Kommentar zur digitalen Arbeitswelt: Kein Selbstbetrug

Kommentar zur digitalen Arbeitswelt : Kein Selbstbetrug

Die Digitalisierung macht vor der Arbeitswelt nicht Halt. Schlimm wäre es, wenn sich Unternehmen dem Wandel verweigern.

Noch vor drei, vier Jahren schien der digitale Wandel in ferner Zukunft zu liegen. Heute stecken wir mitten drin in der Veränderung, und sie ist so rasend schnell, dass viele es gar nicht richtig mitbekommen. Einen Eindruck von dem, was sich in Sachen Algorithmen, Sprachsteuerung und Künstlicher Intelligenz tut, bekommt allerdings, wer sich regelmäßig ein neues Smartphone kauft und lernt, es etwa für die Steuerung von Licht, die häusliche Alarmanlage und den Fernseher zu nutzen. Was für Technikbegeisterte im privaten Leben ein Spaß ist und Erleichterungen beschert, hat in der Arbeitswelt hingegen oftmals negative Folgen.

Denn die Digitalisierung wird Jobs im großen Stil vernichten, und sie wird vor keiner Branche haltmachen. Auch die gut Ausgebildeten, die Akademikerberufe werden nicht verschont. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) etwa prognostiziert, dass sich in Fertigungsberufen mehr als 80 Prozent der Tätigkeiten im Zuge der digitalen Revolution schon ersetzen ließen. Vorausgesetzt, alle Unternehmen stellen ihre Prozesse entsprechend um, nutzen also Algorithmen, Roboter, 3-D-Druck. Es wäre Selbstbetrug zu glauben, die Probleme durch Nichtstun lösen zu können. Viel schlimmer ist es nämlich, wenn Unternehmen den Wandel verweigern. Dass die IG Metall auf diese Problematik hinweist, ist richtig.

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