Hof in Aegidienberg: Familie Stockhausen verkauft seit 40 Jahren Weihnachtsbäume

Hof in Aegidienberg : Familie Stockhausen verkauft seit 40 Jahren Weihnachtsbäume

Seit 40 Jahren pflanzt Familie Stockhausen Weihnachtsbäume auf ihrem Hof in Aegidienberg an. Wie geht es dort mitten in der Adventszeit zu? Ein Besuch auf dem Weihnachtsbaumhof.

2,30 Meter hoch. Schlank. Nordmanntanne. Mary und Jürgen Isken haben von ihrem Weihnachtsbaum eine glasklare Vorstellung. Seit 24 Jahren sucht sich das Ehepaar aus Rottbitze immer kurz vor dem dritten Advent sein Exemplar auf dem Stockhausen-Hof in Hövel aus. In diesem Jahr fällt die Entscheidung an einem verregneten Vormittag. Nasskalt ist es, durch die langen Reihen mit großen, kleinen, schiefen und geraden, piksenden und duftenden Weihnachtsbäumen pfeift der Wind. Schmuddel-, kein Weihnachtswetter.

Vielleicht auch ein Grund, warum die beiden ihre Entscheidung schnell treffen. „Den nehmen wir“, sagt Mary Isken und zeigt Claudia Stockhausen das Prachtexemplar. Eigentlich entscheidet doch immer die Frau, oder? Mary Isken schüttelt energisch den Kopf. „Nein“, sagt sie. „Im Gegenteil. Meistens steuern mein Mann und ich gleichzeitig einen Baum an. Und der ist es dann.“ Mitte November hat auf dem Hof von Klaus und Claudia Stockhausen das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen begonnen.

„Dann kommen die ersten Anfragen von Altenheimen, Hotels oder Geschäften, die pünktlich zum ersten Advent ihre Dekoration fertigstellen möchten“, sagt Klaus Stockhausen. Sein Vater gründete vor rund 40 Jahren das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen. „17 Stück hat er im ersten Jahr verkauft“, erzählt Klaus Stockhausen. Er baut mittlerweile Rot- und Blaufichte, vor allem aber die Nordmanntanne auf einer Fläche von rund sieben Hektar an.

Viele Setzlinge vertrocknet

„Die Rotfichte war nach dem Zweiten Weltkrieg der klassische Weihnachtsbaum“, sagt Stockhausen. „Die Nadeln piksen kaum, allerdings verträgt sie keine Heizungsluft.“ Anders die Nordmanntanne. „Die macht heute rund 90 Prozent des Geschäfts aus. Es ist aber auch von seinem ganzen Habitus einfach ein schöner Baum.“ Der übrigens – wie die anderen auch – sieben bis acht Jahre brauche, bis er als Weihnachtsbaum verkauft werden kann.

Mit gemischten Gefühlen schaut der Experte zurück auf den heißen Sommer 2018. „Rund ein Drittel der Setzlinge, die wir im Herbst 2017 gepflanzt haben, sind vertrocknet“, sagt Stockhausen. „Das wird Auswirkungen auf die Zahl der Weihnachtsbäume in sieben bis acht Jahren haben.“

Leute aus Köln oder Bergheim

„Klaus, einmal spitz machen, bitte“, ruft Claudia Stockhausen über den Hof. Ein Paar aus Aegidienberg hat einen Baum ausgewählt und den Christbaumständer gleich mitgebracht. Stockhausen schaut kurz – und legt die Motorsäge wieder zur Seite. „Der ist zum Treten“, sagt er. „Da passt der Stamm locker hinein auch ohne anspitzen.“ Das Weihnachtsbaum-Selberschlagen habe in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, sagt er. „Vor 30 Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, mit der ganzen Familie loszuziehen und einen Baum zu fällen. Heute ist das anders.“ Zumindest bei denen, die den „Weihnachtsbaum zelebrieren“, wie Stockhausen es nennt.

„Dann kommen sogar Leute aus Köln oder Bergheim hierher, suchen sich in unseren Kulturen über Stunden den passenden Baum aus und sägen los.“ Andere markieren ihre Wahl mit einem gut sichtbaren „Reserviert“-Schild, um den Baum später zu schlagen. Mehrere Hundert Exemplare verkaufen die Stockhausens an den Adventswochenenden, knapp zwei Dutzend Mitarbeiter sind im Einsatz, um zu beraten, die Bäume anzuspitzen, in ein Netz zu packen und den Verkehr auf dem Hof zu regeln. „Je nachdem, auf welchen Tag Heiligabend fällt, ist das dritte Adventswochenende in der Regel das mit den meisten Besuchern“, hat Stockhausen beobachtet.

"Perfekt ist Schnee an Heiligabend ab 14 Uhr"

Und auch das Wetter spiele eine wichtige Rolle. „Bei Regen überlegen sich die Leute, ob sie den nassen Baum in ihr Auto legen möchten.“ Noch schlechter allerdings sei Schnee. „Wählen Sie mal einen Baum aus, auf dem mehrere Zentimeter Schnee liegen“, so Stockhausen. „Perfekt ist Schnee an Heiligabend ab 14 Uhr – wenn wir hier zumachen.“

Seine Frau hat Kundschaft. Eine Frau aus Aegidienberg ist gekommen, sie möchte ihren Sohn mit einem Weihnachtsbaum überraschen. „Er muss auf eine Anrichte passen, zwischen Fernseher und Schrank“, erklärt sie. Eine andere Kundin braucht noch Schmuckzweige für eine Vase. „Kiefer?“, fragt Claudia Stockhausen. „Sieht mit Amaryllis hübsch aus.“

Eine weitere Dame hat die passende Nordmanntanne bereits gefunden. „2,40 Meter, nur eine Spitze und so gebaut, dass die Kugeln frei hängen“, beschreibt sie die Baummerkmale für klassisch roten Kugelschmuck. Sucht immer sie den Baum aus? „Nein, eigentlich ist das der Job meines Mannes“, sagt sie. „Nur in diesem Jahr hat er mich vertrauensvoll losgeschickt.“

Natur pur im Wohnzimmer

Auch Krista und Günter Lauterbach aus Bad Honnef sind im Eiltempo fündig geworden. „Es sind schon zumeist die Frauen, die den Baum auswählen“, glaubt Krista Lauterbach. „Wir müssen ihn schließlich auch schmücken.“ Das ist im Übrigen bei Stockhausens nicht anders. „In den Tagen vor Heiligabend nehme ich zwei, drei Exemplare auf dem Hof in den Blick“, sagt Claudia Stockhausen. 2,30 Meter hoch, krumm, schief und mit mehreren Spitzen, heißen ihre Kriterien. „Alle sind ja immer auf der Suche nach dem perfekten Baum“, sagt sie. „Bei uns steht Natur pur im Wohnzimmer.“

Der Weihnachtsbaumhof Stockhausen hat täglich in der Zeit von 9 bis 19 Uhr, an Heiligabend bis 14 Uhr geöffnet. Weitere Informationen im Internet unter der Adresse www.weihnachtsbaumhof-stockhausen.de.

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