Hinter den Rathaus-Kulissen brodelt es: Sinzigs Erste Beigeordnete Charlotte Hager tritt zurück

Hinter den Rathaus-Kulissen brodelt es : Sinzigs Erste Beigeordnete Charlotte Hager tritt zurück

Charlotte Hager (CDU) hat ihr Amt niedergelegt. Der Ersten Beigeordneten der Stadt Sinzig ist eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit Bürgermeister Andreas Geron "nicht mehr möglich“.

Sinzigs Erste Beigeordnete Charlotte Hager hat ihr Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Bürgermeister Andreas Geron sei ihr nicht mehr möglich, sagte die Christdemokratin. Hager ist seit 1979 in der Sinziger Kommunalpolitik aktiv. 1999 wurde sie erstmals zur Beigeordneten gewählt. Mit ihr verlässt ein politisches Urgestein die politische Bühne. Dies allerdings mit großem Frust: „Das Verhalten mir gegenüber kenne ich von Gerons drei Amtsvorgängern so nicht.“

Hinter den Rathaus-Kulissen brodelt es nicht erst seit Mittwochabend, als Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron (parteilos) das Rücktrittschreiben von Charlotte Hager überreicht bekam. Vielmehr habe sich seit Monaten so manches angestaut, wie Hager am Abend gegenüber dem General-Anzeiger erklärte.

„Leider muss ich mitteilen, dass mir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister dieser Stadt unter den gegebenen Umständen nicht mehr möglich ist“, sagte die 77-jährige Koisdorferin, die 1984 erstmals in den Stadtrat einzog. „Allein die mangelhafte Zusammenarbeit des Bürgermeisters mit der Ersten Beigeordneten wäre Anlass genug, diesen Schritt zu gehen“, führte Hager aus.

Seit Gerons Amtsantritt im Januar vergangenen Jahres sei Hager in keine die Verwaltung oder die Ortspolitik betreffende Entscheidungen mit einbezogen oder rechtzeitig informiert worden. Hager: „In der Regel wurde in öffentlichen Sitzungen die Bürgerschaft oder in nichtöffentlichen Sitzungen der Rat informiert, ohne dass ich von den Vorgängen vorher in Kenntnis gesetzt wurde.“

Im Vertretungsfall sei der Bürgermeister-Schreibtisch stets verschlossen geblieben, so dass die Erste Beigeordnete als Vertreterin des Stadtchefs davon ausgehen musste, „dass dort Geheimnisse liegen, die der Bürgermeister vor seiner Stellvertreterin verbergen wollte“. Auch bei gemeinsamen öffentlichen Auftritten sei sie zumeist vom Bürgermeister ignoriert worden. „Derartige Verhaltensweisen kenne ich von Ihren drei Vorgängern im Amt des Bürgermeisters nicht“, heißt es wörtlich im Schreiben an Geron. Hager habe den Eindruck gewonnen, dass von Gerons Seite keine vertrauensvolle Zusammenarbeit gewünscht sei. Besonders geärgert und gewundert habe Hager sich über eine Bitte des Stadtchefs, einen Brief an die Vorsitzende der Wähler-Union, Helga Schmitt-Federkeil, zu unterzeichnen, da er selbst in der Angelegenheit – es handelte sich um eine von der Wähler-Union gewünschte Bürgerbefragung zum geplanten Nahversorgungszentrum in Sinzig – befangen sei.

Geron habe Hager darauf hingewiesen, dass sie als Vertreterin verpflichtet sei, den Brief zu unterzeichnen. Die Erste Beigeordnete erklärte hierzu, „erhebliche Bedenken“ bezüglich der inhaltlichen Richtigkeit des Schreibens gehabt zu haben. Losgelöst davon: Bekanntlich ist Geron ein Gegner eines Nahversorgungszentrums, Hager ist hingegen eine Befürworterin.

Schlimmer noch bewertet Hager den Umstand, dass Geron aufgrund eines Schreibfehlers im Anschreiben an Schmitt-Federkeil den Brief neu erstellen und dazu angeblich Hagers Unterschrift einscannen ließ, ohne die Beigeordnete hierzu vorher um Erlaubnis zu fragen. „Es handelte sich also nicht um meine original Unterschrift, die unter dem Brief an Schmitt-Federkeil zu lesen war“, so Hager gegenüber dem General-Anzeiger. Sie sprach in diesem Zusammenhang von „einem schweren Vertrauensbruch“, der ihr eine weitere Zusammenarbeit mit Bürgermeister Geron unmöglich mache.

Sie habe ihr Amt stets verantwortungsvoll wahrnehmen wollen. Insbesondere die Sinziger Bürger hätten ein Anrecht darauf, „dass ich mein Amt mit Würde, Verantwortung und Bedacht ausfülle“. Da ihr dies nicht mehr möglich sei, erkläre sie mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt als Erste Beigeordnete. Hager gehört auch dem Stadtrat an. Ob sie ihr Ratsmandat nach 35-jähriger Ratstätigkeit behalten will, ließ sie am Abend offen. Hager wurde 2001 mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette ausgezeichnet.

Nach wie vor ist sie Mitglied des Kreistages, fungierte als Kreisbeigeordnete, engagiert sich in Gremien der CDU, in der Kirche und in mehreren Sinziger Ortsvereinen. Eine Stellungnahme von Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron konnte am Abend nicht mehr eingeholt werden.

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