Kommentar zu Steingärten: Zu viel Grau statt Grün

Kommentar zu Steingärten : Zu viel Grau statt Grün

Sicherlich lässt sich über Geschmack streiten, findet GA-Redakteur Mario Quadt. Dass die kühle Ästhetik eines Steingartens aktuell vielerorts der Ästhetik eines begrünten Vorgartens vorgezogen wird, hält er ökologisch für ein Fiasko.

Die Motivation, seinen eigenen Grund und Boden oder zumindest Teile davon in einen Steingarten zu verwandeln, kann vielfältiger Natur sein. Manch einer mag sich an der kühlen Ästhetik der Steine verschiedener Größen erfreuen, andere schätzen die Pflegeleichtigkeit des leblosen Materials im Gegensatz zu Rasen, Blumen und anderer Botanik. Keine Frage: Über Geschmack lässt sich streiten, über den Nutzwert eines Steingartens, der oft eher die Anmutung einer Steinwüste hat, da er auf Blühendes und Grünendes völlig verzichtet, hingegen wohl nicht.

Er ist nicht nur ästhetisch fragwürdig, sondern auch ökologisch ein Fiasko. Experten wissen sogar, dass versteinerten Gärten ein Problem fürs Mikroklima der Umgehung werden, da sich Steine und Schotter bei Sonneneinstrahlung stärker aufheizen als Grünflächen. Jeder, der baut, muss hierzulande die Vorgaben von Bebauungsplänen und Gestaltungssatzungen umsetzen. Diese sind kein Instrument der Gängelung, sondern ein probates Mittel, Wildwuchs wie dem Trend von pflegeintensivem Grün zu pflegearmem Grau gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Stadt Rheinbach sollte alle rechtlichen Möglichkeiten ausloten, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten.

Nicht zuletzt leisten die blühenden Gärten einen Beitrag, vielen Insekten und insbesondere den Bienen einen Lebensraum und einen Ort für die Nahrungssuche zu schenken. Das sollte uns allen ein Anliegen sein. Schließlich helfen die Bienen dabei, durch ihre Bestäubungen eine Vielzahl von natürlichen Nahrungsmitteln herzustellen. Ohne deren Fleiß stehen diese Lebensmittel auf dem Spiel. Das ist knallharte Realität.

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