Bonn Handel im Netzwerk Genialokal: Lokaler Buchhandel geht online

Bonn Handel im Netzwerk Genialokal : Lokaler Buchhandel geht online

Die Einzelhändler aus Bonn und der Region schließen sich zunehmend im Internet mit eigenen Bestell- und Informationsangeboten zusammen, um der Online-Konkurrenz zu begegnen.

„Es ist wirklich nicht immer einfach“, sagt Hartmut Löschcke. Der Besitzer der Altstadtbuchhandlung in Bonn teilt das Schicksal vieler kleiner Händler: Die Konkurrenz großer Online-Plattformen wie Amazon, Ebay oder Zalando macht es den Inhabern von Boutiquen, Schuhläden, Spielzeuggeschäften oder eben Buchläden in der Innenstadt trotz brummender Konjunktur zunehmend schwer, mit ihrem Geschäft schwarze Zahlen zu schreiben. Aber aufgeben kam für den engagierten „Buchhändler aus Überzeugung“ nie infrage und statt über die mächtige Konkurrenz zu klagen, setzt er lieber auf eigene Stärken. „Da ist zum Beispiel die taggleiche Lieferung, mit der die Online-Händler ja zunehmend werben. Wir sind ja da, wo der Kunde wohnt und haben das, was er sucht, in vielen Fällen schon da“, sagt er über die Stärke der lokalen Händler. „Und ich biete darüber hinaus eine individuelle Beratung, wie sie online allein niemals möglich wäre“, so der Buchhändler weiter. Nur von Laufkundschaft können Löschcke und seine Kollegen aus anderen Branchen allerdings nicht mehr leben: „Der Kunde will sicher sein, dass wir seinen Wunschartikel auch vorrätig haben, bevor er in die Innenstadt kommt“, glaubt Löschcke.

Und genau hier setzt die Gegenbewegung, zu der auch der Bonner gehört, an: Lokale Online-Marktplätze schicken sich zunehmend an, die digitale und die analoge Shoppingwelt zu verbinden und den Kunden das Beste aus beiden Welten zu bieten. Der Bonner Buchhändler hat sich zu diesem Zweck dem Netzwerk Genialokal angeschlossen. Das Projekt aus Wuppertal ist bundesweit Vorreiter bei dieser Art der Verbindung von lokalem und Onlinehandel: Seit November 2014 können sich die Einwohner der bergischen Metropole online informieren und die Ware vor Ort kaufen. „Oder eben umgekehrt“, erläutert Christiane ten Eicken von der Wirtschaftsförderung der Stadt. In beliebiger Kombination lasse sich das Online- und das Vor-Ort-Angebot nutzen. „Damit trifft man den allgemeinen Trend, dass sich immer mehr Kunden online informieren, aber den Kauf dann doch lieber stationär tätigen. Man spricht sogar schon vom Wuppertal-Effekt“, so ten Eicken weiter. So könnten sich die an dem Online-Marktplatz beteiligten Händler auch wieder über mehr Frequenz im Geschäft mit entsprechenden Umsatzzuwächsen freuen.

Als Symbol des vorausgegangenen Besucherschwunds mag die Rathaus-Galerie im Herzen des Shopping-Stadtteils Elberfeld gelten. Man habe die in den 90er-Jahren errichtete Shopping-Mall nicht zuletzt mit einem Ladenlokal wiederbeleben wollen, in dem auch die großen Onlinehändler eine lokale Präsenz hätten aufbauen können, so die Wirtschaftsförderin. Das habe allerdings nicht wirklich funktioniert ist in der Stadt zu hören – wahrscheinlich war das Interesse der großen Player ihren Kunden so etwas wie einen lokalen Showroom zu bieten, nicht groß genug. Umso besser läuft aber offenkundig das andere Standbein des Projekts: Um nach dem Auslaufen der Bundesförderung den lokalen Onlinemarktplatz weiterzuführen, haben die beteiligten Händler bereits einen Verein gegründet. Auch Roman Heimbold, der Chef des Plattform-Betreibers Atalanta, zeigt sich optimistisch: „Wir bieten die technische Infrastruktur für lokale Online-Shopping-Verbünde an und die Zahlen zeigen, dass das Thema in Zukunft noch einiges an Dynamik bereithält“, meint er. Um die 60 Händler mit einem Gesamtangebot von gut 20 000 Artikeln sind dank Heimbolds Unternehmen in Wuppertal mit einem eigenen Web-Angebot verfügbar. Inzwischen helfen zahlreiche Dienstleister wie Atalanda den lokalen Händlern beim Sprung ins Netz. Darüber sollte man allerdings die Innenstädte nicht vernachlässigen meint Jens Thelen.

Der Rundfunk- und Fernsehsprecher hat sich Anfang des Jahres in Wuppertal mit einem Modelabel selbstständig gemacht und ist den umgekehrten Weg gegangen: „Ich wollte aus der Region einen bundesweiten Markt mit meinem Label Sylt meets Mallorca erreichen und habe dazu einen eigenen Onlineshop gegründet“, sagt der gelernte Kaufmann. Jetzt denkt er über eine Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner der Online-Plattform nach, damit Kunden vor Ort Gelegenheit erhalten, seine Produkte „auch einmal in die Hand zu nehmen, bevor sie bestellen.“

Mehr von GA BONN