Gespräch am Wochenende: Bernd Stelter: "Heiraten ist absolut zeitgemäß“

Gespräch am Wochenende: Bernd Stelter : "Heiraten ist absolut zeitgemäß“

Wo andere Urlaub machen, arbeitet er. Und wo andere Urlaub machen sollten, da lebt Bernd Stelter. Am Herseler Rheinufer unweit des Jachthafens blickt der Musiker, Komiker, Karnevalist und Buchautor auf den Strom.

Für die Jahreszeit ist er ungewöhnlich braun gebrannt. Im Indischen Ozean sang er jüngst für die Passagiere eines Kreuzfahrschiffes. „Wer heiratet, teilt die Sorgen, die er vorher nicht hatte“ lautet der Titel seines neuen Programms, mit dem er jetzt auf Tournee geht.

Wie hat Ihre Frau reagiert, als sie gewahr wurde, dass sich Ihr neues Programm um sorgenvolle Momente in der Ehe dreht?
Bernd Stelter: Wunderbar. Sie fand es großartig. Das Besondere an dem Titel ist ja, dass er positiv ist.

Ach, was!
Stelter: Ja. Denn wer sich die Sorgen anderer teilt, wird glücklich. Natürlich ist es provokant, das Ganze erstmal anders herum zu nennen. Aber die Wendung ist das Thema des Programms – pro Ehe, passend zu meiner Silberhochzeit in diesem Jahr. Andere Kollegen behaupten ja auf Kabarettbühnen, dass Frauen und Männer gar nicht zusammenpassen.

Ich weiß gar nicht, wen Sie meinen...
Stelter: Mein Ansatz ist ein anderer. Ich spiele etwa einen sauerländischen Bauern, der die Festrede zur Silberhochzeit seines Nachbarn hält – atemberaubend. Ich spiele einen Standesbeamten, der auf einem Kongress der Standesbeamten über die Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare doziert, was auch sehr lustig ist und sehr böse. Was mir besonderen Spaß macht, ist der Oberstudiendirektor am Rosamunde-Pilcher-Gymnasium. Ich habe während der Recherche zum Programm festgestellt: Es gibt keine Literatur über glückliche Ehen. Da fand ich es ausgesprochen witzig, das mal auseinanderzunehmen.

Glückwunsch zur anstehenden Silberhochzeit. Ich selbst bin erst im neunten Ehejahr. Von welchen Sorgen sprechen Sie eigentlich um Himmels Willen?
Stelter: Ich spreche von meinem eigenen Geheimnis einer glücklichen Ehe. Das kann ein anderes sein, als Sie es vielleicht haben. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Bei mir im Beruf ist es unglaublich schön, wenn ich mein Rückzugspotenzial zu Hause habe, und ich eine Frau habe, die mich mit allem auffängt.

Im Showbusiness zu arbeiten und 25 Jahre verheiratet zu sein, ist schon etwas, was nicht jedem in Ihrer Branche vergönnt ist...
Stelter (lacht): Nicht so oft. Es gibt einige Protagonisten der Mehrfach-Ehe, die da so unterwegs sind... Ich bin mir sehr sicher, dass ich das nie brauchen werde – im Gegenteil. Mich hat das Lied von Wolfgang Niedecken „Zosamme alt“ sehr berührt. Ein wunderschönes Stück, ein großartiger Text. Das Zusammen-alt-werden nimmt dem Älterwerden den Schrecken.

Sie versuchen sich in Ihrem Programm auch in die Lebenswirklichkeit eines Singles hineinzuversetzen. Haben Sie für die knallharte Recherche auch „geparshipt“ – auf Probe zumindest?
Stelter: Nein. Aber die Parship-Nummer ist eines meiner Highlights. Ich weise nämlich nach, dass Parship sage und schreibe über eine Erfolgsquote von einem Prozent verfügt. Die sagen: Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship. Das sind sechs pro Stunde, 144 am Tag – macht übers Jahr 52 560 Singles. Bei einer Zahl von fünf Millionen zahlenden Mitgliedern reden wir über eine Erfolgsquote von einem Prozent. Das ist schon ziemlich schlapp, finde ich.

Apropos: Wie zeitgemäß ist das Heiraten denn heutzutage noch? Wir leben schließlich im Zeitalter der Löschroutine. Heißt: Bevor es uns zu viel wird, drücken wir die Löschtaste – zumindest bei E-Mails und Whatsapp.
Stelter: Heiraten ist absolut zeitgemäß. Wenn das Verheiratetsein dazu führt, dass man einmal mehr darüber nachdenkt, bevor man sich trennt, dann kann das schon Grund genug gewesen sein. Ich bin gerne verheiratet. Wenn ich auf meinen Tourneen bin, denke ich am Anfang: Wunderbar, ich ziehe mit den Jungs mal um die Häuser. Aber spätestens nach vier Tagen, da reicht einem das Telefon nicht mehr. Da will man sie endlich wieder in den Arm nehmen, und das finde ich schön. So helfen diese kleinen Tourneen mit, dass nach 25 Jahren Ehe die Sehnsucht noch eine Chance hat.

Blötschkopp Marc Metzger berichtete vor wenigen Wochen im GA-Gespräch, wie es zu seinem Burn-out kam. Er habe es als normal empfunden, viel zu viele Termine anzunehmen, räumte er ein. Was tun Sie, um nicht eines Tages auszubrennen?
Stelter: Ich habe mal in einem Essay gelesen, dass ein Burnout-Patient auf die Frage, wo er sich entspannen kann, nur antwortet: Äh, äh... Wenn Sie mich fragen, wo ich entspannen kann, sage ich: Hier, in Holland, auf dem Golfplatz. Ich sehe den Job ja mit ein bisschen Demut. Ich liege öfter abends im Bett, blicke nach oben und sage Dankeschön. Ich bin von einem Burnout sehr weit entfernt.

Auch was Hersel angeht, feiern Sie Silberhochzeit in diesem Jahr.
Stelter: Am 1. Juni 1991 haben wir geheiratet, und im Juli 1991 sind wir hier in Hersel eingezogen.

Wie kam's?
Stelter: Als meine Frau und ich überlegt haben zu heiraten, mussten wir erst mal zusammenziehen. Wir wollten eine schöne Gründerzeitwohnung in Bonn haben. Doch nach der Wiedervereinigung waren die extrem teuer. So haben wir – mit dem GA in der Hand – das berühmte Reihenhaus hier in Hersel gefunden. Da lag gerade die Bodenplatte. So konnten wir noch ein bisschen mitentscheiden, wie es aussehen soll.

Ihr Auftritt in der Rheinhalle am 28. April mit dem neuen Programm ist in Hersel auch großflächig plakatiert.
Stelter: Das ist meine Halle. Entschuldigung: Ich wohne hier seit 25 Jahren, die Rheinhalle ist meine Halle. Für mich ist das toll, wenn all die Leute aus dem Dorf kommen. Ich habe ja auch hier alles Mögliche mitgemacht. Ich war Sankt Martin, ich habe die Bornheimer Bürgerstiftung mitgegründet, und wir legen auch großen Wert darauf, hier zu wohnen.

Am Donnerstag, 28. April, gastiert Stelter um 20 Uhr in der Herseler Rheinhalle, Rheinstraße 201. Tickets zum Preis von 27 Euro in allen GA-Zweigstellen und unter bonnticket.de.

Mehr von GA BONN