Konzert des Rhöndorfer Cäcilien-Chors: Die Kirche wird zum Opernhaus

Konzert des Rhöndorfer Cäcilien-Chors : Die Kirche wird zum Opernhaus

95 Jahre und kein bisschen leise. Der Rhöndorfer Kirchenchor Cäcilia stellte sein Adventskonzert ganz in das Zeichen seines "kleinen" Jubiläums. Mit dem Großen Orchester des Collegium Musicum Bad Honnef machten die Sänger um Vorsitzende Eva-Maria Becker diesen Auftritt zu etwas Besonderem.

Passend zum Anlass war der Patronin der Kirchenmusik der erste Teil des Programms gewidmet: Aufgeführt wurde die "Messe Solennelle en l'honneur de Sainte-Cécile" von Charles Gounod. Das Werk stellt eine Lobeshymne an die heilige Cäcilia dar.

Vor 160 Jahren, am Gedenktag der Heiligen am 22. November, erklang diese Komposition Gounods an Saint Eustache in Paris erstmals. Damals rief diese Messe Erstaunen und Begeisterung hervor, ja, gar von "Benommenheit" schrieb der bei diesem Ereignis anwesende Komponist Camille Saint-Saëns später. "Zunächst war man geblendet, dann berauscht und schließlich überwältigt."

Und auch in der Rhöndorfer Pfarrkirche Sankt Marien erzielten Sänger und Orchester eine ähnliche Wirkung. Von ihrem Kirchenchor und dem Collegium Musicum sind die Rhöndorfer ja einiges gewöhnt, diesmal wurden selbst kühne Erwartungen noch übertroffen.

Mit den Solisten - Sopranistin Reinhild Steinschulte, Tenor Nico Heinrich und Bariton Michael Herget - gelang eine glanzvolle Vorstellung, bei der Rolf Beitzel, Dirigent des Chores und des Orchesters, beide Teile wunderbar zusammenführte. Opernhausgefühle im Kirchenschiff. Die prachtvolle Entfaltung des Klangs der Instrumente und der feine Gesang von Chor und Solisten erzeugten Gänsehautgefühle.

Im Orchester saßen auch Oboist Ulrich Hülder, der den Kammerchor des Collegium leitet, sowie die Leiterin der Bad Honnefer Musikschule, Flötistin Antonia Schwager-Wahl, und einige ihrer Dozenten wie Marie-Claire Junke. Die Harfenistin hat schon früher mit Rolf Beitzel zusammengearbeitet und war auch diesmal dabei, denn Charles Gounod erzeugte auch mit dem Einsatz der Harfe nuancierte Orchestereffekte. So erzielte Gounod größte klangliche Wirkung etwa zu Beginn des Glorias: Der Komponist unterlegte die innige Melodie des Solosoprans mit tremolierenden Violinen, Harfe und Summchor. Saint-Saëns meinte, ein Genie sei am Werk gewesen.

Mit 37 Jahren hatte Gounod (1818-1893) diese Messe zu Ehren der heiligen Cäcilia geschaffen. Sie gilt als sein bekanntestes kirchenmusikalisches Werk und ist eine seiner wenigen Orchestermessen. Zuvor, noch unter dem Eindruck der Musik Palestrinas stehend, genügten ihm bei den Messvertonungen Sänger und allenfalls Orgel. Charles Gounod errang übrigens 1859 mit der Oper "Faust" einen Welterfolg.

Mit der Kantate "Vom Himmel hoch" von Felix Mendelssohn-Bartholdy setzte der zweite Teil dieses Konzertes nicht minder wohlklingende Akzente. Der Komponist hatte 1831 für diese Choralkantate Martin Luthers Weihnachtslied zugrunde gelegt. Ein schöner Abschluss dieses Jubiläumsauftritts. 2020 feiert der Rhöndorfer Chor hundertjähriges Bestehen. Und 2019 wird das Collegium Musicum auch schon 70. Womit werden Rolf Beitzel und seine Akteure dann überraschen?