Kommentar zum Außenhandel: Im eigenen Interesse

Kommentar zum Außenhandel : Im eigenen Interesse

Die Ausfuhr bleibt hierzulande eine Säule der gesamtwirtschaftlichen Leistung. Die Exporteure klagen zwar, dass die Dynamik nachlasse, vom langjährigen Wachstumsdurchschnitt von gut fünf Prozent auf nun nur noch 1,4 Prozent.

Da die Einfuhren aber noch langsamer wachsen, steigt der Exportüberschuss auch 2016, jedenfalls im ersten Halbjahr. Das wird Deutschland nicht beliebter machen. Am Überschuss stoßen sich viele, vor allem die Franzosen. Unter einem Präsidenten Donald Trump dürften auch die Amerikaner lauter lamentieren, wenn sie mehr nach Deutschland überweisen müssen für die hier eingekauften Waren als sie aus Deutschland für Ausfuhren aus Amerika erlösen.

Das sollte der deutschen Wirtschaft nicht das Selbstbewusstsein rauben. Denn der Exportüberschuss ist verdient: mit guten Ideen und konkurrenzfähigen Löhnen. Dennoch könnte ein weniger provozierender Exportüberschuss im eigenen Interesse liegen. Die Abhängigkeit vom Zustand der Weltwirtschaft könnte sinken. Dass nun gerade die stark nachfragenden Briten sich nach dem Brexit Importe aus Deutschland weniger leisten können, ist eine Mahnung, genauso wie die politischen Differenzen mit der Türkei oder Russland. Die nachlassende Dynamik im Export könnte eine Chance sein, sich auch angesichts der steigenden Löhne auf die Binnenkonjunktur zu verlassen. Klar ist aber auch: Wer nur Geschäfte mit sich selbst macht, kann nicht viel verdienen.

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