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Abteigeschichte in Siegburg: Altarkreuz kehrt zurück auf den Michaelsberg

Abteigeschichte in Siegburg : Altarkreuz kehrt zurück auf den Michaelsberg

Das Kruzifix soll als Dauerleihgabe des Kölner Museums Schnütgen in der Abteikirche hängen. Im restaurierten Chorraum soll es ein Stück Abteigeschichte bewahren.

Eigentlich sollte es ab Oktober der Kern einer Sonderausstellung im Kölner Museum Schnütgen sein. Unter dem Titel „Expedition Mittelalter. Das verborgene Museum Schnütgen“ holen Museumsleiter Moritz Woelk und seine Mitarbeiter dann Exponate aus dem Verborgenen ans Licht und bringen sie aus dem Depot in die Ausstellung. Auf das monumentale Altarkreuz, das nach der Auflösung der Benediktinerabtei 2011 von der Abteikirche auf dem Michaelsberg nach Köln ins Museum zog, müssen sie nun aber verzichten. Das kehrt pünktlich zur Eröffnung des Katholisch Sozialen Instituts (KSI) als Dauerleihgabe des Schnütgen-Museums zurück nach Siegburg. Im restaurierten Chorraum soll es ein Stück Abteigeschichte bewahren.

Noch aber hängt das schwere Kruzifix in Köln. Vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen als Sonderobjekt in einem eigenen Raum im Depot des Schnütgen-Museums. Der Weg dorthin führt durch lange Gänge, vorbei an vielen hohen Türen. Die Ausmaße des Kreuzes sind in dem kleinen Raum, der beim Fototermin am Dienstag schnell voller Menschen ist, auszumachen. Drei Meter ragt es in die Höhe, fast zwei Meter in die Breite. „Es ist ziemlich schwer, daher ist es eine große Kunst, es sicher aufzuhängen“, sagt Moritz Woelk. Die Ketten, an denen das Kruzifix an der Wand hängt, hat einst ein Siegburger Metallbauer geschmiedet, weiß Siegburgs Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger zu berichten.

Das war 1975. Im Annojahr zu Ehren des 1075 verstorbenen Abteigründers hatte der Verein der Freunde und Förderer des Michaelsberges das monumentale Kreuz als Dauerleihgabe des Schnütgen-Museums nach Siegburg in die Abteikirche geholt. Und zuvor dessen Restaurierung bezahlt. „Wir sind froh, dass dieses besondere Kunstwerk damals mit unserer Hilfe konserviert werden konnte und nun künftig wieder in Siegburg zu sehen sein wird“, sagt Korte-Böger, die Vorsitzende des Fördervereins ist. Nach der Auflösung der Abtei war es im Juni 2011 zurück ins Schnütgen-Museum gegangen – zu einem Zeitpunkt als die Zukunft des Michaelsberges noch ungewiss war, „in Sicherheit gebracht“, hält Generalvikar Dominik Meiering vom Erzbistum Köln fest.

Auch er freut sich darüber, dass es allen Beteiligten gemeinsam unter großen Bemühungen relativ schnell gelungen ist, das Altarkreuz wieder nach Siegburg zu bringen. „An seinem besonderen Platz in der Kirche erinnert es an die Geschichte der Abtei und schlägt die Brücke in die Zukunft des Michaelsberges als einem Ort der Begegnung mit Christus“, sagt der Generalvikar. Ende April soll es soweit sein. Wenn die Restaurierung des Chorraumes abgeschlossen ist, wird das Kreuz befestigt.

Bis dahin ist es aber noch ein Stück Arbeit, verrät Meiering. Der Hochchor von Sankt Michael werde derzeit eingerüstet. Wie berichtet, hatte das Erzbistum im November 2015 im Zuge der Kirchenumgestaltung das hölzerne Chorgestühl entfernen lassen. Zum Entsetzen vieler Siegburger, die sich über den unsensiblen Umgang mit dem Gestühl von 1953 empörten. Das Erzbistum und KSI-Direktor Ralph Bergold entschuldigten sich damals und gewährten Einblick in die Planung. Die sieht eine flexiblere Nutzung des Chorraumes vor, für die es kein Chorgestühl mehr braucht.

Inzwischen hat ein Workshop stattgefunden, und es wird gearbeitet im zweitältesten Bauteil des Gebäudes. „Wir haben hinter dem Gestühl eine mit armdicken Eisenträgern durchbohrte Wand vorgefunden“, sagt Kunsthistorikerin Anna Pawlik, die die Restaurierung betreut. Der alte Putz musste abgeschlagen und erneuert werden. Ebenso die Basen der alten Säulen. Künftig sind Natursteinsäulen zu sehen, wie auch eine wiederentdeckte gotische Nische. Ein neuer Fußboden aus Sandstein wird ausgelegt. Die Kosten zahlt das Erzbistum aus dem Etat für den Bauunterhalt der Kirche.

Als „sehr glücklichen Tag“ bezeichnet Ulrich Herkenrath, zweiter Vorsitzender des Fördervereins, den Besuch in Köln. Seit Jahren habe der Verein darauf hin gearbeitet, dass das Kreuz wieder zurück nach Siegburg kehre. „Wir hatten Sorge, dass es in Vergessenheit gerät“, sagt Herkenrath. „Wenn das Kreuz nun zurück an seinen Platz kommt, ist die Lücke im Chorraum endlich wieder gefüllt.“ Moritz Woelk zeigt sich ein wenig wehmütig: „Das Herz unseres Museums schlägt künftig in Siegburg.“ Für seine Ausstellung hat er aber Ersatz gefunden, ebenfalls aus Siegburg: die Anno-Kasel, ein Messgewand aus dem Grab des Erzbischofs Anno.