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Ausstellung im Kunstraum Bad Honnef: Plakate für das Friedensprojekt

Ausstellung im Kunstraum Bad Honnef : Plakate für das Friedensprojekt

Ulrich Cremer zeigt im Honnefer Kunstraum seine Arbeiten zum Thema Europäische Union - und wirbt für das "einzigartige Friedensprojekt seit 1945".

Seine Gestalten aus dem Rhein sind Ulrich Cremers Markenzeichen. Im Kunstraum zeigte er bereits die Skulpturen aus Fundstücken, die der Fluss freigab. Jetzt macht der Künstler dort Werbung – für Europa. Denn nach der Entscheidung für den Brexit und Wahlerfolgen der Europa-Gegner ist der Künstler besorgt.

„Die Lage für die Europäische Gemeinschaft ist bedrohlich. Ich habe mich gewundert, dass es im Bewusstsein der Gegner nicht verankert ist, dass die EU unseren Frieden und Wohlstand bedeutet“, sagt Cremer, der im August des Kriegsjahres 1942 geboren wurde. „Die EU ist der große Wurf, der nach dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs gefunden wurde.“ Seine Plakate sind die künstlerische Antwort auf das politische Geschehen und die Wiederentdeckung des Nationalismus.

„Auch bei uns hat das Bewusstsein für die in zwei Weltkriegen zutage getretenen Folgen eines deutschen Nationalismus keinen hohen Stellenwert mehr“, betont Cremer. Und er fragt: „Ist die EU obsolet? Sind ihre unbestreitbaren Mängel wichtiger als der europäische Grundgedanke der gemeinsamen Verantwortlichkeit?“ Der Bad Honnefer versteht die EU als „einzigartiges Friedensprojekt“ seit 1945. Er möchte wachrütteln. „Irgendwie muss die Bedeutung der EU für uns alle doch zu vermitteln sein. Die EU ist gut – trotz ihrer Mängel.“

Cremers Antwort auf den Brexit-Beschluss

Seine Plakatentwürfe basieren auf eigenen Fotografien, die ein Wechselspiel mit seinen Texten eingehen. Auch die Zahl der ausgestellten Plakate hat ihre Bedeutung: 27 plus eins. Das ist Cremers Antwort auf den Brexit-Beschluss, der die Zahl der derzeit noch 28 EU-Mitgliedstaaten verringern wird. Neben plakativ-klaren Statements arbeitet der Architekt aber auch mit Undeutlichkeiten, die zum genauen Hinsehen animieren, und mit ironisch-satirischen Elementen. So bemerkt er zu einem Plakat, auf dem zwei Füße auf einem Glasdach zu sehen sind: „Populisten stehen fest auf dem Boden der Fake News!“

Ein Foto vom Meer betitelt der Künstler mit dem Satz: „Sand ins Getriebe der Vorschriften!“ Auf die Flüchtlingsfrage beziehen sich die Porträts, die auf einer Ägyptenreise in den 1960er Jahren entstanden. Hier textet er: „Eine Union ist nur so stark wie ihre Solidarität.“ Die mangelnde Zusammenarbeit auf diesem Sektor mache deutlich, dass eine ständige Nachjustierung der Regeln erforderlich sei, da die Interessen der Mitglieder im Spannungsfeld der beiden Pole Gemeinschaft und Gewinn stehen.

Auf einer Tafel steuert eine alte Frau auf ein Backsteinhaus zu: „Brexit: Jeder geht für sich allein?“ Oder: Das Plakat zu seiner Kernaussage vom „Friedensprojekt Europa“ listet in Form einer Grabaufschrift Kriege und Opferzahlen auf. Letzter Satz: „Seit 1945 kein Krieg in der EU!“

Die Ausstellung wird am Sonntag, 6. August, 11 Uhr, eröffnet und ist bis 13. August im Kunstraum am Rathausplatz zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 16 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag, 10 bis 13 Uhr.