Tage der Architektur 28./29. Juni: Reisebüro produziert Strom selbst

Tage der Architektur 28./29. Juni : Reisebüro produziert Strom selbst

In Rheinbach, Bornheim und Swisttal gibt es Beeindruckendes an den Tagen der Architektur zu sehen.

Wenn der Postbote die Rechnungen der Energieversorger auf den Schreibtisch von Markus Hegemann legt, ist das für den Chef des Reiseunternehmens "Neue Wege" aus Rheinbach kein Grund, in Schnappatmung zu verfallen.

So entspannt, wie es sich für einen Anbieter für bewusstes und nachhaltiges Reisen annehmen lässt, öffnet er die Kuverts. Denn: Das im Dezember 2013 bezogene Bürogebäude am Getreidespeicher, nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt, ist ein Null-Energie-Haus, das dank kluger Kniffe mehr Energie erzeugt als es verbraucht.

Am Samstag können Neugierige die architektonisch und technisch ungewöhnliche Immobilie zum Tag der Architektur in Augenschein nehmen.

In der Mittagspause genießen Hegemanns Mitarbeiter auf der Loungeterrasse nicht nur den Blick aufs Siebengebirge, sondern auch auf einen Teil der Solaranlage, die den Firmenstrom liefert. "Wir verbrauchen 22.000 Kilowattstunden im Jahr und erzeugen 25.000", sagt Hegemann.

Nachhaltigkeit durchzieht das Haus als gelebte Philosophie. Energiesparendes LED-Licht, eine Brauchwasserwärmepumpe, die Dreifachverglasung sowie atmungsaktive Materialien für Isolierung, Putz und Farbe oder die passive Belüftung sind nur einige der nachhaltigen Glanzlichter des Neubaus.

Aus städtebaulicher Sicht verbindet das Haus auf architektonisch ansprechende Weise die Rheinbacher Altstadt mit dem Gelände der Hochschule und wertet somit das gesamte Ensemble rund um den Bahnhof auf.

Da es an den Gleisen angesiedelt ist, bietet es der angrenzenden Wohnbebauung einen willkommenen Lärmschutz, die Mitarbeiter schätzen die Bahnnähe. "Für manche ist dies das Hauptargument, bei uns anzufangen." Die Tendenz der Mitarbeiterzahl ist steigend. Aus 20 Beschäftigten sollen bis August 25 werden.

Genau unter die Lupe nehmen können Besucher morgen und am Sonntag ebenso das neu gestaltete Kreaforum in Morenhoven, dem Ort, an dem einmal im Jahr der Kleinkunstpreis "Morenhovener Lupe" verliehen wird. Der Architekt Reinhard Göhler, der die stark sanierungsbedürftige alte Schule in eine Kreativschule samt Bühne verwandelte, gewährt Einblicke in das Projekt an der Eichenstraße 3.

Zu besichtigen ist ebenfalls das Wohnhaus der Eheleute Freiherr von Canstein, Kitzburger Straße 83, in Walberberg. Den Entwurf plante Christian Teupel vom Kölner Architekturbüro Arcade. "Das pensionierte Ehepaar tauschte die 13 Wohnräume seiner denkmalgeschützten Burg gegen ein kubisches Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von etwa 250 Quadratmeter", sagt Teupel.

"Der ausdrückliche Wunsch der Bauherren war es, keine zweite Burg zu bauen, sondern ein eigenständiges, modernes und altersgerechtes Wohnhaus zu schaffen." Dies bedeutet unter anderem, dass das Haus in kubistischer Bauhausarchitektur stufenfrei erreichbar ist. Zudem sind die Ebenen mit einem Aufzug verbunden - groß genug für einen möglichen Rollstuhl.

Ebenso seniorengerecht sind die Bäder gestaltet. Und: "Alle Türen sind 1,1 Meter breit, damit auch Personen mit Rollator oder im Rollstuhl sie problemlos nutzen können." An die Bedürfnisse von Senioren dachte der Architekt auch bei dieser Idee: "Auf der zweiten Ebene gibt es eine Einliegerwohnung für mögliches Pflegepersonal.

"Wunderbar an der Lage des Hauses sei der Blick aufs Rheintal. Da das Gebäude in einer Hanglage liegt, sei die Terrasse 1,50 Meter höher als das Gartenniveau, damit die Barrierefreiheit erhalten bleibt.

Das ist der Tag der Architektur in der Region

Bornheim

  • Altersgerechtes Einfamilienhaus, Kitzburger Straße 83, Walberberg, So., 11-13 Uhr. Energetische Sanierung und Erweiterung eines Wohnhauses aus den 50er Jahren, Hühnermarkt 8 a, Waldorf, So., 11-13 Uhr.
  • Neuanlage eines Hausgartens, Oderstraße 37, Hersel, Sa., 12-15 Uhr.
  • Neubau einer Sprachförderschule mit Turnhalle als Passivhaus, Wallrafstraße 4, Bornheim, So., 14-17 Uhr.
  • Umbau eines Bauernhofes aus den 30er Jahre zu einer Wohnanlage mit sechs Wohnungen, Hellstraße 117, Brenig, Sa., 11-14 Uhr.

Swisttal

  • Umbau alte Schule im Kreaforum in Morenhoven, Eichenstraße 3, Sa. und So., jeweils 14-17 Uhr.

Rheinbach

  • Nachhaltige Architektur Reisebüro "Neue Wege", Am Getreidespeicher 11, Sa., 14-17 Uhr.
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