ADFC-Fahrradklimatest: Straßen im Vorgebirge für Kinder gefährlich

ADFC-Fahrradklimatest : Straßen im Vorgebirge für Kinder gefährlich

Bei der Erhebung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) kommen Alfter und Bornheim nur mäßig weg. Dabei gibt es laut Experten gute Konzepte, die nur umgesetzt werden müssten.

Radfahren im Vorgebirge macht nicht wirklich Spaß. Das belegen die Ergebnisse des jüngsten Fahrradklimatests des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) für Alfter und Bornheim. Bundesweit hatten sich laut ADFC 170 000 Menschen der Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit beteiligt, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. Bewertet wurde nach Schulnoten. Alfter erhielt eine 4,1, Bornheim sogar nur eine 4,5. Im Detail zeichnen die Ergebnisse ein Bild, das den politisch Verantwortlichen zu denken geben sollte.

110 Teilnehmer haben Alfter in Sachen Fahrradfreundlichkeit die Durchschnittsnote 4,1 gegeben. Damit kommt die Gemeinde in ihrer Größenklasse (20 000 bis 50 000 Einwohner) bundesweit auf Platz 225 von 311. In NRW belegt sie Platz 60 von 82. Beim vorherigen Fahrradklimatest 2016 hatte Alfter noch die Note 3,9 erhalten. Abgefragt wurde eine Vielzahl von Aussagen. Unter anderem, ob Radfahren Spaß macht oder Stress sei. Dabei tendierten beispielsweise 25 Prozent mit der Schulnote 2 dazu, dass das Radeln in Alfter eher Spaß macht, 20 Prozent vergaben wiederum die Note 5 und erklärten so, dass Radfahren stressig ist. Zehn Prozent verteilten gar die Note 6. Eine deutliche Mehrheit (34 Prozent Note 5, 14 Prozent Note 6) erklärte, dass Radfahren in Alfter eher gefährlich als sicher sei. Viele Menschen bekundeten zudem, ihre Kinder nicht mit gutem Gewissen alleine radeln zu lassen.

Öffnung der Einbahnstraßen ist positiv

„Es muss bei der Vergabe mit Schulnoten zunächst einmal vorangestellt werden, dass in Alfter die Voraussetzungen zum Radfahren aufgrund der bergigen Topografie und der sehr engen Bebauung in den alten Ortskernen recht schlecht sind“, sagt Till Osthövener, Sprecher der Ortsgruppe Alfter des ADFC. Deshalb könne Alfter keine Bestnoten bekommen. Allerdings seien die Höhen durch den Einsatz von Pedelecs deutlich leichter zu bewältigen. Das Interesse der Radfahrenden sei nicht nur aufgrund der guten Erreichbarkeit des Bonner Stadtzentrums weiterhin hoch, auch die Öffnung der Einbahnstraßen werde positiv bewertet, jedoch nicht, wenn es um Begegnungen mit dem Kfz-Verkehr gehe, meint Osthövener.

Dass vor allem die Sicherheit für Kinder schlecht bewertet wird, sieht der Alfterer ADFC als großes Problem an. Die nachfolgende Generation bekomme so keinen guten Einstieg in die wichtige Nahmobilität. Aufgrund des hohen Auspendleranteils und den zukünftigen Verkehrsproblemen durch Baustellen besonders in Bonn sei das Interesse am Fahrrad als Alternative zu Pkw und öffentlichem Nahverkehr hoch, sagt er weiter. „Die Ergebnisse werden noch mit dem Bürgermeister der Gemeinde Alfter im Detail besprochen“, erklärt Osthövener. Das existierende Radwegekonzept müsse konsequent abgearbeitet werden.

Kinder sind besonders gefährdet

Hatte Bornheim im Jahr 2016 die Durchschnittsnote 4,4 erhalten, vergaben die 113 Umfrageteilnehmer nun eine 4,5. Damit kommt die Vorgebirgsstadt, in der gleichen Größenklasse wie Alfter, bundesweit auf Platz 297 von 311, landesweit bedeutet das Platz 75 von 82. Auf der Skala zwischen den Aussagen, dass Radfahren in Bornheim spaßig oder stressig sei, vergaben beispielsweise 28 Prozent die Note 4 und 27 Prozent die Note 5.

Noch deutlicher ist das Ergebnis bei der Bewertung, ob Radeln sicher oder gefährlich sei. 41 Prozent verteilten die Note 5, 30 Prozent die Note 6. Ebenso ist eine große Mehrheit der Überzeugung, dass man Kinder nicht guten Gewissens alleine fahren lassen kann. Bornheims ADFC-Sprecher Stefan Wicht weist darauf hin, dass mit mangelhaft und schlechter auch die holprige und unebene Oberfläche der Radwege, die fehlende Reinigung der Radwege und die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen bewertet wurden.

Wicht: „Verbesserung gegenüber dem letzten Test hat es nur bei der Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung gegeben. Dies ist der einzige Punkt, wo Bornheim auch besser als der Durchschnitt der vergleichbaren Städte abgeschnitten hat.“ Diese Maßnahme der Stadt sei demnach bemerkt und positiv bewertet worden. „Aufgefallen beim diesjährigen Test ist die mehrfache Klage, dass Schulkinder nicht sicher mit dem Rad zur Schule fahren können.“ Eltern führen dann doch lieber das Kind gegen ihre Überzeugung mit dem Auto zur Schule. Das habe zur Folge, dass der Autoverkehr verstärkt statt reduziert werde und dass das Kind frühzeitig lerne, dass es ohne Auto kein vollwertiger Verkehrsteilnehmer sei.

Defizite in Bornheim

Allerdings fördere der selbstständige Weg zur Schule das sichere Verhalten im Verkehr und stärke das Selbstwertgefühl der Kinder. Wicht: „Überhaupt sind Schulkinder auch außerhalb des Fahrradklimatests ein guter Gradmesser.“ Nur Radwege, auf denen Schulkinder sich sicher fühlten, seien gute Radwege.

Mit der geplanten Radpendlerroute und der anvisierten Modernisierung des Zweibahnradweges an der Bonn-Brühler-Straße werde sich die Situation sicherlich verbessern. Stand jetzt müsse man aber sagen, dass Bornheim für moderne Mobilität nicht gewappnet sei. Es gebe keine passende Infrastruktur, um den Straßenverkehr zu entlasten. „Und so würden die Verkehrsteilnehmer dann doch wieder Auto fahren“, fügt er hinzu.

Weiter fragt er, welche Alternativen es denn gebe, um im Verkehr dem Klimawandel wirksam entgegenzutreten. „Wir kennen keine, die kostengünstiger und schneller realisierbar sind als Investitionen in eine gute Infrastruktur für den Radverkehr“, schlussfolgert er – und meint: „Bornheim hat eigentlich ein gutes Radverkehrskonzept. Es müsste nur umgesetzt werden.“

Die detaillierten Auswertungen auch für Alfter und Bornheim gibt es auf www.fahrradklima-test.de.

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