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In Bad Honnef: Kultlokal "Club Pseudonym" feiert 50. Geburtstag

In Bad Honnef : Kultlokal "Club Pseudonym" feiert 50. Geburtstag

Aus einem Keller in einen alten Stall: Als Hans Leggewie mit seinem „South Border Jazzclub“ umziehen musste, richteten er und seine Frau in einem umgebauten Schafstall den „Club Pseudonym“ ein. Die treuen Fans zogen auch noch einmal mit um. Das Lokal ist bis heute Kult.

Es war nicht geplant, „es ist einfach so passiert“, sagt Hans Leggewie. Ganz so einfach dann doch nicht. Schließlich: 50 Jahre sind kein Pappenstiel. So lange gibt es den „Club Pseudonym“, und ebenso lange hält Leggewie dort die Fäden in der Hand. Am Donnerstag, 13. Dezember, wird das gefeiert.

Bei guter Musik, „denn das Schlimmste habe ich da immer noch zu verhindern gewusst“, sagt Leggewie und lacht. Bei einem gepflegten Bier, „und es gibt keinen, der ein Fass besser ins Glas bringt. Das fängt bei der Gläserhygiene an.“ Und vor allem mit Hans Leggewie hinter dem Tresen wie eh und je.

Als alles begann, trug man(n) die Haare im Nacken lang, frau den Rock kurz und die Hosenbeine hatten mächtig Schlag. Und wo ist der Clubchef auf dem Foto von 1972, das neben alten Konzertplakaten und jenen von dem Logo mit geflügeltem Männchen im Club hängt? Der 78-Jährige lacht erneut: „Der langhaarige Bombenleger da in der Mitte.“

Der Jazz ist Leggewies Leidenschaft

Die Musik, der Jazz, ist bis heute klarer Favorit des Kult-Wirtes. „Aber man muss mit der Zeit gehen. Trotzdem, ich spiele bis heute lieber etwas altes Gutes als etwas neues Schlechtes.“ Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Clubs in einem Keller an der Austraße vor 55 Jahren zunächst als „South Border Jazzclub“.

1968 mussten neue Räume her, „da haben wir dann kurzerhand einen alten Schafstall umgebaut“. Einen Namen hatte die an ungewöhnlichem Ort von Ingeborg und Hans Leggewie gegründete neue Lokalität anfangs nicht. „In der Schutzzone des damaligen Kurviertels wollte die Stadt uns aber keine normale Gaststättenkonzession geben, da wurde es eben wieder ein Club.“

Eine Anleihe in Bad Godesberg („Da gab es ja das Anonym“), und fertig war der „Zungenbrecher Club Pseudonym“: „Sie glauben gar nicht, was da teils auf den Postsendungen draufstand.“ Das Lokal war fortan sowieso einfach nur „der Club“ – und das ist bis heute so geblieben. Übrigens kam es auch zu Verwechslungen mit einschlägigen Swinger-Etablissements im Schmelztal, „der Name Club hat uns also nicht nur geholfen“.

Der Name sorgte für falsche Assoziationen

Leggewie erinnert sich: „Es gab mehrfach Irrläufer, nicht nur am Telefon. Manchmal standen auch Gäste in der Tür, die mehr suchten als ein gepflegtes Pils. Da bin ich dann gefragt worden: Und, kommen die Damen noch?“ Seine gewohnt schlagfertige Antwort: „Nein, bei uns bleibt der Reißverschluss zu.“

1971 zog die Gaststätte erneut um, da auf dem bisherigen Grundstück ein Wohngebiet entstand, die „Peters-Bauten“. Der Club wechselte also die Straßenseite, bezog das Gebäude der Mineralbrunnen GmbH, in dem das alte kurfürstliche Badehaus, später das „Sozialbad“ untergebracht waren. Was blieb, war der In-Faktor: Auch am neuen Ort gingen Bands und Publikum aus dem gesamten Bundesgebiet ein und aus.

