Vinxeler treffen sich regelmäßig auf der Straße: "Bier am Schirm" ersetzt den Tresen

Vinxeler treffen sich regelmäßig auf der Straße : "Bier am Schirm" ersetzt den Tresen

Seit der Schließung der Dorfkneipe. Im April geht es weiter.

Seit dem Frühjahr hat Vinxel keine eigene Kneipe mehr. Und ob es das erhoffte Dorfgemeinschaftshaus auf dem Hobshof-Gelände irgendwann einmal geben wird, steht in den Sternen.

Doch einen Treffpunkt hat das Dorf inzwischen wieder. Von Ende Mai bis zum Winterbeginn trafen sich die Vinxeler alle zwei Wochen dienstags bei "Bier am Schirm". Beim jüngsten Treffen gab es in jahreszeitlicher Variation Glühwein am Schirm.

Die Idee für die Aktion ist denkbar einfach: Man begegnet sich jedes Mal zwangslos vor oder in der Einfahrt eines Dorfbewohners. Um 19.30 Uhr geht es los, spätestens um 22 Uhr ist Schluss. Es gibt Bier, Wein und Wasser. Für jedes Getränk zahlt man einen Euro in eine Sammeldose.

Der Stehtisch mit dem gelben Sonnenschirm als Markenzeichen ist immer dabei. Im heißen Sommer 2018 gehörte auch eine Wanne mit Eiswasser dazu, um die Getränke zu kühlen.

"Wir haben keine nennenswerte Arbeit. Der Aufwand ist wirklich minimal", sagt Christoph Kley, einer der Initiatoren. Man versuche, in jedem Teil des Dorfes einmal vertreten zu sein. Im April, wenn die Aktion fortgesetzt werde, sollen auch die letzten weißen Flecken auf der "Bier am Schirm"-Landkarte möglichst geschlossen werden.

"Als die Kneipe zugemacht hat, haben wir uns gefragt, wie es jetzt weitergeht", sagt Kley. Es war klar, dass es ohne Eigeninitiative für die Vinxeler keinen Treffpunkt mehr geben würde. Über Handzettel wurde Werbung gemacht. Für das kommende Jahr ist an einen E-Mail-Verteiler gedacht.

Auf Anhieb kamen viel mehr Leute als erwartet. Die Besucherzahl lag stets zwischen 40 und 80 Personen zwischen 40 und 90 Jahren, nur die jüngeren Leute sind nicht so gut vertreten. Immer wieder ist für die Initiatoren ein erstaunlicher Effekt zu beobachten. Leute, die seit 20 Jahren nebeneinander wohnen, lernten sich auf diese Weise kennen und seien direkt beim Du.

"Das ist ein äußerst sozialer Effekt. Man merkt richtig, wie Nachbarschaft entsteht", berichtet Kley. Mit seinem eigenen Nachbarn Hans-Josef Haas, der zu den Gründern von "Bier am Schirm" gehört, musste er diesen Umweg nicht erst gehen.

Die beiden Familien, die seit dem Ende der 90er Jahre nebeneinander an der Andreas-Schlüter-Straße wohnen, haben irgendwann sogar einige Zaunelemente zwischen ihren Grundstücken entfernen lassen, um sich leichter besuchen zu können.

Obwohl die beiden Männer dem Bürgerverein angehören und selbst Sprecher der Bürgerinitiative waren, handelt es sich bei "Bier am Schirm" nicht um eine offizielle Aktion. "Man unterhält sich über Gott und die Welt und manchmal auch übers Dorf", sagt Haas.

Die Bürgervereinsvorsitzende Mechthild Meiling und ihr Stellvertreter Rami Rabahieh wünschten der Aktion ebenso wie der kommissarische Sprecher der Bürgerinitiative, John Peter, viel Erfolg.

Kley und Haas sind nach eigener Aussage selbst davon überrascht, wie toll "Bier am Schirm" eingeschlagen hat. "Die Idee funktioniert", hat Kley festgestellt. Wichtig ist den Initiatoren, dass die Aktion "auf kleiner Flamme gekocht" und der Aufwand so gering wie möglich gehalten werde.

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