Kommentar: Da sind noch offene Fragen

Kommentar : Da sind noch offene Fragen

Sie soll bloß nicht vom klassischen Panorama ablenken, aber auffallend genug wirken, damit Besucher des Drachenfelsplateaus nicht über die Stufen stolpern und sich verletzen; und schließlich soll sie sich wohl ins Umfeld einfügen: Ein bisschen zu viele Aufgaben für die Kunst, die ja bekanntlich auf die Sinne wirken soll und deren höchstes Gut gemeinhin das Privileg ist, eben nicht nützlich sein zu müssen.

Mit den knubbeligen, signalfarbenen Nebelfrauen ist möglicherweise ein Kompromiss zwischen dem Nutzwert und einem ästhetischen Erlebnis gelungen.

Möglicherweise. Denn Modelle können nur annähernd etwas über die letztendliche Wirkung aussagen. Stimmt die Farbe? Funktioniert die Proportion? Sind 1,20 Meter nicht zu wenig, bedenkt man die monumentalen Ausmaße der Treppenanlage und der Architektur? Welche Anzahl wäre nötig, um den Nebelfrauen Gewicht zu verleihen und sie nicht nur als putzige Treppenmöblierung zu empfinden?

Mit nur zwei Nebelfrauen ist es in diesem Umfeld sicherlich nicht getan. Denken wir an die farbigen Kunststoff-Figuren von Ottmar Hörl, die bunten Gartenzwerge, Dürerhasen oder gerade aufgestellten Karlsfiguren in Aachen.

Hier entscheiden Anzahl und Struktur über die Wirkung.Ein großes Fragezeichen muss schließlich hinter den angepeilten Nutzen gesetzt werden: Wie, bitte, sollen zwei kleine Nebelfrauen verhindern, dass Besucher an den hohen Sitztreppen stürzen?

In einem Punkt aber überzeugt das Projekt restlos: Die Anbindung an den Genius loci durch die literarisch von Heinrich Heine kanonisierten Nebelfrauen ist ein echter Clou. Das ist das Fundament für diese tatsächlich wie durch eine Nebelwand konturenlos erscheinenden Figuren. Vor dem geistigen Auge sieht man auch schon kleine Nebelfrauen - als Souvenirs vom Drachenfels.