Ausstellung im Rathaus Niederkassel: Kampagne gegen sexualisierte und häusliche Gewalt

Ausstellung im Rathaus Niederkassel : Kampagne gegen sexualisierte und häusliche Gewalt

Die Ausstellung „Stark für Frauen“ ist derzeit im Niederkasseler Rathaus zu sehen und will auf die hohe Dunkelziffer aufmerksam machen. Das Frauenzentrum bietet Betroffenen Hilfe an.

Die Plakate, die den Rathausbesucher die Treppe hinauf begleiten, sind Hingucker und bringen auf den Punkt, welche Formen von Gewalt gegen Frauen es gibt. Dass die Situation der Betroffenen nicht aussichtslos ist und sie sich Hilfe holen können, darauf möchte das Frauenzentrum Troisdorf mit der Ausstellung „Stark für Frauen“ im Niederkasseler Rathaus aufmerksam machen. „Betroffene Frauen und Mädchen ab 14 Jahren sollen wissen, dass es Hilfe für sie gibt“, formuliert es Ulla Höveler, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Zuleydy Reyes Reyes und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Gabriele Neuhöfer, sowie Bürgermeister Stephan Vehreschild die Ausstellung im Rathausfoyer eröffnete.

Konzipiert wurde sie vom Dachverband der Frauenberatungsstellen in NRW. Die Ausstellung, die nach Troisdorf, Siegburg und Bornheim in Niederkassel Station macht, gehört zu einer Kampagne, die auf die Gewalt und die hohe Dunkelziffer der betroffenen Frauen aufmerksam machen soll. Und darauf, dass es Hilfe gibt. Sechs Themenfelder werden plakativ sichtbar gemacht. Das sind neben häuslicher und sexualisierter Gewalt auch Themen wie Stalking, digitale Gewalt oder Zwangsheirat sowie Essstörungen.

Die Beratungsstelle in Troisdorf gibt es seit 35 Jahren. Im vergangenen Jahr suchten 180 Frauen, die akut von häuslicher Gewalt betroffen waren, Hilfe bei den fünf Beraterinnen, die sich 3,5 Stellen teilen. 130 Frauen wurden von der Polizei zur Beratungsstelle vermittelt, 50 Frauen fanden eigenständig den Weg in die Beratungsstelle. 15 der von Gewalt betroffenen Frauen kamen aus Niederkassel. „Das ist eine Zahl, die jedoch nichts darüber aussagt, wie akut das Problem in Niederkassel tatsächlich ist“, sagen die Beraterinnen. Sie verweisen auf die extrem hohe Dunkelziffer zu diesem Thema. Geschätzt wird, dass die tatsächliche Zahl der betroffenen Frauen dreimal so hoch ist, wie die, die in der Beratungsstelle Hilfe suchen.

Betroffen seien Frauen aus allen Schichten, jeden Alters oder aber von sehr unterschiedlicher Bildung. Schwerpunkt in den Troisdorfer Beratungsstellen ist die häusliche und sexualisierte Gewalt. Dennoch sei die Bandbreite facettenreich, sagen Reyes Reyes und Höveler. Wichtiger Baustein der Beratungsstelle sei auch die Präventionsarbeit. Dazu zählten zum Beispiel die K.o.-Tropfen-Kampagne oder Selbstbehauptungskurse für Frauen. Besonders niederschwellig ist die Online-Beratung in Chats, die es seit einem Jahr gibt.

Von den Troisdorfer Häusern werden alle rechtsrheinischen Kommunen außer Königswinter und Bad Honnef betreut. Linksrheinisch zählen Bornheim und Alfter zum Einzugsgebiet des Troisdorfer Frauenzentrums. Die Personalkosten der Beratungsstelle belaufen sich auf ungefähr 238.000 Euro im Jahr. 45.000 Euro an Sachkosten kommen hinzu. Finanziert wird die Beratungsstelle aus Landesmitteln und aus Mitteln des Rhein-Sieg-Kreises. Rund 25.000 Euro müssen die Frauen jedes Jahr als Eigenanteil beisteuern. Diese Mittel werden aus Spenden, Gruppenangeboten, der Weiterleitung von Bußgeldern oder Veranstaltungs- und Mitgliedsbeiträgen akquiriert.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. April im Foyer des Niederkasseler Rathauses zu sehen.

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