Ausstellung in Bad Honnef: Kunstraum widmet Julius Bretz beeindruckende Retrospektive

Ausstellung in Bad Honnef : Kunstraum widmet Julius Bretz beeindruckende Retrospektive

Auf der "Internationalen Kunstausstellung des Sonderbundes westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Köln 1912" befand sich Julius Bretz in bester Gesellschaft: Drei seiner Landschaftsbilder waren dort neben mehr als Hundert Gemälden und Zeichnungen von Vincent van Gogh zu sehen.

Es muss wohl das herausragende Erlebnis seines bisherigen künstlerischen Daseins gewesen sein, fühlte sich der Autodidakt Bretz dem Autodidakten van Gogh doch sehr verbunden.

Noch bis zum Jahresende sind viel mehr als nur drei Arbeiten Bretz' im Kunstraum am Rathausplatz zu entdecken. Der Himmerich mit golden glänzenden Korngarben, der Rhein bei Grafenwerth, Bäume am Steinchen in Rhöndorf, Bauernhäuser in Selhof, Rommersdorf mit dem Drachenfels - der Maler lebte und arbeitete 33 Jahre lang in Honnef, und diese Zeit spiegelt sich auch in der Retrospektive wider.

Bei der Eröffnung der Ausstellung begrüßte Werner Osterbrink, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur in Bad Honnef, auch Hermann Josef Kramer und dessen Familie sowie Manfred Menzel vom Kunsthaus Menzel, ohne deren Mitwirkung diese Schau nicht möglich gewesen wäre: Die Kramers verwalten den Nachlass des Malers, dessen Tochter Ruth 1955 den verwitweten Obstbauern Hermann Kramer heiratete - den Vater Hermann Josef Kramers.

Ein Ereignis, das Julius Bretz nicht mehr erlebte. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1953 starb der gebürtige Wiesbadener (26. Januar 1870). Hermann Josef Kramer erinnerte sich im Gespräch mit Werner Osterbrink an die Übergabe des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse an Bretz in dessen Todesjahr. "Er hatte immer viele Besucher", beantwortete er die Frage nach Kontakten des Künstlers. Der bewohnte das Haus Nummer 19 an der Luisenstraße, das er von seiner Mutter geerbt hatte, ab 1921.

Bereits kurz nach Julius Bretz' Geburt war sein Vater gestorben. Die Mutter zog mit ihm nach Düsseldorf. Die reichhaltige Kunstszene am Rhein bot eine Fülle von Anregungen und Förderungsmöglichkeiten. Nach kurzem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie erhielt er Unterweisung in der Technik der Ölmalerei bei Professor Helmuth Liesegang. Ein einjähriger Studienaufenthalt bei dem angesehenen Maler Hendrik Willem Mesdag in Den Haag folgte.

Idyllen und gleichzeitig von landschaftlicher Authentizität

Der frühere Dirktor des Wallraf-Richarz-Museums, Hans Friedrich Secker, bemerkt in seinem Buch über Julius Bretz, Honnef habe dem Künstler viele anmutige Stoffe geliefert. "Nie zuvor hat es einen Maler gegeben, der den Charakter dieser paradiesischen Landschaft und der Siebengebirgskulisse in ähnlicher Wesentlichkeit geschildert hätte", schreibt er. Bretz' Bilder der rheinischen Heimat sind Idyllen und gleichzeitig von landschaftlicher Authentizität.

Als ihm 1939 ein Besucher Seerosen mitbrachte, kam Julius Bretz erstmals der Gedanke, Blumen um ihrer selbst Willen darzustellen. Solche Stillleben sind ebenfalls Bestandteil der Schau im Kunstraum wie auch zahlreiche Zeichnungen.

1898 hatte Julius Bretz geheiratet, eine Jüdin. Während der NS-Zeit waren ihm Ausstellungen untersagt, er wurde aus der Reichskulturkammer ausgestoßen und musste sich mit der Familie bei auswärtigen Bekannten verstecken. Hermann Josef Kramer berichtete: "Mitbürger haben sie beschützt."

Nach Kriegsende schöpfte Bretz, der Meister des Stilllebens, mit nun 75 Jahren neue Kraft. Die "Exotische Seerose" von 1946 lasse die erste Wasserrose, so Secker, weit hinter sich. Noch in seinem Todesjahr schuf Bretz - 1917 zum außerordentlichen Mitglied der Königlichen Kunstakademie Düsseldorf berufen und später zum Ehrenmitglied der Rheinischen Sezession sowie der Künstlervereinigung Malkasten in Düsseldorf ernannt - eine Fülle von Arbeiten. Sein letztes Werk: "Goldraute und Astern".

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