Bonner Museum: Rückblick auf die Eröffnung des Hauses der Geschichte

Bonner Museum : Rückblick auf die Eröffnung des Hauses der Geschichte

Ex-Bauminister Oscar Schneider erinnert an die Eröffnung des Hauses der Geschichte vor 25 Jahren und die Stimmung gegen das Museumsprojekt des Kanzlers Helmut Kohl.

"Wir brauchen so etwas nicht“, war im Juni 1994 der Tenor der Kritik am Haus der Geschichte, erinnert sich Oscar Schneider am Rande des Festakts zu 25 Jahre Haus der Geschichte in Bonn. Der politische Gegenwind sei groß gewesen. 1982 bis 1989 war der heute 92-jährige CSU-Politiker Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau und bis 1999 Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Haus der Geschichte. In allen Architekturprojekten der Ära Helmut Kohl war Schneider involviert – Schlagzeilen machte unter anderem die von ihm befeuerte Debatte um die Reichstagskuppel in Berlin.

„Helmut Kohl war wie immer gut gelaunt“, erzählt Schneider über den 14. Juni 1994. Dabei hatten SPD und Grüne gegen den Kanzler Stimmung gemacht. Er wolle sich doch mit dem Haus der Geschichte nur ein Monument in Bonn setzen. „Das stimmte natürlich überhaupt nicht“, das habe gar nicht zu Kohl gepasst, schimpft Schneider. „Kohl war der erste und einzige Kanzler, bei dem erkennbar war, dass er aus einer historischen Perspektive heraus sagte: Wir müssen uns der Verantwortung gegenüber der Geschichte stellen, um sie weiterzugeben an die Nachkommen“, sagte Schneider. „Kohl meinte auch, wir können auf Bonn und diese Geschichte stolz sein.“ Man müsse den Menschen zeigen, „wie wir angefangen haben“.

Das Provisorium

Wie beim Tagesgebet der Mönche wurde damals die Präambel des Grundgesetzes wiederholt: „Das gesamte deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.“ „Wir müssen das Geschichtsbewusstsein im Volk verbreiten – und auch bei Politikern –“, habe der Kanzler gefordert. Dazu gehöre auch das nötige Selbstbewusstsein: „Diese Bonner Republik war eine gute Republik, eine europäisch ausgerichtete Republik.“ Voller Respekt habe er die Aufbauarbeit des ersten Direktors Hermann Schäfer begleitet, unter dessen Ägide das Haus der Geschichte schon 1995 einen europäischen Preis geholt habe, erzählt der gebürtige Mittelfranke.

Ob es denn damals Stimmen gegeben habe, dass das Haus der Geschichte nach Berlin gehöre? Natürlich habe es die gegeben, sagt Schneider, und Vorwürfe, dass Kohl alles versuche, damit Bonn Bundeshauptstadt bleibe. „Aber es war ein Provisorium“, sagt Schneider, der damals bei der Abstimmung über den Regierungssitz für Berlin gestimmt hatte. „Ich war der einzige CSU-Mann, der für Berlin war – aber das Museum konnte nur in Bonn sein“. Adenauer und Heuss seien „erratische Blöcke in der Weltgeschichte“, die seien es Wert angemessen präsentiert werden. Und das konnte nur in Bonn sein.

Mit Kohl, den Schneider schwärmend in einem Atemzug mit Kaiser Augustus nennt, sei er sich damals einig gewesen: „Wir brauchen ein Haus für die Dokumentation, dass wir auch als Teilstaat mit dem Anspruch auf Wiedervereinigung existieren.“

Bonn habe er übrigens immer als sehr schön und gemütlich empfunden, meinte Schneider, die Menschen als angenehm, „aber Bonn war eben nur ein Provisorium“.

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