Windräder im Vorgebirge: Bornheimer kämpfen gegen Windräder

Windräder im Vorgebirge : Bornheimer kämpfen gegen Windräder

Die Interessengemeinschaft „Gegenwind“ informiert bei einer Versammlung in Hemmerich über den möglichen Bau von Windrädern auf dem Ville-Rücken zwischen Rösberg und Waldorf.

Ob an diesem Abend auch Befürworter der Idee im Saal waren, muss an dieser Stelle unbeantwortet bleiben. Diejenigen, die das Wort ergriffen, sendeten nämlich allesamt eine klare Botschaft aus: keine Windräder auf dem Ville-Rücken.

Wie berichtet, wurde Anfang des Jahres bekannt, dass verschiedene Unternehmen mehr oder minder konkrete Pläne haben, auf der Ville-Hochfläche – oberhalb von Rösberg, Hemmerich und Waldorf – Windkraftanlagen zur Energieerzeugung zu errichten. Und das bewegt die Menschen. So waren deutlich mehr als 100 Männer und Frauen am Dienstag ins Aegidiushaus nach Hemmerich gekommen.

Nur wenig ist bisher über die Pläne bekannt

Organisiert hatte den Abend die Interessengemeinschaft „Gegenwind“. Man dürfe nicht schlafen und müsse etwas tun, befand Andreas Röttgen, Mitglied der Interessengemeinschaft und Hemmerichs langjähriger Ortsvorsteher. Sein Mitstreiter Hermann-Josef Meiswinkel zählte die aus seiner Sicht gegebenen Nachteile von Windrädern auf der Vorgebirgshöhe auf: Schäden an der Natur, die Entwertung von Häusern und Grundstücken, Lärmimmissionen, mögliche Gesundheitsgefahren durch den sogenannten Infraschall und die Beeinträchtigung des Flugverkehrs. Und: Wenn Windräder einmal gebaut seien, würden sie bei Nachrüstungen immer höher, sagte Meiswinkel.

„Wir wissen nicht viel über die Pläne“, erläuterte Michael Pacyna, Vorsitzender des Landschafts-Schutzvereins Vorgebirge (LSV), den die Organisatoren mit ins Boot geholt hatten. Die höchste Zahl, die der LSV zur Menge der geplanten Windräder gehört habe, sei 19. Pacyna zufolge ist eine Bürgerbeteiligung und eine tiefer gehende Umweltprüfung erst ab 20 Anlagen erforderlich. Ebenso habe man gehört, dass Windräder mit 240 Meter Höhe geplant seien.

Weiter ging Pacyna auf eine Bedrohung von Flora und Fauna, vor allem streng geschützter Arten, in den dortigen Landschafts- und Naturschutzgebieten durch Windräder ein. Zudem befürchte der LSV, dass möglicherweise wieder Quarzkiesabgrabungsvorhaben auf dem Ville-Rücken aufs Tableau kommen, wenn die Landschaft durch Windräder „vorgeschädigt“ sei. Zugleich betonte Pacyna, dass eine Befreiung vom Landschaftsschutz für Bauvorhaben schwer zu erreichen sei.

Allerdings seien Windräder aufgrund des volkswirtschaftlichen Interesses privilegierte Vorhaben, erläutere LSV-Vize Norbert Brauner. Im Antragsverfahren würden die öffentlichen Interessen gegeneinander abgewogen. Man müsse dabei immer den Einzelfall sehen, meinte Brauner. „Alleine zur Windenergie gibt es eine kleine Bibliothek an Rechtsprechungen“, ergänzte der Jurist.

Fragen zu Gesundheitsgefährdungen

Laut Pacyna dauert es Jahre, bis eine mögliche Befreiung vom Landschaftsschutz für ein Unternehmen zum Windradbau vorliegen könnte. „Alleine ein Grundstück zu haben, gibt noch nicht das Recht, zu bauen“, unterstrich er. Deshalb sollte man erst einmal das in Arbeit befindliche Gutachten zur Windkraftkonzentrationszone bei Sechtem abwarten..

Die Zuhörer hatten viele Fragen – zu möglichen Gesundheitsgefährdungen, zum Abstand der Windräder zur Wohnbebauung, zur möglichen Einspeisung des dort erzeugten Stroms ins Netz oder zur Elektrostatik der Rotoren. Ein Anwesender regte an, eine Petition gegen die Windradpläne zu starten und Unterschriften zu sammeln.

Ein anderer Mann gab – bei allem Landschafts- und Naturschutz – zu bedenken, dass in den Unternehmen „keine Idioten“ arbeiteten, die schon wüssten, was sie tun. Röttgen zeigte sich kämpferisch: „Wir werden ihnen Knüppel zwischen die Beine werfen“, meinte er bildhaft. Er habe bereits Besuch von einem Unternehmensvertreter gehabt, berichtete ein Teilnehmer. Man wolle bis 700 Meter an sein Grundstück heran und 240 Meter hohe Windräder bauen. Er habe den Vertreter dann „rausgeschmissen“.

Wenn die Windräder gebaut würden, ginge ihr Reiterhof kaputt, berichtete eine Frau. Mit Blick auf die Energiewende müsse man sich aber auch in Bornheim überlegen, was man tun könnte, um Strom zu sparen, ergänzte sie. „Jeder einzelne ist gefragt und kann Ideen entwickeln.“