbare Alltagsphänomene – zum Lachen, Staunen, Skurril und Schön finden.

Karten für den Bukowski-Abend am 12. Januar gibt es für 15 Euro, ermäßigt neun Euro, in der Buchhandlung Kayser und an der Abendkasse. Karten für die Solo-Slam-Show am 26. Januar gibt es für acht Euro (sechs Euro ermäßigt) ebenfalls in der Buchhandlung Kayser und an der Abendkasse.