Ausbau der A59: Sechs Häuser fallen für die Autobahn

Ausbau der A59 : Sechs Häuser fallen für die Autobahn

Auch das Haus von Inge und Clemens Tondar in Meindorf muss für den Ausbau der A59 abgerissen werden. "Na ja, vielleicht werden wir das ja noch erleben", sagt Inge Tondar. Seit Jahren schon lebt die 86-Jährige Meindorferin mit dem Gedanken daran, dass sie ihr Haus an der Straße "Im Winkel" verlassen muss.

Ein Haus, in dem sie seit 53 Jahre wohnt. Ein Haus, das nur einen Makel hat: Es steht zu dicht an der Autobahn 59. Die soll bald schon auf acht Fahrstreifen ausgebaut werden. Und dafür sind das Haus Nummer acht und die Gasleitung, die durch den Garten läuft, im Weg. "In dem Alter noch umzuziehen, ist schwer", sagt Ehemann Clemens Tondar, 85. "Wo sollen wir denn hin?", fragt der Ur-Meindorfer, der in dem Augustiner Ortsteil geboren ist. 1959 habe man das Haus gebaut, 1972 sei die Autobahn gekommen.

41 Jahre leben sie nun schon Seite an Seite mit wummernden Lastwagen und den vorbeirauschenden Autos. Rund 100.000 sind das pro Tag. Es gibt zwar eine Lärmschutzwand. Doch es bleibt laut im Garten. "Wir haben uns aber daran gewöhnt", sagte Inge Tondar: "Und leben gerne hier."

Im Jahr 2007 hatte der Landesbetrieb Straßen NRW die Bürger in Meindorf über den Autobahn-Ausbau informiert. Sechs Häuser in den Straßen "Im Winkel" und der Bahnhofstraße, hieß es damals, müssten den zwei zusätzlichen Fahrspuren weichen. Das sei für sie ein Schock gewesen, sagt Inge Tondar.

"Aber seither haben wir nie wieder etwas gehört", kritisiert Sohn Dieter Tondar. "Aus der Presse haben wir dann erfahren, dass es jetzt wohl weitergeht." Die Frage sei doch, was man mit dem Haus jetzt noch mache. "Können wir noch renovieren und Geld investieren, oder lohnt sich das nicht mehr?", fragt Dieter Tondar. Sicher ist: Der Abriss der sechs Häuser ist weiterhin notwendig.

Das bestätigte Wolfgang Schmitt, Abteilungsleiter Planung bei der Regionalstelle des Landesbetriebs Straßenbau NRW, Niederlassung Rhein-Berg. "Da werden wir uns bald drum kümmern müssen und einen Grunderwerbsplan aufstellen. Der existiert noch nicht", so Schmitt. Man werde den betroffenen Hausbesitzern dann Angebote machen, die sich an ortsüblichen Preisen orientieren. Vor Kurzem hatte der Landesbetrieb vermeldet, dass noch in diesem Jahr Bürgerbeteiligung und Planfeststellungsverfahren für das 35 Millionen Euro teure Projekt auf dem 2,8 Kilometer langen Abschnitt zwischen Autobahndreieck Sankt Augustin und dem Kreuz Bonn Nord-Ost starten.

Doch das ist schon wieder überholt. "Das klappt nicht wegen Personalmangel", sagt Schmitt. "Viele Kollegen sind bei der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans gebunden." Er rechne frühestens Mitte 2014 mit dem Beginn. Bis Baurecht vorliegt, vergehen zwei Jahre. Neun Monate werden für die baureife Planung benötigt. "Dann fängt die Firma an", so Schmitt. Frühestens 2019 werde der Ausbau abgeschlossen sein. Und die Tondars? "Wer weiß, ob wir dann noch da sind", sagt Inge Tondar. Bleiben sie so fit, wie sie sind, werden sie den Abriss ihres Hauses wohl noch erleben.

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