Interview mit dem Leiter der Telekom Beethoven Competion Bonn: Pavel Gililov: „Faszinierendes Festival junger Talente“

Interview mit dem Leiter der Telekom Beethoven Competion Bonn : Pavel Gililov: „Faszinierendes Festival junger Talente“

Der Jury-Präsident und Wettbewerbsgründer blickt auf die 8. International Telekom Beethoven Competition Bonn 2019 voraus. eine Preisträgersoiree an diesem Mittwoch bietet einen kleinen Vorgeschmack.

Die nächste Beethoven Competition wird kommenden Dezember kurz vor der offiziellen Eröffnung des Beethoven-Jahres 2020 ausgetragen. Haben Sie sich da etwas Besonderes ausgedacht, oder läuft es wie immer?

Pavel Gililov: Die Ouvertüre beginnt schon im Juli dieses Jahres in Chengdu, der Partnerstadt von Bonn. Dort findet der Beethoven Jugendwettbewerb als Vorstufe zur ITBCB statt; der Gewinner erkämpft sich die Teilnahme in Bonn.

Wie sehen die Neuerungen aus?

Gililov: Die wichtigste Neuerung ist das zweigeteilte Finale, eingeteilt in einen Kammermusikabend und Auftritt mit Orchester. Damit betonen wir die Wichtigkeit der Kammermusik im heutigen Konzertleben.

Als Kammermusikpartner kamen in den vergangenen Jahren meistens prominente Musiker nach Bonn. Ich erinnere da an den Cellisten Mischa Maisky. Wie kommt es, dass Sie sich nun für lokale Bonner Kräfte entschieden?

Gililov: Es stimmt, dass wir bekannte Künstler wie Mischa Maisky, Franz Helmerson oder Michaela Martin als Kammermusikpartner in vergangenen Wettbewerben hatten. Ich bin aber sicher, dass das Beethoventrio Bonn, bestehend aus international anerkannten Künstlern, in jeder Hinsicht vergleichbare Leistungen bringen wird. Das Beethoventrio Bonn ist zudem Stifter des Kammermusikpreises. Ich möchte damit auch die Bonner Musikszene würdigen.

Wie viele Bewerbungsvideos haben Sie sich angesehen?

Gililov: Die Vorauswahljury besteht aus Professor Andreas Frölich, Professor Jinsang Lee (Mitglied des Beethoventrios Bonn), und mir. Zusammen haben wir 92 Bewerbungen bewertet.

Wie schätzen Sie das Teilnehmerfeld ein? Auch im Vergleich zu früheren Jahrgängen?

Gililov: Die ausgewählten Teilnehmer sind talentierte und gut ausgebildete Pianisten. Mehrere sind bereits Gewinner von anderen internationalen Wettbewerben. Ich bin sicher, dass die Zeit bis zum Wettbewerb in intensivster Vorbereitung verbracht wird und die besten Leistungen geliefert werden. Ich schätze, dass wir ein Niveau erwarten können, das vergleichbar gut mit dem letzten Mal ist.

Ihr Kollege András Schiff hält nicht viel von Wettbewerben. Welches ist aus Ihrer Sicht das zentrale Argument, das für die Daseinsberechtigung oder gar Notwendigkeit von Wettbewerben spricht?

Gililov: Kollege András Schiff muss sich daran erinnern, dass seine Karriere durch einen Preis bei der International Leeds Competition begonnen hat. Ich schätze Wettbewerbe in erster Linie dafür, dass sie jungen, unbekannten Nachwuchstalenten ein Forum, das Urteil und die Beratung der Jurymitglieder sowie ein konkretes künstlerisches Ziel bieten.

Sind sie zufrieden mit der weiteren Karriere der bisherigen Sieger?

Gililov: Wir blicken mit Stolz auf die Karriere der vergangenen Sieger zurück. Sie haben sämtlich einen würdigen Platz in der Musikszene angenommen, sei es als Universitätsprofessoren oder erfolgreiche Konzertpianisten. Wir fühlen uns in den Wettbewerbsurteilen bestätigt.

In der Jury befinden sich nicht nur Pianisten. Unter anderem wird auch die frühere Beethovenfest-Intendantin Ilona Schmiel dabei sein. Nach welchen Kriterien setzen sich die Juroren zusammen?

Gililov: In der Berufung der Pianisten in der Jury wird vor allem auf verschiedene Internationale Klavierschulen besonderer Wert gelegt. Ich schätze außerdem das Urteil erfahrener Konzertmanager, die Musikausbildung haben. Ich freue mich ganz besonders, dass die langjährige Intendantin des Beethovenfests und jetzige Intendantin der Tonhalle Zürich, Ilona Schmiel, unserer Einladung in die Jury gefolgt ist.

Wenn die Beethoven Competition vorüber ist, beginnt das Jubiläumsjahr. Und es wird für die Bonner ein Wiedersehen und -hören mit den bisherigen Siegern geben. Wie weit sind Ihre Planungen da fortgeschritten? Und werden alle kommen?

Gililov: Wie versprochen hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, einen Summit in Bonn mit allen bisherigen und aktuellen Siegern der ITBCB ermöglicht. Alle Preisträger haben zugesagt; das Programm ist in fortgeschrittener Planung. Ich bin sicher, dass sich das Bonner Publikum, welches die ITBCB mit seinem Besuch und Zuspruch zu einem faszinierendem Festival junger Talente macht, darauf sehr freuen wird und dass es einer der Höhepunkte des feierlichen Jubiläumsprogramms sein wird.

Die Telekom finanziert den Wettbewerb und stellt darüber hinaus eine komplexe Infrastruktur zur Verfügung. Gibt es noch Potenzial für eine Optimierung in der Zusammenarbeit mit dem Bonner Unternehmen?

Gililov: Wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom. Von einem solchen Sponsor kann jeder Wettbewerb nur träumen. Das Verhältnis zwischen der Competition und der Deutschen Telekom ist zutiefst vertrauensvoll und wohlwollend. Wir nutzen jede Gelegenheit für weitere Optimierung.

Wo sehen Sie den Wettbewerb in zehn Jahren?

Gililov: In den nächsten zehn Jahren wird die Competition als einer der weltweit führenden Klavierwettbewerbe weiterhin ihren gesellschaftlichen und künstlerischen Einfluss auf die Kultur nicht nur in Deutschland, sondern weltweit fortsetzen. Dieser ehrenvollen Aufgabe werden wir uns aktiv mit Herz und Seele widmen.

Die Preisträgersoirée der International Telekom Beethoven Competition Bonn (ITBCB) an diesem Mittwoch, 20 Uhr, im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses ist die Ouvertüre zum kommenden Wettbewerb im Dezember. Karten gibt es bei Bonnticket.

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