CD-Tipp: Das Piano wird zum Klanglabor

CD-Tipp : Das Piano wird zum Klanglabor

Die Pianistin Olivia Trummer legt mit „The Hawk“ eine neue CD vor und spielt am Freitag mit dem Schlagzeuger Nicola Angelucci im Ortszentrum Dottendorf.

Sich musikalisch einzulassen, sich in ein Ensemble einzufügen und trotzdem die volle Individualität zu behaupten, Akzente setzen: Die Pianistin und Sängerin Olivia Trummer beherrscht das wunderbar. Seit Jahren ist sie mit ihrem Trio unterwegs, 2017 konnte man sie mit dem Vibrafonisten Jean-Lou Treboux beim Jazzfest Bonn erleben. Ihr Piano wurde dabei zum Klanglabor. Im vergangenen Jahr stand sie mit dem Saxofonisten Peter Materna beim Jubiläum des Hauses der Geschichte auf der Bühne. Es erklangen wunderbare Miniaturen, feine Improvisationen – Jubiläumsgast Bundeskanzlerin Angela Merkel war entzückt, unterhielt sich nach dem Auftritt lange mit den Musikern.

Mit Materna auf der einen und dem Beethoven Orchester unter Dirk Kaftan auf der anderen Seite war Trummer auch im großen Galakonzert zur Eröffnung des Beethoven-Jahres zu hören. Jazzfest-Intendant Materna übernahm den Auftakt, Trummer gestaltete die „Fantasie für Klavier, Chor und Orchester“ zum Abschluss, bevor Beethovens „Chorfantasie“ Opus 80 erklang. „Der junge Jazz des 21. Jahrhunderts traf auf eines der radikalsten Werke des ‚Geburtstagskindes’“, schrieb GA-Musikkritiker Bernhard Hartmann dazu.

Aktuell kann man die Vielseitigkeit der 1985 in Stuttgart geborenen Musikerin auf der gerade erschienenen CD „The Hawk“ erleben, auf der sich Trummer mit einer betörenden Leichtigkeit mit dem New Yorker Flötisten Hadar Noiberg die Bälle zuwirft, sich mal in duftigen, impressionistischen Klanggemälden verliert, mal im kernigen Walzertakt daherkommt. Als Sängerin kann man sie mit „Here Comes The Sun“ von den Beatles erleben. Wie locker sie dem Welthit eine swingende Note gibt, ist unbedingt hörenswert. Und was Noibergs Flöte dazu veranstaltet auch. In „Fading Blue“ kann man sie als sensible Pianistin erleben, die ihre Musik quasi direkt vor den Ohren des Zuhörers entwickelt. So frisch klingt das. „Beit Ha’arava“ fließt dahin wie eine melancholische Volksweise, auch in „Privacy“ präsentiert sich das Duo als harmonisches Ganzes.

Im anderen Duo ist Trummer an diesem Freitag bei der Dottendorfer Jazznacht zu hören, bei einem „spontanen Auftritt“, wie Organisator Herbert Kaupert mitteilt. Trummer kommt mit ihrem Triopartner, dem italienischen Schlagzeuger Nicola Angelulcci, nach Bonn. „Wir werden ganz andere Sachen als auf dem Album ’The Hawk’ spielen“, sagte Trummer dieser Zeitung und warnte: „Nicht dass die Besucher Flötentöne erwarten:“ Die werde es in Dottendorf nicht geben.

Sie verspricht Eingenkompositionen von ihr und Angelucci, außerdem Arrangements von Jazz-Standards und klassischen Stücken. Trummer und Angelucci lernten sich 2016 während der ersten Tour der Pianistin in Italien kennen. Die Jazzpreisträgerin des Landes Baden-Württemberg studierte sowohl klassisches Klavier als auch Jazzklavier in Stuttgart und setzte ihr Studium an der „Manhattan School of Music“ in New York fort. Konzerttourneen führten sie nach Italien, Irland, England, Österreich, Polen, Tschechien, in die Schweiz und in die USA. Sie leitet verschiedene eigene Ensembles und ist seit 2016 auch festes Mitglied von Kurt Rosenwinkels „Caipi“-Band.

Konzert: 31. Januar, 20 Uhr im Ortszentrum Dottendorf. Aktuelle CD: „The Hawk“ zusammen mit Hadar Noiberg (flavoredtune records/Membran).