Prozess vor dem Amtsgericht Siegburg: Männer nach Schlägerei in Linie 66 verurteilt

Prozess vor dem Amtsgericht Siegburg : Männer nach Schlägerei in Linie 66 verurteilt

Zeugen berichten von Belästigungen und Beschimpfungen in der Stadtbahnlinie 66. Ein Opfer wurde auf die Bahnschienen geschubst. Die beiden Angeklagten müssen jeweils 750 Euro an gewaltpräventive Projekte zahlen.

Wirkliche Einsicht ist bei den beiden jungen Männern nicht zu erkennen, die nach "Rhein in Flammen" im vergangenen Jahr in einer Straßenbahn randaliert hatten und in eine Schlägerei auf dem Bahnsteig in Vilich verwickelt waren (der GA berichtete). Deshalb schickte der Richter den Älteren von beiden am Montag für eine Woche in Dauerarrest.

"Sie brauchen ein bisschen Zeit zum Nachdenken. Die Einzigen, die etwas falsch gemacht haben, sind für Sie immer die anderen", sagte er in seiner Urteilsbegründung. Außerdem müssen beide Angeklagten jeweils 750 Euro an gewaltpräventive Projekte zahlen. Die Staatsanwältin hatte Sozialstunden und die Teilnahme an einem Anti-Gewalt-Training gefordert.

Es war der zweite Prozesstag im Siegburger Amtsgericht, wo verschiedene Zeugen aussagten. Trotz großer Erinnerungslücken fügte sich ein Bild zusammen: Die beiden damals 18 und 19 Jahre alten Männer waren spät nachts mit einer Stadtbahn der Linie 66 auf dem Weg nach Hause. Im Wagen belästigten sie lautstark Mitreisende. Außerdem sollen sie zwei Mädchen unter den Rock gefasst haben, was jedoch nicht Teil der Anklage war. Die Mädchen hatten sich nicht bei der Polizei gemeldet.

An der Haltestelle Vilich forderten Fahrgäste den Fahrer auf, den jungen Männer die Weiterfahrt zu verbieten. Ein Student erinnerte sich als Zeuge an die weinenden Mädchen. Der Fahrer habe selbst Angst gehabt, die Männer seien sehr aggressiv gewesen. Als der Zeuge sich einmischte, wurde er von dem damals 18-Jährigen verfolgt und ins Gesicht geschlagen. Nachdem der Student gemeinsam mit einem Bundespolizisten, der ebenfalls in Vilich ausgestiegen war, die Polizei alarmiert hatte, beobachtete er die folgende Schlägerei auf dem Bahnsteig aus der Ferne. E

Eine Gruppe alkoholisierter Jugendlicher mischte sich in die Auseinandersetzung ein. "Ich kann mich nicht mehr so gut erinnern, ich war betrunken" war ein Satz, der an diesem Prozesstag häufig fiel. Einer der Zeugen war ein Freund der Angeklagten aus Troisdorf. Auch er mochte sich nicht so recht erinnern: "Es ist ja auch schon acht Monate her". Der Richter hielt ihm vor: "Wenn das ein einmaliges Ereignis ist, dann behält man das." Die Zeugen bestätigten die Anklage, wonach der 19-Jährige einen Beteiligten auf die Bahnschienen geworfen hatte.

Der ältere Angeklagte wurde schließlich wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und Beleidigung verurteilt – er hatte auf dem Weg in den Polizeigewahrsam einen Beamten ebenso wüst beschimpft wie zuvor die Mitreisenden in der Stadtbahn.

Der zweite Angeklagte wurde wegen zweifacher Körperverletzung verurteilt. "Bei der Schlägerei auf dem Bahnsteig werden Sie auch etwas abbekommen haben. Aber egal, wer angefangen hat – wenn einer auf dem Boden liegt, ist Ende", mahnte der Richter. Sozialstunden hielt er nicht für praktikabel, weil beide Angeklagten in der Ausbildung sind. Stattdessen bekamen sie ein Monatseinkommen als Geldauflage.

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