Interview mit Johan Vanneste: Flughafenchef zum Einbruch der Passagierzahlen in Köln/Bonn

Interview mit Johan Vanneste : Flughafenchef zum Einbruch der Passagierzahlen in Köln/Bonn

Rückläufige Passagierzahlen werden dem Flughafen Köln/Bonn 2019 zu schaffen machen. Dazu sowie über rückläufige Passagierzahlen, nächtlichen Fluglärm und Pläne für die „Airport City“ hat sich Flughafen-Chef Johan Vanneste im Interview geäußert.

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Womit kann man heute als Flughafen noch Geld verdienen?

Johan Vanneste: Nicht mit dem Fliegen. Das rein operative Geschäft – das Landen, das Parken, die Entgelte – ist ein Nullsummenspiel. So ist es gesetzlich vorgegeben. Da bleibt nichts hängen, damit verdienen wir nichts. Das gilt auch für die Bodenverkehrsdienste, die die Flugzeuge abfertigen. Da verlieren wir zurzeit Geld. Geld bringt das Geschäft außerhalb des eigentlichen Flugbetriebes, dazugehört: Die Läden, Geschäfte, Restaurants, Bars und auch die Immobilien.

Bei den Bodenverkehrsdiensten stellt Köln eine Sonderrolle dar.

Vanneste: Wir sind der letzte große Flughafen, der einen eigenen Bodenverkehrsdienst hat. Ich kenne eigentlich keinen Flughafen in Europa, der das noch komplett selber macht. Alle haben das Geschäft ausgelagert oder überlassen es Fremdanbietern. Und weil wir zudem ein hohes Durchschnittsalter beim Personal haben, bedeutet das auch, dass unsere Löhne sehr hoch sind. Im Vergleich zu anderen Flughäfen haben wir mehr Personal und zahlen wir bis zu 50 Prozent mehr Gehalt.

Jetzt wird der Betriebsrat aber nicht sagen, nun privatisiert doch.

Vanneste: Nein, so einfach ist das nicht. Das ist ein langer Prozess in enger Zusammenarbeit mit der Belegschaft, den Arbeitnehmervertretern und den Tarifpartnern sowie dem Aufsichtsrat. Aber, die Ergebnisse sind sehr schlecht. Wenn man einen Umsatz von rund 330 Millionen Euro hat und davon bleiben unter dem Strich in 2017 nur 3,5 Millionen Euro übrig, in diesem Jahr vielleicht gar nur noch eine Million Euro – das ist viel zu wenig. Besonders, weil wir in den nächsten Jahren sehr viel Geld in unsere Infrastruktur investieren müssen.

Aber Sie machen noch Gewinn?

Vanneste: Uns steht ein sehr schwieriges Jahr bevor: Langstreckenflüge gehen nach Düsseldorf, Ryanair reduziert Flüge nach Berlin-Schönefeld, auch andere Airlines kürzen ihr Angebot. Wir verlieren dadurch 2019 rund eine Million Passagiere. Das sind etwa acht Prozent unseres Passagieraufkommens. In der Folge erwarten wir ein negatives Betriebsergebnis.

Wie kriegen Sie die Kurve?

Vanneste: Wir haben in den vergangenen Monaten eine neue Strategie ausgearbeitet und dem Aufsichtsrat präsentiert. Da gibt es eine ganze Menge von Maßnahmen, die ich gerade erst im Betriebsrat erläutert habe. Wichtig dabei ist, die Einnahmen zu steigern. Da nutzen wir unter anderem die Möglichkeit bei auslaufenden Verträgen mit Bars, Restaurants und Geschäften, bessere Konditionen auszuhandeln.

Und die Parkgebühren sind seit 1. November gestiegen.

Vanneste: Wir versuchen immer, die Preise fair zu halten. Im Vergleich zu anderen Flughäfen in Deutschland liegen wir im Mittelfeld. Was sich im übrigen nicht geändert hat, sind die Preise für Kurzparker in den Parkhäusern.

Höhere Mieten, steigende Parkgebühren: Das alleine wird sie doch nicht aus dem Umsatztief herausführen.

