Neues Album: Lana Del Rey hypnotisiert den Hörer

Neues Album : Lana Del Rey hypnotisiert den Hörer

Es ist wieder mal ein großer Wurf. Lana Del Rey bringt ihr neues Album „Norman Fucking Rockwell!“ heraus und arbeitet bereits am Nachfolger.

Eine typische Lana-Del-Rey-Szene: ein unwiderstehlicher Typ („cool as heck“) und seine Partnerin. Er tanzt, raucht, und gemeinsam machen sie als kongeniales Kreativteam Musik: „And we were so obsessed with writing the next best American record / That we gave all we had 'til the time we got to bed / 'Cause we knew we could.“ Die Wirklichkeit hat die Kunst nachgeahmt. Del Rey und dem Produzenten und Musiker Jack Antonoff ist mit dem Album „Norman Fucking Rockwell!“ ein großer Wurf gelungen. Die Zeilen aus dem lebensbejahenden, für Del Reys Verhältnisse fast schon enthusiastischen Song „The Next Best American Record“ sind Programm: „'Cause we were just that good.“

Stimmungswechsel. Das Lied „The Greatest“ spiegelt eine Seele in Agonie. Das Glück vergangener Tage wird erinnert, der Abschied von einer unwiederbringlich verlorenen Zeit erscheint schmerzhaft, und die Sängerin bekennt: „I'm facing the greatest / The greatest loss of them all / The culture is lit and I had a ball / I guess that I'm burned out after all.“

Das ist die Kernkompetenz der 34-jährigen, in New York geborenen Del Rey: Sie hypnotisiert den Hörer mit Songs voll schläfriger Laszivität, luxuriöser Melancholie und edlem, manchmal morbidem Retrocharme. Ihre Lieder, hat sie einmal festgestellt, seien wie „Super-8-Filme für die Ohren“. Kameramann könnte der Filmemacher David Lynch sein. Die Stücke spielen mit dem Surrealen, dem Traumhaften und Albtraumhaften.

Nicht jeder könne 24 Stunden am Tag glücklich sein, hat die Musikerin festgestellt. Sie konzentriert sich stattdessen auf Schattenseiten von Beziehungen und psychische Verletzungen. Mit sensationellem Erfolg. Die erst 17-jährige Billie Eilish hat gerade mit einem ähnlichen ästhetisch-emotionalen Programm reüssiert.

Kurzgeschichten und Gedichte

Del Rey darf für sich den Ehrentitel Singer-Songwriter beanspruchen. Ihre Lieder legt sie an wie Kurzgeschichten und Gedichte. Literarische und popkulturelle Anspielungen gehören ebenso zu ihrem stilistischen Repertoire wie suggestive Bilder und Metaphern. „Mariners Apartment Complex“ eröffnet sie mit den Zeilen „You took my sadness out of context / At the mariners apartment complex / I ain't no candle in the wind“. Darin enthalten: der nicht zu übersehende Hinweis auf Marilyn Monroe, eine unglückliche amerikanische Ikone.

Die erste Zeile des Titels „Hope Is A Dangerous Thing For A Woman Like Me To Have – But I Have It“ transportiert eine Anspielung an den Prominentenfotografen Slim Aarons und an die Welt des schönen Scheins. Der fühlt sich das lyrische Ich der Ballade nicht zugehörig. „I've been tearing around in my fucking nightgown / 24/7 Sylvia Plath“, singt Del Rey. Sie zeichnet das Bild einer sich vernachlässigenden, psychisch labilen Frau, für die Glück ein Fremdwort ist. Der Name Sylvia Plath definiert eine Nähe zu der amerikanischen Dichterin (1932-1963), die in ihrem kurzen Leben, dem sie selbst ein Ende setzte, Weltliteraturgeschichte schrieb.

Del Rey und Antonoff bauen ein minimalistisch gestaltetes, aber hochsinnliches Soundfundament, auf dem sich die Texte entfalten. Aller Melancholie zum Trotz darf man sich die Amerikanerin als (meistens) glücklich vorstellen. Sie arbeitet bereits an einem neuen Album: „White Hot Forever“. Del Rey sagt: „I'm really excited right now. I don't want to take a break.“ Keine Lust auf Urlaub.

Lana Del Rey: Norman Fucking Rockwell! Polydor/Universal. Am 3. März 2020 tritt die Sängerin in der Lanxess-Arena in Köln auf.