Prozess in Siegburg: 21-jähriger Niederkasseler wegen Spritztour verurteilt

Prozess in Siegburg : 21-jähriger Niederkasseler wegen Spritztour verurteilt

Das Siegburger Amtsgericht hat einen 21-jährigen Fahranfänger aus Niederkassel zu einer Geldstrafe verurteilt und ihm den Führerschein entzogen. "Sie können froh sein, dass die Beteiligten mit allen Körperteilen da herausgekommen sind", sagte der Richter.

Ein Auto mieten und mit seinem Freund eine flotte Spritztour machen. Das hatte ein 21-Jähriger aus Niederkassel im Juli 2018 vor. Weil die gemeinsame Fahrt allerdings in einem Unfall endete, saß der gelernte Schreiner jetzt unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung auf der Anklagebank im Siegburger Amtsgericht.

„Ich hatte meine Ausbildung abgeschlossen und zum ersten Mal Gehalt bekommen“, erzählte der 21-Jährige vor Gericht. Gemeinsam mit seinem Freund habe er schon lange den Traum gehabt, ein Auto zu mieten und durch die Gegend zu fahren.

Niederkasseler fuhr 80 km/h zu schnell

Auf der Strecke von Mondorf nach Niederkassel soll der 21-Jährige laut Anklageschrift mit dem gemieteten Wagen 80 Stundenkilometer zu schnell gefahren sein, außerorts sogar 100 Stundenkilometer mehr als erlaubt.

„Unser Lieblingssong lief, und wir haben mitgesungen. Ich wusste nicht, dass ich das Gaspedal ganz durchgedrückt hatte“, sagte der Angeklagte. „Ich weiß noch, dass wir aus Rheidt rausgefahren sind, aber dann ist alles verschwommen“. Er wisse nicht, wie schnell er gefahren sei, sagte er.

Als von links plötzlich ein Auto auf die Deutzer Straße einbog, soll auch die Vollbremsung nicht mehr geholfen haben. Der 21-Jährige soll auf das Auto aufgefahren und es durch die Geschwindigkeit sogar auf die Bahngleise geschoben haben. Die 59-jährige Fahrerin habe sich verletzt und leide auch heute noch unter Ängsten. Auch die beiden jungen Männer sollen sich leicht verletzt haben.

Fahranfänger entschuldigt sich

„Ich möchte mich bei Ihnen herzlich für mein Fehlverhalten entschuldigen“, sagte der Angeklagte vor Gericht zu der Fahrerin. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs unter dem Vorsatz, die Höchstgeschwindigkeit erreichen zu wollen, verurteilte der Richter den 21-Jährigen zu einer Geldstrafe von 6000 Euro.

Außerdem soll er erst in vier Monaten seine Fahrerlaubnis wieder bekommen. Sechs Monate musste der Niederkasseler bereits auf seinen Führerschein verzichten. „Ich glaube ihnen nicht, dass Sie nicht wussten, wie schnell Sie gefahren sind. Ich wüsste auch nicht, was das für einen Zweck haben sollte, außer zu gucken, wie schnell das Auto fahren kann“, sagte der Richter. „Sie können froh sein, dass die Beteiligten mit allen Körperteilen da herausgekommen sind“.

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