Monty Sunshine, Chris Barber, Klaus Doldinger, Albert Mangelsdorff: Die Liste der legendären Live-Konzerte, von denen Jazzfans noch heute berichten, liest sich wie das Who-is-Who der Jazzmusik. Leggewie: „Es verging kein Samstag, an dem nicht ein paar Jungs bei uns ins Horn gestoßen hätten.“

1982 erklärte die Mineralbrunnen GmbH, das Gebäude selbst zu benötigen. Der Club musste raus. Eine neue Heimat fand Leggewie an der Linzer Straße in einem Ladenlokal, das ursprünglich einen Obst- und Gemüsehandel beherbergte. Leggewie: „Ich hatte mir schon vorher am Fenster die Nase platt gedrückt, aber da wurden da noch englische Stilmöbel verkauft.“

Die speziellen Lampen zogen immer mit um

Arbeit und Investition in den neuen Räumen waren allerdings erheblich. Alles neu: Kühlräume, Schallschutz, die 20-Meter-Theke. Nicht einmal eine Treppe in den Keller gab es. Was die Atmosphäre anging, baute Leggewie auf Bewährtes. So zogen Bänke und Tische, sogar die dekorativen Balken mit um.

Und, natürlich, die Lampen, die über der Theke und an jedem Tisch für heimeliges Licht sorgen. „Vor allem Frauen meinen immer, das sei was Ekliges. Dabei ist es nur Glasfibermatte mit Polyester, gefertigt von einem Studenten 1968“, klärt Leggewie auf. Ein Austausch dieser besonderen Lampenschirme habe übrigens nie zur Debatte gestanden: „Soll hier ja nicht aussehen wie im Wienerwald.“

Die Zeit der Live-Konzerte – von Ausnahmen wie zur Seven Mountains Music Night abgesehen – ist vorbei (Leggewie: „Man wird durch die Entwicklung ja nicht gerade ermutigt. Das rechnet sich nicht mehr“), und die mehreren Hundert Vinylscheiben, aus denen der Wirt virtuos stets die richtige Musik raussuchte, sind längst modernster Technik gewichen.

Inzwischen kommen die Enkel der ersten Stammgäste

Dennoch: Die Gäste lieben „ihren“ Club. Mittlerweile kommen die Enkel von Stammgästen der ersten Stunde . „Wenn die Kinder dann in dem Alter waren, dass sie herkamen, hieß es: Hans, bei Dir weiß ich die Pänz in guten Händen.“

Sein Erfolgsrezept? „Ich wollte alles immer nicht nur gut, sondern sehr gut machen“, sagt Leggewie schlicht. Und ist er ein strenger Chef? Da legt er die Stirn kraus: „Ich bin schon dafür bekannt, dass ich nicht immer der Freundlichste bin. Und ich konnte auch mal durchgreifen. Aber ich habe mich nie im Streit von jemandem getrennt.“ Was wohl für sich spricht: Beim Team herrscht große Kontinuität.

„Bis vor zehn Jahren hatten wir nur Heiligabend und am 25. Dezember zu. Aber das Ausgehverhalten hat sich total geändert. Und die Jugend weiß ein richtig gut gezapftes Bier offenbar nicht mehr zu schätzen. Stattdessen stellen sie einem die leeren Flaschen vor die Tür“, so Leggewie.

Selbst der im kollektiven Gedächtnis verankerte Club-Donnerstag („Da haben wir früher alle 70 Hocker rausgeschleppt, damit der Service überhaupt durchkam“) ist ruhig geworden. Geöffnet ist das Pseudonym längst nicht mehr jeden Tag. Größter Einschnitt für die Gastronomie allerdings, sagt Leggewie: „Das Nichtraucherschutzgesetz.“

Gerüchten, am Jahresende sei Schluss, tritt der Wirt aus Leidenschaft zugleich entgegen. „Ich kann doch nicht einfach so den Schlüssel für immer rumdrehen. Mein Wunsch wäre es wirklich, den Club in jüngere Hände abzugeben. Denn der Club ist ja irgendwie auch mein Leben.“