Stadt Bonn soll noch Arbeiten erledigen: Verkehrsclubs bemängeln Haltestelle UN-Campus

Stadt Bonn soll noch Arbeiten erledigen : Verkehrsclubs bemängeln Haltestelle UN-Campus

Am Neubau der Haltestelle UN-Campus fehlen noch Radparkplätze und die Straßenverbreiterung, was vom VCD und dem ADFC kritisiert wird. Die Stadt Bonn weist diese Kritik zurück.

Die Haltestelle UN-Campus hat die Deutsche Bahn in Rekordgeschwindigkeit zur Weltklimakonferenz im vergangenen November zumindest soweit fertiggestellt, dass sie in Betrieb gehen konnte. Weniger rekordverdächtig ist aus Sicht des örtlichen Verkehrsclubs (VCD) und des ADFC, was danach passierte. Die Deutsche Bahn hat noch einige Baken und Absperrungen aufgestellt. Nach Auskunft eines Bahnsprechers seien das „kleinere Restarbeiten, die nun nach und nach abgearbeitet werden“. Vor allem die verbleibenden Arbeiten, die die Stadt zu erledigen habe, um die Station zu erschließen, sind den Clubs ein Dorn im Auge. Der Bau der neuen Bushaltestelle an der Genscherallee und die Geh- und Radwegeverbreiterung rechts und links der Haltestelle seien zwar zügig erfolgt, aber die Infrastruktur für Radler bleibe stellenweise „ein Unding“, sagt Johannes Frech, beim ADFC zuständig für Verkehrsplanung.

Die Stadt weist die Vorwürfe des Zeitverzugs zurück: „Im Vorfeld des Baus des Haltepunktes für die DB mussten andere Projekte in der Planung vorgezogen werden“, erklärte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Die Stadt habe nicht nur die Entwurfs- und Genehmigungsplanung zum Haltepunkt vorfinanziert, sondern auch an der Fertigstellung vor der Weltklimakonferenz tatkräftig mitgewirkt.

Die Verbände kritisieren konkret, dass die geplanten Bike & Ride-Parkplätzen (B&R) fehlten. Auf beiden Seiten der Gleise hat der Bonner Hauptausschuss im Januar 2017 die Errichtung von überdachten Abstellanlagen für jeweils 56 Fahrräder entlang der Haltestelle beschlossen. 150 000 Euro hat die Stadt dafür freigegeben. Gebaut wurde allerdings noch nichts. Weitere 94 000 Euro will die Stadt für die Verbreiterung eines Wegs ausgeben. „Die Zufahrt zum Gierenweg nach Kessenich ist viel zu schmal. Zwei Radfahrer kommen da kaum aneinander vorbei“, findet Karl-Heinz Rochlitz vom VCD. Das sieht auch die Stadt so und will den zwei bis 2,50 Meter breiten Pfad zu einem fünf Meter breiten kombinierten Geh- und Radweg mit Beleuchtung ausbauen.

Nach Einschätzung des Tiefbauamts dauert das allerdings noch. „Das Tiefbauamt ist zurzeit dabei, die städtischen Ergänzungsmaßnahmen in einer Kostenberechnung zusammenzufassen“, teilt die Stadt mit. Nun müsse zunächst die Ausschreibung erfolgen, mit einem Baubeginn sei ab Herbst zu rechnen. Rochlitz geht das zu langsam. Eine Anregung seinerseits: Der Weg nach Dottendorf zum Wasserland sollte mit Laternen ausgestattet werden.

Unübersichtliche Lage

Für verbesserungsfähig halten VCD und ADFC auch die gemeinsamen Rad- und Gehwege zu beiden Seiten der Gleise. Die Stadt weist sie als Gehwege aus, die Radler mit reduzierter Geschwindigkeit nutzen dürfen. „Die Lage ist allerdings unübersichtlich und gefährlich“, erklärt Otfried Klein vom ADFC. Er regt an, die Zebrastreifen über die Joseph-Beuys-Allee so zu verlängern, dass sie auch Geh- und Radweg mitmarkieren. Ebenfalls sinnvoll sei auf beiden Gleisseiten ein durchgezogener farbiger Fahrradstreifen an der Haltestelle. Die Stadt weist darauf hin, dass der ADFC in die Planung mit eingebunden wurde. Sie sieht die Radler auf der zum UN-Campus gelegenen Seite bei starken Fußgängeraufkommen zu Spitzenzeiten in der Pflicht. „Auf diese Personengruppen haben die Radfahrer Rücksicht zu nehmen“, erklärte Hoffmann. Den Weg auf der anderen Gleisseite hält die Verwaltung nicht für problematisch. Die Verbände kritisieren weiterhin, dass Radler aus Richtung Norden unmittelbar auf den Treppenabgang zusteuern. Die Deutsche Bahn hat dort mittlerweile eine Warnbake aufgestellt.

Die Unterführung nutzen mit ihren Rampen mittlerweile viele Radfahrer, um von Dottendorf und Kessenich zur Arbeit ins ehemalige Regierungsviertel zu kommen. Wenn sie die Rampe zur Joseph-Beuys-Straße (östlich) hochradeln, müssen sie allerdings den Gegenverkehr und den Verkehr im Rücken im Blick behalten. Ebenfalls eine heikle Stelle aus Sicht von ADFC und VCD, die man mit Spiegeln und Markierungen entschärfen könnte. Deutsche Bahn und Stadt betonen allerdings, dass es sich nicht in erster Linie um eine Radunterführung handelt, sondern um barrierefreie Zugänge.

Wenn Rochlitz auch froh über die zusätzliche Unterführung ist, so hätte er sich doch einen größeren städtebaulichen Entwurf gewünscht. Er meint damit einen Durchstich mit langen Rampen, um UN-campusseitig die Joseph-Beuys-Allee als Radfahrer komplett unterfahren zu können.

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