Serie Kennzeichen SU: Manchmal muss auch der Profi knobeln

Serie Kennzeichen SU : Manchmal muss auch der Profi knobeln

„Lehrer sollten sich von der Vorstellung verabschieden, dass man immer besser ist als die eigenen Schüler. Die sind teilweise besser als wir.“ Das trifft zumindest auf die Kinder und Jugendlichen zu, mit denen es Inge Hachtel zu tun hat.

Die pensionierte Lehrerin aus Königswinter-Uthweiler ist seit mehr als 20 Jahren Regionalkoordinatorin der Mathematik-Olympiade im Rhein-Sieg-Kreis. Derzeit knobeln kreisweit wieder zahlreiche Jungen und Mädchen der Klassen fünf bis zwölf von Gymnasien und Gesamtschulen an kniffligen Matheaufgaben, um sich für die nächste Runde des Wettbewerbs zu qualifizieren.

„Mathe-Olympiade, oh Gott“, das hat Hachtel in ihrer Laufbahn als Mathematiklehrerin am Anno-Gymnasium in Siegburg von ihren Schülern des Öfteren zu hören bekommen. Tatsächlich ist die Mathematik-Olympiade ein Wettbewerb, an dem zwar alle Schüler teilnehmen können, der aber vor allem Kinder anspricht, die mit besonderer Begeisterung beim Mathe-Unterricht dabei sind und schon früh Spaß an interessant gestellten Aufgaben auch außerhalb des Schulstoffes verspüren. Diese Talente sollen durch den Wettbewerb frühzeitig erkannt und gefördert werden.

„Die Förderung von mathematisch begabten Kindern ist mir ein großes Anliegen“, sagt Hachtel. Sie selbst war schon als Schülerin ein echter „Mathecrack“, obwohl sie eigentlich Latein viel lieber mochte: „In der achten Klasse haben die Leute reihenweise von mir abgeschrieben“, erzählt sie und schmunzelt.

Eine Mitschülerin habe ihr viele Jahre später erzählt: „Wenn du mir nicht geholfen hättest, dann hätte ich kein Abitur gemacht.“ „Das hat mich sehr gefreut“, so Hachtel, die sich als Schülerin selbst im Mathematik-Unterricht oft unterfordert gefühlt hat - eine besondere Begabtenförderung gab es damals noch nicht.

Hachtel ist überzeugt: „Viele Kinder können auch heutzutage ihre Begabung in der Schule nicht ausleben.“ Im Gegensatz zu besonders talentierten jungen Sportlern oder Musikern, die Anerkennung und Bewunderung ernten, führe eine Begabung für die Mathematik nicht selten zu Unverständnis und Ablehnung.

Hachtel hat oft genug erlebt, dass solche Kinder sogar in die Isolation geraten und zu Außenseitern werden. Als Lehrerin hat sie sich daher immer schon für besonders mathematikbegeisterte Kinder eingesetzt und sie zum Beispiel im Rahmen von Mathe-AGs gefördert: „Eine AG habe ich heute noch, obwohl ich schon seit zehn Jahren im Ruhestand bin“, erzählt die 75-Jährige. Unter Gleichgesinnten können die Kinder ihre Freude an der Mathematik ausleben.

Als Regionalkoordinatorin für die Mathe-Olympiade vergeht kaum ein Tag, an dem sich Hachtel nicht mit der Materie beschäftigt. Sie unterstützt und organisiert die regionale Durchführung des Wettbewerbs, sorgt zum Beispiel für die Verteilung der Unterlagen an die Schulen und sucht geeignete Korrektoren – ehrenamtlich versteht sich.

„Ich kann zum Glück auf viele Studenten und Ehemalige zurückgreifen. Viele sind über den Wettbewerb selbst jahrelang gefördert worden und freuen sich, nun etwas zurückgeben zu können.“ Sämtlichen Gesamtschulen und Gymnasien im Kreisgebiet hat Hachtel die Wettbewerbsunterlagen zugesandt. Sie bedauert, dass diese oftmals in den Fächern der Lehrern liegen bleiben. „Manche sind da leider ganz ablehnend.“ Andere wiederum würden die Aufgabenzettel mit in den Unterricht nehmen und versuchen, die Kinder für den Wettbewerb zu gewinnen. „Ich finde es schön, wenn Lehrer die Aufgaben auch als Anregung für den eigenen Unterricht sehen.“

Während die Aufgaben der Klasse fünf bis sechs „eigentlich jeder rechnen kann“, wird es ab der Klasse sieben schon komplizierter: „Da muss man teilweise schon ein bisschen mehr wissen“, sagt Hachtel, die für diese Stufe auch in dem Fachausschuss sitzt, der die Aufgaben erstellt.

Und ab Klasse neun wird es dann richtig schwierig für alle, die sich vorher noch nie mit solchen Wettbewerbsaufgaben beschäftigt haben. Für die Oberstufe gibt es Aufgaben, bei denen auch Hachtel teilweise der Kopf raucht: „Bei manchen sage ich 'Verflixt'. Die kann ich auf Anhieb auch nicht.“

Informationen zum Wettbewerb gibt es im Internet unter www.mathematik-olympiaden.de oder direkt bei Regionalkoordinatorin Inge Hachtel unter 02244/74202.

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