Digitale Arbeitswelt: IG Metall diskutiert in Bonn über Digitalisierung

Digitale Arbeitswelt : IG Metall diskutiert in Bonn über Digitalisierung

Der digitale Wandel erfasst auch die Arbeitswelt. Welche Chancen und Risiken damit verbunden sind, ist Thema eines Kongresses in Bonn. Eingeladen hat die IG Metall.

Wenn Matthias Möreke von Transformation spricht, ist das etwas ganz Konkretes für ihn. In Braunschweig, wo er als Betriebsrat im ältesten VW-Werk beschäftigt ist, wird in den kommenden Jahren die gesamte Kunststofftechniksparte geschlossen. „Die wird komplett aufgelöst. 600 Beschäftigte sind betroffen“, berichtet Möreke. Stattdessen werden in Hallen auf einer Fläche von mehreren Fußballfeldern künftig Batterien für Elektroautos montiert. Dass alle Beschäftigten aus dem Bereich Kunststoff in der Batteriesystemfertigung unterkommen, ist ausgeschlossen: „Pro Schicht braucht man in der Montage nur 75 Mitarbeiter“, erklärt Möreke.

Der VW-Mann ist einer von rund 600 Betriebsräten und Vertrauensleuten der IG Metall, die am Dienstag zu einem zweitätggen Kongress der Gewerkschaft im WCCB in Bonn zusammengekommen sind. Thema sind die Veränderungen in der Arbeitswelt durch technologische Entwicklungen. Es geht nicht nur um die Digitalisierung, es geht auch um die Energiewende, den Ausstieg aus der Kohleverstromung und die Globalisierung.

„Wir müssen geschlossene Wertschöpfungsketten erhalten“, erklärt der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann gerade auch mit Blick auf die Batteriezellfertigung für Elektrofahrzeuge. Bisher kommen die Zellen noch aus Asien, sie werden in Deutschland nur montiert. Hofmann hält das für falsch. „Die Industrie ist der Innovationstreiber“, daher würde ihre Abwanderung – und sei es nur in Teilen – den deutschen Wohlstand gefährden. Zwei Tage lang diskutieren die Gewerkschafter in zahlreichen Foren über die Herausforderungen in der neuen Arbeitswelt und tragen die Ergebnisse ihrer Betriebsratsarbeit vor. Ziel sei, so Hofmann, den technologischen Wandel „mit sozialem Fortschritt zu verbinden“.

Man gehe deshalb auch „selbstbewusst“ an die Dinge heran. Schließlich gab es in der frühen Industrialisierungsphase die 66-Stunden-Woche, bis zur 35-Stunden-Woche hatte es die Metallindustrie zumindest im Westen gebracht, seit Februar gibt es sogar die Möglichkeit, die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden zu reduzieren. Wie stark diese Möglichkeit von den Beschäftigten in Anspruch genommen wird, darüber will die IG Metall in zwei Wochen Auskunft geben. Bis diesen Mittwoch müssen die Anträge dafür beim Arbeitgeber gestellt worden sein.

Digitalisierung schafft neue Geschäftsmodelle

Die Digitalisierung schafft nach den Worten von IG-Metall-Vorstandsmitglied Rudolf Luz ganz neue Geschäftsmodelle. Das würde von vielen Unternehmen noch nicht erkannt. Ein Drittel der kleinen und mittelständischen Metall- und Elektrobetriebe hätten sich mit den digitalen Möglichkeiten überhaupt noch nicht beschäftigt.

Derzeit arbeitet die IG Metall an einem „Transformationsatlas“. Er soll Region für Region zeigen, wie die dort ansässigen Betriebe sich auf die Digitalisierung einlassen. Mittels eines Ampelsystems soll der Betrachter auf einen Blick erfassen können, wie innovativ die jeweiligen Unternehmen sind. Diskutiert wird in Bonn auch der Schutz von Beschäftigtendaten, die bei der elektronischen Kommunikation anfallen. Andreas Sesterhenn, Betriebsrat beim IT-Dienstleister Atos, berichtet von Analyseprogrammen, die vom Arbeitgeber missbraucht werden könnten, um die Leistung von Mitarbeitern mit dem Ziel zu messen, sich eventuell von ihnen zu trennen. Derzeit sei man mit dem Unternehmen in Verhandlungen, um entsprechende Auswertungen zu verhindern. Die Software jedenfalls gebe es schon.

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