Vanneste: Wir werden auch Ausgaben senken, etwa bei der Streckenförderung für Fluggesellschaften. Diese Form der Unterstützung ist in der Branche weltweit so üblich. Es hat sie in der Vergangenheit sehr viel geben. Man kann darüber streiten, ob es zu viel war. Es hat sicherlich Erfolg gebracht. Der Flughafen ist gewachsen. Arbeitsplätze wurden geschaffen. Aber wenn dabei unter dem Strich nur wenig oder nichts für uns über bleibt, habe ich ein Problem damit. Wir müssen bei diesen Fördermaßnahmen eine Balance hinbekommen. Darum sind wir gerade dabei, eine neue Entgeltregelung zu erarbeiten. Wir wollen diese im kommenden Jahr mit den Fluggesellschaften verhandeln und 2020 in Kraft setzen.

Welche Vorteile des Köln/Bonner Flughafens können Sie bei Verhandlungen mit den Gesellschaften und die Waagschale werfen?

Vanneste: Freie Kapazitäten zum Beispiel. Das ist ein großer Vorteil. Was wir aber sicherlich noch verbessern können, ist unsere Service-Qualität. Wir haben angefangen mit der automatischen Ausweiskontrolle, aber wir haben immer noch keine automatisierte Gepäckannahme. Es gibt eine rasante Entwicklung in der Technik der Gesichtserkennung. In Heathrow wird diese Technik zur Zeitersparnis gerade beim Boarding eingesetzt. Und was sich definitiv verbessern muss, ist die Pünktlichkeit der Flüge. Das war gar nicht gut in diesem Jahr – nicht nur bei uns.

Inwieweit liegt das in Ihrer Hand?

Vanneste: Unser Anteil ist es, Abfertigung, Checkin, Luftsicherheitskontrollen und Flugzeugabfertigung zu optimieren.

Das verringert die Verweildauer der Passagiere und damit die Umsätze.

Vanneste: Deshalb müssen wir die Luftsicherheitskontrollen schneller machen. An allen Flughäfen in Europa, die ich kenne, werden die Kontrollen von den Flughäfen selbst organisiert. Natürlich muss die Kontrolle der europäischen Gesetzgebung entsprechen. Doch innerhalb dieser Parameter können die Flughäfen die Abläufe technisch und personell optimieren. In Deutschland ist die Bundespolizei und das Innenministerium zuständig. Ich darf da als Flughafen nicht mitreden. Dabei besitzen wir sogar schon eine innovative Anlage, die sogenannte Easy-Security-Kontrollstelle. Die verstaubt aber, weil wir sie nicht einsetzen dürfen. Unter anderem nicht, weil das Bundesinnenministerium einen exklusiven Vertrag mit einem Hersteller von Sicherheitstechnik abgeschlossen hat.

Dabei ist das Land Anteilseigner des Köln/Bonner Flughafens.

Vanneste: Die extremen Verspätungen in den beiden vergangenen Jahren hat die Politik aufgeweckt. Es gibt nun Diskussionen auf Bundesebene.

Wie hoch ist der Anteil des Frachtverkehrs?

Vanneste: Wir liegen in 2018 bei rund 870.000 Tonnen. Damit sind wir die Nummer 7 in Europa. Und wir haben mehr Anfragen, als wir abfertigen können.

Sie wollen also erweitern?

Vanneste: Wir wollen mittelfristig die Voraussetzungen schaffen, uns marktgerecht entwickeln zu können.

Ein Nachtflugverbot ist also tabu?

Vanneste: Ein Nachtflugverbot wäre eine Katastrophe für die Arbeitsplätze in der Region. Es gibt hier rund 20.000 Arbeitsplätze in direkter und indirekter Abhängigkeit zur Nachtfracht. Was wir weiterhin tun müssen, ist, auf eine Technologie zu setzten, durch die die Flugzeuge leiser werden. Auch sind wir stetig dabei, An- und Abflugverfahren zu optimieren und schaffen Anreize, Passagiernachtflüge zu verhindern.

Dass Immobiliengeschäft wird für sie in wichtiger werden?

Vanneste: Wir wollen eine „Airport-City“ bauen. Wie Sie berichtet haben, nehmen die Pläne für einen Hotelbau Gestalt an. Wir denken an Bürogebäude und in Richtung Freizeit. Die Menschen sollen draußen sitzen. Es soll Elektro-Shuttlebusse und Radwege geben.

Sie wollen eine Fahrradstraße zum Flughafen bauen?

Vanneste: Ja, warum nicht.

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