Untreueprozess in Köln: Schröders Erinnerungen

Untreueprozess in Köln : Schröders Erinnerungen

Der Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder widerspricht dem Vorwurf der Bestechlichkeit. Er will mit dem Troisdorfer Bauunternehmer Josef Esch, der ebenfalls angeklagt ist, nur kurz telefoniert haben.

Nach über zwei Stunden ist Gustav Adolf Schröder (74) erschöpft. Sein Anwalt bittet, weitere Fragen beim nächsten Verhandlungstermin zu klären. Der Ex-Sparkassenchef der früheren Stadtsparkasse Köln, der wegen Bestechlichkeit und Untreue im Prozess um den Bau der Nordhallen der Koelnmesse angeklagt ist, gibt sich am Dienstag offen. Am zweiten Verhandlungstag schildert er seine Sicht der Dinge und beantwortet ausführlich die Fragen des Richters – im Gegensatz zu seinem Mitangeklagten, dem Troisdorfer Bauunternehmer Josef Esch, der Anfang Oktober eine Erklärung von seinen Anwälten verlesen lässt.

Schröder will seine Sicht der Dinge selbst schildern, wie die Nordhallen Anfang der 2000er entstanden sind. „Das hat mit Bestechung nichts zu tun“, sagt Schröder am Dienstagmorgen im Gerichtssaal. Er betont, wie bereits sein Verteidiger, seine positiven Absichten: Ihm sei es damals nur darum gegangen, RTL in Köln zu halten. Der Sender sollte deshalb in die alten Messehallen ziehen. Die Messe sollte neue erhalten. Ansonsten wäre RTL nach Hürth abgewandert. Der damalige Oberbürgermeister der Stadt Köln Fritz Schramma habe ihn darum gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass RTL bleibt. Dann sei ein Brief an Esch rausgegangen: Er sollte ein Angebot zum Neubau der Nordhallen machen.

Bauunternehmer Esch galt als besonders pünktlich

Insgesamt hat Gustav Adolf Schröder nach eigener Aussage drei Angebote gesehen. Die Ausschreibung habe die Koelnmesse vorgenommen. Es habe weitere Angebote gegeben, die kenne er allerdings nicht, erklärt er vor dem Landgericht. Weil Esch als besonders pünktlich galt, eine kurze Bauzeit versprach und dazu die beste Marge für die Stadtsparkasse vorlegte, habe er schließlich den Zuschlag erhalten.

Schröder betont: Zum Zeitpunkt, als sich die Koelnmesse, die Stadt und die Sparkasse für das Angebot Eschs entschieden hätten, habe es vorab keine Absprachen zwischen ihm und dem Bauunternehmer gegeben. Damit widerspricht er dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, er habe Esch den Auftrag gegen finanzielle Unterstützung verschafft. Mit mehreren Millionen soll Schröder Verluste der Sparkasse aus anderen Geschäften mit Esch ausgeglichen haben. „Lange Telefonate haben wir nie geführt“, beschreibt Schröder die Kommunikation mit Esch. Es sei immer eher in „kurzer, zackiger Art“ abgelaufen. Dass es Mietzuschüsse durchaus gab, streitet Schröder nicht ab. Diese hätten allerdings nichts mit dem Auftrag für die Messehallen zu tun gehabt.

Die Überzeugung sei gewesen: Esch kann das.

Schröder nimmt zu den Vorwürfen klar Stellung: Er habe sich nicht verstärkt für das Angebot Eschs eingesetzt. „Ich habe Schramma nicht unter Druck gesetzt.“ Es sei eher umgekehrt gewesen. Denn die Zeit drängte damals. Wegen der anstehenden Möbelmesse mussten die Hallen schnellstmöglich gebaut werden. Und die Überzeugung sei gewesen: Esch kann das.

Das Gericht versucht nun herauszufinden, welche Gelder in welchen Verträgen zu welchem Zeitpunkt festgehalten wurden, um die Vorwürfe der Bestechung zu untersuchen. Schröder scheint mit seinen Aussagen zu versuchen, etwas Abstand zwischen ihm und Esch zu schaffen. Nicht nur seine Beschreibung der Telefonate, auch generell: „Man muss sich ja vorbereiten auf ein Gespräch mit Esch, sonst hat man keine Chance“, kommentiert er einen Notizzettel, der als Vorbereitung zu Verhandlungen entstanden sein soll. Esch schweigt bis jetzt. Am Donnerstag setzt die Große Strafkammer zunächst die Befragung Schröders fort.

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