Konzert beim Grafschafter Kunstverein: Jure Gorucan spielte Chopin und Ravel

Konzert beim Grafschafter Kunstverein : Jure Gorucan spielte Chopin und Ravel

Es war die Musik, zu der der Komponist selbst beigesetzt wurde. Zugleich ist es eines der berühmtesten Werke Frederic Chopins und eines der düstersten der Romantik. Hoffnungslosigkeit hat er hörbar gemacht mit seinem "Trauermarsch" in der zweiten Klaviersonate. Beim Konzert in der Holzweiler Villa Bellestate war es der 20-jährige Pianist Jure Gorucan, der seine Zuhörer musikalisch in tiefe Abgründe führte.

Unruhe, ja Getriebenheit, aber zwischendurch auch einzelne Ruhepunkte drückten zuvor die ersten beiden Sätze des Werks aus, das nach dem Trauermarsch temporeich endete. Schon zu seiner Entstehungszeit bot die Klaviersonate mit den vier in Moll gehaltenen Sätzen Anlass für Gesprächsstoff und erntete auch die Kritik Robert Schumanns.

Beim gut besuchten Konzert beim Grafschafter Kunstverein im Domizil der Familie Maerker hatten die Zuhörer in der Pause Gelegenheit, sich darüber und über den jungen slowenischen Interpreten auszutauschen: beim Flanieren zwischen Rosenrabatten und Wasserspielen. Danach standen Werke von Maurice Ravel auf dem Programm.

Lyrisch stimmte der Sonatensatz zu Beginn der "Sonatine pour piano", und Virtuosität markierte den dritten Satz nach dem Menuett, der zugleich den musikalischen Impressionismus des vorigen Jahrhunderts wieder zum Klingen brachte. In dieselbe musikalische Richtung verwies Ravels "Gaspard de la Nuit".

Inspirieren ließ sich der Komponist dafür von einem literarischen Werk, das von einer Nixe, einem am Galgen baumelnden Toten und einem Kobold berichtet, der nachts Angst und Durcheinander unter die Menschen bringt, was Ravel in einem technisch sehr anspruchsvollen Schlusssatz umsetzte. Die Farbpalette Ravels kam noch einmal zum Tragen in seiner Komposition "La Valse".

Als Ballettmusik konzipiert wurden die Zuhörer aus der vorherrschenden Walzerseligkeit herausgerissen in eine Welt verzerrter Rhythmen und Dissonanzen. Das Publikum trotzte dem Pianisten zwei Zugaben ab.

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