Flughafen Köln/Bonn: Rededuell zum Fluglärm

Flughafen Köln/Bonn : Rededuell zum Fluglärm

Die Fronten beim Thema Nachtflug bleiben zwischen der Stadt Siegburg und dem Flughafen Köln/Bonn verhärtet. Bei einem Streitgespräch, zu dem der General-Anzeiger in die Siegburger Redaktion eingeladen hatte, tauschten sich Bürgermeister Franz Huhn und Flughafen-Chef Michael Garvens über das Thema aus.

Huhn setzt darauf, dass der Flughafen einem Planfeststellungsverfahren unterzogen wird - weil dabei unter anderem die Auswirkungen des nächtlichen Fluglärms auf die Bevölkerung untersucht würden. Er geht davon aus, dass der Nachtflug danach untersagt würde. Garvens sieht für dieses Verfahren keine Notwendigkeit. Der Flughafen engagiere sich weiter für kleinere Maßnahmen wie passiven Schallschutz in lärmbelasteten Gebieten.

Hier der Gesundheitsschutz für die Menschen in der Region, dort die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens - dazwischen gibt es kaum Spielraum für einen Konsens. So führt Garvens den Lärmzuschlag an, mit dem der Flughafen den verstärkten Einsatz leiserer Maschinen bewirken will. Die Gebühren sind aus Sicht von Huhn viel zu niedrig: "Die sind wirklich keine Maßnahme, um Krachmacher fernzuhalten."

Er sieht bei diesem Thema die Eigentümer des Flughafens - Bund, Land, Stadt Köln - in der Pflicht. Huhn argumentiert zudem mit den jüngst vorgestellten Studien von Professor Eberhard Greiser, in denen die schädlichen Auswirkungen des Nachtfluglärms untersucht worden sind. "Je einer Million Euro Gewinn am Airport stehen 7,8 Millionen Euro Krankheitskosten gegenüber", so der Bürgermeister. Für die nächsten zehn Jahre werde mit 3700 Erkrankungsfällen durch Fluglärm gerechnet, sogar mit 600 Todesfällen. Garvens weist die Untersuchungen als makaber zurück, außerdem seien die Greiser-Studien in der Fachwelt umstritten und hätten auch "vor hochinstanzlichen Gerichten keinen Bestand".

Apropos Gerichte: Die Justiz wird sich auch weiter mit dem nächtlichen Flugverkehr in Köln/Bonn befassen müssen. Huhn kündigt an, die Stadt werde die rechtlichen Grundlagen des Flughafens genau untersuchen lassen. "Wir werden nicht nur in Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene die Gerichte bemühen", sagt er. Garvens indes bezeichnet die Genehmigung für den Nachtflug als "gerichtsfest".

Das Land hat zur Zeit der Rüttgers-Regierung die Erlaubnis für nächtliche Flüge bis 2030 verlängert. 2012 wollte die rot-grüne Landesregierung ein nächtliches Flugverbot zumindest für Passagiermaschinen verhängen. Es kam nicht dazu, weil sich das Land dem Bund beugte. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hielt die Regelung für nicht rechtens.

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