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Interview mit Hans Josef Weber: "Alles ist mit Liebe gemacht"

Interview mit Hans Josef Weber : "Alles ist mit Liebe gemacht"

Gespräch am Wochenende: Der Alfterer Hans Josef Weber hat bisher rund 200 Krippen gebaut.

Es funktioniert alles!" Wenn der Alfterer Hans Josef Weber die Tür eines Mini-Kaninchenstalls öffnet, einen ebenso kleinen Schleifstein in Bewegung setzt oder an der Kurbel eines wenige Zentimeter hohen Brunnens dreht, steht ihm die Leidenschaft für sein Hobby ins Gesicht geschrieben. Bereits als Schuljunge baute er seine erste Krippe. Heute, mit 75 Jahren, pflegt er seine Lieblingsbeschäftigung immer noch. 15 Jahre lang organisierte er die Krippenausstellung der Roisdorfer Heimatfreunde. Auch an diesem Wochenende wird er bei der Ausstellung im katholischen Pfarrzentrum Sankt Clara dabei sein. Mit Hans Josef Weber sprach Sonja Weber.

Erinnern Sie sich an die erste Krippe, die Sie gebaut haben?
Hans Josef Weber: Ja, damals war ich zwölf Jahre alt. Die einfache Krippe, die es bei uns zu Hause gab, gefiel mir nicht. Da habe ich eine hübsche, neue gebaut. Auch unsere alten Krippenfiguren fand ich zu klein. Bei einem Besuch des Brühler Weihnachtsmarktes habe ich wunderschöne große Krippenfiguren gesehen, die ich unbedingt haben wollte.

Ein zwölfjähriger Junge, der sich für Krippenfiguren interessiert?
Weber: Auch wenn es komisch klingt: Von meinem zusammengesparten Taschengeld habe ich in Bonn neue Krippenfiguren gekauft. Ich kann gar nicht genau erklären, was mich daran so fasziniert. Ich finde sie einfach schön.

Es ist ja nicht bei dieser einen Krippe geblieben.
Weber: Nein, danach hatte ich richtig viel zu tun. Denn viele Besucher, die zu uns kamen und meine Krippe bewunderten, gaben gleich eine Bestellung auf. Ich durfte sogar eine Krippe im Schaufenster unseres Dorfbäckers ausstellen.

Schätzen Sie mal: Wie viele Krippen haben Sie in Ihrem Leben schon gebaut?
Weber: Das ist schwer zu sagen, aber ich denke, dass es sicher an die 200 Krippen gewesen sein müssen.

Wie lange dauert es, bis Sie eine Krippe fertiggestellt haben?
Weber: Das kommt natürlich auf die Größe der Krippe an - an einem großen Modell arbeite ich etwa 100 Stunden. Viele Jahre hatte ich dazu gar keine Zeit. Erst als ich Rentner wurde, habe ich wieder richtig angefangen und etwa sieben bis acht Krippen pro Jahr angefertigt. So viele sind es heute nicht mehr.

Was macht Ihre Krippen besonders?
Weber: Ich benutze hochwertiges Holz und achte sehr aufs Detail. Vom Zaun bis zum Ziegenstall, vom Handkarren bis zum Ofen im Backes, aus dem es qualmt: Alles ist mit Liebe gemacht und natürlich auch funktionsfähig.

Welche Materialien verwenden Sie am liebsten?
Weber: Vor allem altes Eichenholz, von dem ich mir vor Jahren einen großen Vorrat angelegt habe. Aber auch Rinde, Wurzeln und schön geformte Äste werden verarbeitet. Ich gehe mit offenen Augen durch den Wald.

Gibt es in unserer Region einen "Krippentyp", der besonders häufig vorkommt?
Weber: Früher gab es hier praktisch in jedem Haushalt die "Vorgebirgskrippe" - eine Krippe aus Birkenholz. Das Birkenholz war wegen seiner weißen Rinde sehr beliebt.

Sie restaurieren auch alte Krippenfiguren. Woher bekommen Sie diese Schätzchen?
Weber: Überwiegend von Flohmärkten. Wenn meine Kinder irgendwo etwas entdecken, bringen sie es mir mit.

Haben Sie Ihre Leidenschaft an Ihre Kinder weitergegeben?
Weber: Das Krippenbauen nicht, aber sie basteln und werken auch gerne. Ich habe auch jedem unserer drei Kinder eine Krippe gebaut - jedes hatte seine eigenen Wünsche und Vorstellungen.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Weber: Wenn ich irgendwo etwas Schönes sehe, präge ich es mir ein und baue es nach. Ob eine orientalisch angehauchte Ruine, ein Fachwerkhaus, eine Wurzelkrippe oder ein Modell aus Baumrinde - ich habe schon vieles umgesetzt. Wenn ich an einer Krippe arbeite, habe ich meist schon eine Idee für die nächste im Kopf.

Wie viel müssen Ihre Kunden für eine selbstgebaute Krippe ausgeben?
Weber: Das kommt natürlich sehr auf die Größe und das Material an. Ein einfaches Modell ist ab 30 Euro zu haben, ein großer Bauernhof kostet etwa 270 Euro. Das ist viel Geld, aber es steckt auch sehr viel Arbeit dahinter. Und eine Krippe kauft man ja auch nicht alle Tage.

Info

Die Krippenausstellung der Heimatfreunde Roisdorf ist an diesem Wochenende im Pfarrheim Sankt Clara, Heilgersstraße 21 in Roisdorf, zu sehen. Geöffnet ist die Schau am Samstag von 15 bis 18.30 Uhr sowie am Sonntag von 10.30 bis 18 Uhr.