Landwirtschaft: In Bornheim hat die Erdbeerernte begonnen

Landwirtschaft : In Bornheim hat die Erdbeerernte begonnen

Der Familienbetrieb Schwarz aus Dersdorf baut traditionell die Sorte Elsanta an, weil sie gut schmeckt und riecht.

„Süß-säuerlich, saftig und schmelzig im Geschmack. So lieben die Verbraucher ihre Erdbeeren“, sagt Konrad Schwarz, Seniorchef von „Schwarz und Schwarz Gemüse und Erdbeeranbau“. Seit Januar 2017 führen er und seine Frau Werena gemeinsam mit Sohn Markus und dessen Frau Miriam in dritter und vierter Generation den Familienbetrieb am Rande von Dersdorf.

Während auf 150 Hektar im Freiland unter anderem Salat, Spitz- und Chinakohl, Rhabarber und seit neuestem das ur-rheinische Gemüse Rübstiel angebaut wird, gedeihen die Erdbeerkulturen seit 1999 im Gewächshaus.

Seit Dienstag ist die Ernte der roten Früchte der Sorte Elsanta in vollem Gange – der Ertrag von 1,5 Tonnen am ersten Tag konnte sich sehen lassen. Seit 20 Jahren hat sich das Unternehmen auf diese Sorte fokussiert, weil die Beeren nicht nur weich in der Konsistenz sind, sondern auch den typischen Erdbeergeruch haben, so der 63-jährige Seniorchef. Auf 2,1 Hektar stehen auf einer Fläche von 180 mal 100 Metern Stellagen mit zahllosen Blumentöpfen, in denen im August jeweils vier Pflanzen – insgesamt 240 000 – eingesetzt wurden. Die Früchte hängen nun in unterschiedlichen Reifegraden an den jeweils drei Blütenbeständen. „Die unterschiedliche Reife ist genau, was wir wollen. Denn wir möchten ja über eine längere Zeit ernten“, erklärt der Juniorchef, der wie sein Vater die Ausbildung zum Gärtnermeister mit Fachrichtung Gemüsebau durchlaufen hat.

Pflücken ohne bücken

Die Pflanzen werden per Tröpfchenleitung bewässert und gedüngt, in jeder zweiten Reihe ist am Heizungsrohr der Stellagen ein Plastikschlauch für die CO2-Zufuhr angebracht, um die Photosynthese zu gewährleisten. Die Bestäubung übernehmen die Bienenvölker aus den 14 aufgehängten Stöcken. Nützlinge wie Schlupfwespen und Raubmilben kommen gegen Blattläuse und Spinnmilben zum Einsatz. Gegen Krankheiten wie Mehltau wird manchmal mit einem chemischen Mittel vorgegangen, aber „unser Credo ist, so wenig wie möglich Chemie einzusetzen. Wir haben mittlerweile fast nur noch biologischen Naturschutz“, betont der 27-jährige Junior.

Aktuell arbeiten auf den Feldern und im Gewächshaus 27 Männer und Frauen aus Polen. In den Spitzenzeiten im Mai/Juni und ab September sind 60 Saisonarbeiter im Einsatz – wobei die Frauen zurzeit ausschließlich im Gewächshaus tätig sind. Zu ihnen gehört Boszena Cichosz aus Danzig. Seit 26 Jahren ist die 53-Jährige jedes Jahr bei der Ernte dabei. Damit ist sie eine der wenigen, die die Entwicklung des Erdbeeranbaus in Dersdorf seit der ersten Stunde miterlebt hat.

Das Blattwerk zurückschneiden, die Blütenstiele nach vorne ziehen, pflücken und in 500-Gramm-Schälchen aus Plastik oder Pappe legen – das beherrscht sie aus dem Effeff. „Mit Erdbeeren kenne ich mich gut aus. Die Arbeit ist gut, weil man sich nicht bücken muss und daher auch keine Rückenprobleme hat.“ Sie ist eine der 15 fest angestellten Mitarbeiter. Das Obstbau-Unternehmen verkauft an Betriebe, Hofläden, Bäckereien und Restaurants der Umgebung. Das Gros der Produktion geht über die Erzeugergenossenschaft Landgard an den Einzelhandel.

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