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Woelki-Besuch: "Für mich is dat der Rainer"

Woelki-Besuch : "Für mich is dat der Rainer"

Der künftige Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki besucht seine Heimatpfarrei - und trifft auf alte Bekannte.

Was ist die wichtigste Aufgabe, die sich Rainer Maria Kardinal Woelki stellt, der am heutigen Donnerstag von NRW-Ministerpräsidentn Hannelore Kraft vereidigt und am Samstag in einem feierlichen Pontifikalamt im Kölner Dom als neuer Erzbischof des bevölkerungsreichsten der 27 deutschen Bistümer in sein Amt eingeführt wird? "Dem Evangelium ein Gesicht geben", lautet die spontane Antwort des 58-Jährigen, der gestern Nachmittag für ein Gespräch mit Journalisten in die "Bruder-Klaus-Siedlung" gekommen ist, also dorthin, wo er aufgewachsen ist.

Schnell hat sich herumgesprochen, dass der Kardinal gekommen ist. Und so versammeln sich zahlreiche Bewohner aus der nach dem Schweizer Nikolaus Flüe, dem "Bruder Klaus", benannten Siedlung an der gleichnamigen Kirche und warten geduldig. "Für mich is dat der Rainer", meint einer auf die Frage, wie er denn den neuen Kardinal ansprechen wird. Dann kommt Woelki aus dem Gemeindesaal herüber und begrüßt jeden einzelnen persönlich. Er trifft auf einen Gleichaltrigen aus der gemeinsamen Jugendarbeit. "Was er jetzt so macht", will der Kardinal von dem Mann wissen. Die Antwort: "Ich bin Frührentner."

Das bringt den neuen Erzbischof ins Grübeln: "Wenn ich so denke..." Nein, weiter will er nicht gehen, zumal es die meisten ohnehin wissen: Erzbischof der bevölkerungsreichsten unter den 27 deutschen Diözesen, aktive Mitarbeit in der Deutschen Bischofskonferenz, die am Montag auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda den Nachfolger von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner begrüßen wird, dazu Mitglied des vatikanischen Senats. Zahlreiche Aufgaben sind zu bewältigen.

An Berlin, seine bisherige Wirkungsstätte, denkt er gern zurück, sagt Woelki. Vor allem an die vielen Menschen, denen er begegnet ist, und nicht zuletzt die Obdachlosen, Flüchtlinge, Armen und Kranken. All diesen Menschen fühlt er sich auch in Köln verbunden.

So will er sich denn als neuer Kölner Erzbischof nicht zuletzt in der Flüchtlingsfrage engagieren. Man dürfe nicht nur über die menschliche Tragödie der Flüchtlinge reden, sondern müsse auch entsprechend handeln. Auch in Köln, wo er 2003 Weihbischof wurde, will er der bescheidene Bischof bleiben, als dem ihm in den zurückliegenden Jahren die Herzen der Berliner zuflogen. So stellt er sich auch gestern Nachmittag in einfacher Priesterkleidung den Fragen der Journalisten.

Vorsichtig wird er gefragt, wie er zu den teils heftigen innerkirchlichen Auseinandersetzungen um Kardinal Meisner stehe. Die Antwort ist eindeutig: "Ich bin kein Mann, der auf Vergangenes blickt, sondern ich habe die Gegenwart und die Zukunft im Blick." Hören will er auf alle Gruppen im Erzbistum, vor allem die am Rand stehen, wieder integrieren.

Welche Rolle wohl die Laien in seiner künftigen Arbeit spielen? Verschmitzt macht der Kardinal darauf aufmerksam, dass die Laien ja die große Mehrheit in der Kirche und die Priester eine Minderheit bilden: "Wir alle sind zum Gotteslob berufen."

Und wie steht Kardinal Woelki zu den Homosexuellen? Niemand dürfe wegen seiner sexuellen Neigung diskriminiert werden. Gleichzeitig aber müsse die Ehe geschützt werden. Und für die Familien will er sich besonders einsetzen, damit die Menschen auch in den Familien wirklich leben können. Nicht zu kurz soll die Jugendarbeit kommen, auch wenn diese heute ganz anders sei als zu seiner Zeit als Kind und Jugendlicher in der "Bruder-Klaus-Siedlung". An die habe er nur die besten Erinnerungen, sagt er und schwärmt geradezu von dieser Zeit - als Ministrant, im Fußballclub, im Zeltlager. Gefehlt hat es ihm an nichts. Und so ist ihm wichtig, dass die Kirche sich den Jugendlichen öffnet. Die jungen Menschen sollen die persönliche Bedeutung des Evangeliums begreifen und im Glauben gefestigt erwachsen werden.

Wie eng sich der neue Erzbischof mit seiner Herkunft in Köln-Mülheim verbunden fühlt, wird auch in seinem erzbischöflichen Wappen deutlich. Denn es zeigt das geständerte schwarze Kreuz des Erzbistums Köln und ein silbernes Rad mit sechs goldenen Keilen als Speicher. Damit vereint der Schild in der Sprache der Heraldik das Wappen des Erzbistums Köln mit dem persönlichen Wappen des Kardinals. Dieses zeigt das sogenannte Radbild von Bruder Klaus. Der Wahlspruch lautet aus der Apostelgeschichte: "Nos sumus testes" ("Wir sind Zeugen").

Wer gehofft hatte, Erzbischof Kardinal Woelki würde das Gespräch im Pfarrheim St. Bruder Klaus für eine politische Grundsatzerklärung nutzen, wurde enttäuscht: "Ich bin kein Politiker, kein Vertreter einer politischen Partei..." Sein Ziel sei es, "den Glauben so in die Wirklichkeit des Menschen zu übersetzen, dass der Glaube heute attraktiv ist". Zugleich bedauert er, dass sich im Gegensatz zu früher immer weniger Christen in der Politik engagieren, obwohl gerade dies um der Menschen willen sei."

Ach ja, da spielt am Wochenende der 1. FC Köln gegen Mönchengladbach. Wie das Spiel ausgehen wird? Kardinal Woelki, der FC-Fan seit Kindertagen, lächelt; "Zum Glück liegt Mönchengladbach im Bistum Aachen." Also ist er frei, seiner Hoffnung Ausdruck zu geben: "Ich hoffe auf einen knappen Sieg für Rot-Weiß." Was er wohlweislich verschweigt: Das Bistum Aachen gehört zur Kölner Metropolie.