Zu Besuch bei Christina Gelhaar: Wie eine evangelische Pfarrerin Weihnachten feiert

Zu Besuch bei Christina Gelhaar : Wie eine evangelische Pfarrerin Weihnachten feiert

Vom Plätzchenbacken bis zur Christmette: Christina Gelhaar, die als Pfarrerin für die evangelischen Kirchengemeinden in Ittenbach und der Königswinterer Altstadt zuständig ist, zelebriert das Fest. Was macht für sie Weihnachten aus?

In der Christuskirche ist es unerwartet warm. „Wir hatten gerade Schulgottesdienst“, sagt Christina Gelhaar und schlüpft aus dem Talar in die Strickjacke. Für rund 150 Kinder aus der Königswinterer Altstadt war es der letzte Schulgottesdienst vor den Weihnachtsferien, für die evangelische Pfarrerin der Beginn eines Arbeitstages, an dem sich ein Termin an den nächsten reiht. Vor allem in der Adventszeit. Stress statt Besinnlichkeit? Die 41-Jährige überlegt einen Moment und lächelt. „Das ist eine Frage der Erwartungen.“

Seit dem 1. Januar 2016 ist Gelhaar als Pfarrerin für die evangelischen Kirchengemeinden in Ittenbach und in der Altstadt zuständig. Mit ihrem Mann und den drei Töchtern – die jüngste sechs, die älteste elf Jahre alt – lebt sie im Ittenbacher Pfarrhaus. Und bereitet sich auf das Weihnachtsfest vor. „Zum Beispiel mit Plätzchen backen“, verrät sie.

"Plätzchenduft ist für mich Kindheitserinnerung"

Das sei so eine der Erwartungen, die sie aus ihrer Kindheit in Meckenheim ins Erwachsenenleben mitgenommen habe. Und die mittlerweile wiederum die eigenen Töchter an die Mutter stellten. „Plätzchenduft ist für mich Kindheitserinnerung“, erklärt sie. Zimtsterne, Schokomakronen („Für die ist mein Mann zuständig“), Vanillekipferl und Ausstechplätzchen kommen erstmals Ende November aus dem Backofen – mit mehreren Wiederholungen in den folgenden Wochen.

Ende November ist zugleich die Zeit, in der auch für sie als Pfarrerin die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest beginnen. Seniorenfeier, ökumenisches Adventsfenster, Krippenspiel – viele Veranstaltungen stehen in ihrem Kalender. „Und dazu gehört auch, mir zu überlegen, was ich den Menschen sagen möchte“, sagt Gelhaar.

Wichtig, ein Gespür zu entwickeln

Wichtig sei ihr, ein Gespür zu entwickeln – für die unterschiedlichen Menschen, auf die sie da treffe, für ihre teils schweren Schicksale. „Ich möchte gerne so reden, dass es bei den Leuten ankommt“, sagt sie. „Nicht über ihre Köpfe hinweg.“ Manchmal trage sie über Tage Ideen mit sich herum. Die durchaus auch ungewöhnlich sein dürfen und etwa Parallelen zu der Science-Fiction-Satire „Per Anhalter durch die Galaxis“ beinhalten. „Es geht auch um einen Perspektivwechsel. Darum, dass die Menschen aufmerken.“ Wie etwa bei einer ihrer Lieblingsgeschichten über den Wirt, der nicht Nein sagen konnte.

„Kinder üben ein Krippenspiel ein“, fasst sie kurz zusammen. „Der Junge, der die Rolle des Wirts übernommen hat, der Maria und Josef abweist, ist bei den Proben allerdings krank.“ Als er Jesus' Eltern am Tag der Aufführung laut Drehbuch die Tür weisen soll, mustert er das Paar jedoch ernst und sagt stattdessen: „Ja, irgendwo werden wir schon noch einen Platz für euch finden.“

Vorbereiten der Weihnachtsgottesdienste

Derzeit bereitet sie die Weihnachtsgottesdienste vor. Drei sind es für sie am 24. Dezember: der Familiengottesdienst um 15 Uhr in Ittenbach, eine Stunde später der Gottesdienst in der Altstadt mit Krippenspiel und schließlich um 22 Uhr die Christmette gleichfalls in der Altstadt. In der Zwischenzeit wird im Hause Gelhaar Weihnachten gefeiert. Traditionell gibt es Fondue an Heiligabend, „das lässt sich wunderbar vorbereiten“, sagt Gelhaar.

Bereits am Vortag werde der Weihnachtsbaum aufgestellt, die Kerzen – echte – jedoch erst am Abend des 24. Dezembers entzündet. „Das Weihnachtszimmer bleibt verschlossen, bis ich nach Hause komme“, erzählt sie. Und erst mit dem Läuten des Glöckchens gehe dessen Tür auf. „Auch das ist so eine der Erinnerungen aus meiner Kindheit, die mich innerlich bewegen.“

"Jetzt ist Weihnachten"

Geschenke werden ausgepackt, Weihnachtslieder gesungen, bis Christina Gelhaar sich wieder aufmacht, um die Christmette zu feiern. Stört es sie dann nicht, noch einmal aufzubrechen? „Nein“, sagt sie und lächelt. „Ich muss dann ja den Tisch nicht abräumen.“ Und schließlich seien es vor allem die Gottesdienste und die Musik, die für sie das Weihnachtsfest ausmachten.

„Wenn wir zum Abschluss der Christmette das Licht in der Kirche ausmachen, Kerzen in der Hand halten und zusammen 'O du fröhliche' singen, dann denke ich immer: Jetzt ist Weihnachten“, sagt sie. Und lächelt wieder.

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