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Ausstellung in Bonn, Köln und Düsseldorf: "Maskulinitäten" eröffnet an drei Standorten

Ausstellung in Bonn, Köln und Düsseldorf : "Maskulinitäten" eröffnet an drei Standorten

Der weibliche Blick auf den Mann: Die Kunstvereine in Bonn, Köln und Düsseldorf eröffnen drei Ausstellungen zu einem Thema. Zu sehen sind sie bis zum 24. November.

Wie könnte eine feministische Ausstellung über Männlichkeit aussehen? Diese Frage haben sich die Leiterinnen der Kunstvereine Bonn, Köln und Düsseldorf gestellt. Also beschlossen Michelle Cotton, Nikola Dietrich und Eva Birkenstock, erstmals eine gemeinsame Ausstellung mit dem Titel „Maskulinitäten“ zu organisieren. Eröffnet wird die Schau mit drei Standorten an diesem Samstag, 14.30 Uhr, in Bonn, in Köln um 17 Uhr und in Düsseldorf um 19.30 Uhr. Zu sehen ist sie bis zum 24. November.

„Die Idee dazu hatte Michelle Cotton vor rund einem Jahr, nachdem sie ein Buch zum Thema 'typisch Frau' gelesen hatte“, so Birkenstock, Leiterin des Düsseldorfer Kunstvereins. Außerdem sei zu der Zeit die MeToo-Debatte aufgeflammt. „Wir haben uns überlegt, den Spieß einmal umzudrehen: Was ist typisch Mann?“ Zwar gehe es darum, das Thema Männlichkeit zu untersuchen, so Dietrich, Leiterin des Kölnischen Kunstvereins. „Doch es nehmen nicht nur weibliche, sondern auch männliche Künstler an der Ausstellung teil.“ In Bonn etwa Mahmoud Khaled, der 20 Schwarzweißfotografien unter dem Titel „Splashed Memory of a Night Out“ präsentiert. Die Fotos stammen von Khaleds erstem New York-Besuch – bei dem er erst später bemerkte, dass er den Abend in dem Schwulen-Club „Splash“ verbracht hatte.

Mal mehr, mal weniger offensichtlich sind in die in Bonn ausgestellten Werke Phallussymbole eingebracht. Anita Steckel konfrontiert den Betrachter nicht gerade subtil mit dieser Symbolik. Direkt am Eingang sind ihre Werke zu sehen, etwa die Fotokopie einer Dollarnote, die Steckel mit der Zeichnung eines Penis verziert hat, oder zwei großformatige Bilder, die sowohl männliche als auch weibliche Genitalien zeigen.

Allison Katz hingegen geht das Thema indirekt an. Ihre sechsteilige Serie zeigt auf jedem Gemälde einen Hahn. „Cock Island“ oder „Lucid Cock“ heißen ihre Werke. Eine nette Idee: Der englische Begriff „Cock“ kann nicht nur für Hahn, sondern auch für das männliche Geschlechtsorgan stehen. Katz' Bilder faszinieren nicht nur wegen dieses Wortspiels. Auch die Maltechnik weckt Interesse, denn sie arbeitet hier mit Öl, Acryl und Reis. Eine ungewöhnliche Struktur bildet sich dadurch auf der Oberfläche, die beinahe zum Berühren einlädt. Mit dieser cleveren Umsetzung des Themas fällt Katz auf. Sie verzichtet auf die Darstellung von Nacktheit und Genitalien und schafft trotzdem einen Bezug.

Nacktheit und Sexualität im Zentrum

Auch in Köln konfrontieren die Künstler den Betrachter mit viel Sexualität und wenig subtilen Andeutungen. Gleich zu Beginn ist eine Trainingsmaschine mit Massagestuhl zu sehen. Bei näherer Betrachtung fällt auf: Auf der Sitzfläche ist ein Glasdildo angebracht. Das gemeinsame Werk von Georgia Anderson, David Doherty, Morag Keil und Henry Stringer kombiniert Stärke beziehungsweise Muskelkraft und Sexualität. Ebenfalls offensichtlich ist Juliette Blightmans Objekt mit dem Titel „Proxy Father Figures“, bestehend aus einem Urinal, Erde und einem Kaktus. Letzterer ist hier als Phallussymbol zu verstehen, jedoch in stacheliger Form – eine interessante Auffassung dieses Symbols. Ganz anders ist Puppies Puppies (Jade Kuriki Olivo) das Thema angegangen. Die Transfrau leistet Aufklärungsarbeit zu Syphilis, indem sie ein Mikroskop mit einem Smartphone ausstellt, das das Bakterium Treponema pallidum als Erreger dieser Krankheit stark vergrößert auf dem Bildschirm zeigt.

In Düsseldorf zeigen unter anderem Keren Cytter, Vaginal Davis und Andrea Fraser ihre Assoziationen mit Männlichkeit. Hierbei changieren die Sujets zwischen unbekleideten Menschen, Körperstudien und metaphorischen Zeichnungen. Auf einem Werk ist etwa ein Hybrid aus weiblichen und männlichen Genitalien zu sehen, das die Form eines Menschen hat, und ein wenig an Keith Harings charakteristische Figuren erinnert.

Wer alle drei Standorte der Ausstellung besucht, bekommt den Eindruck, dass es einen gemeinsamen Nenner gibt: Fast alle Künstler scheinen mit dem Begriff „Maskulinitäten“ primär Nacktheit, Sexualität und das männliche Genital zu verbinden. Denn damit wird der Betrachter in Bonn, Köln und Düsseldorf überwiegend konfrontiert – ob er will oder nicht.

Bonner Kunstverein, Hochstadenring 22, www.bonner-kunstverein.de; Kölnischer Kunstverein, Hahnenstraße 6, www.koelnischerkunstverein.de; Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Grabbeplatz 4, www.kunstverein-duesseldorf.de.