Denkmäler: Grabsteine auf Bonner Friedhof fallen nach Rütteltest

Denkmäler : Grabsteine auf Bonner Friedhof fallen nach Rütteltest

Grabsteine müssen auf ihre Standsicherheit geprüft werden - so auch auf dem Alten Friedhof in Bonn. Dabei sind nun einige der Steine kaputt gegangen.

Eva Hüttenhain fuhr ein Schrecken in die Glieder, oder besser gesagt, acht Schrecken. Als die Vorsitzende der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs im Juni über die Anlage an der Bornheimer Straße schritt, sah sie umgeworfene alte Grabsteine. Zunächst dachte sie an Vandalismus, aber so war es offenbar nicht.

Die teils mehr als 100 Jahre alten Gedenksteine hatten den jährlich notwendigen Test zur Standsicherheit nicht bestanden, im Volksmund wird er Rütteltest genannt. Soweit Hüttenhain herausfinden konnte, hatten Mitarbeiter des städtischen Grünflächenamts Ende Mai zur Probe gerüttelt. In der Folge hat sie Schäden an acht Denkmälern dokumentiert, die sie auf die Kontrolle zurückführt.

Der Grabsandstein, der an den Bonner Archäologen Ernst aus’m Weerth erinnert, war aus der Mauer zur Straße Am Alten Friedhof herausgebrochen. Heute liegt er samt mehrerer abgebrochener Stücke immer noch auf dem Grabfeld. In der Mitte entzweigebrochen ist dagegen das Kreuz auf dem Gedenkstein für eine Bürgerin oder einen Bürger, deren oder dessen Namen Hüttenhain mit „von Bredow“ entzifferte. Einen hellen Grabstein im Andenken an einen gewissen Stephanus fand sie nach vorne umgestoßen. Er sei aus der Verankerung gerissen und die Basishalterung verbogen worden. „Es ist ein Jammer“, sagt Hüttenhain.

Sie äußert die Befürchtung, dass städtische Mitarbeiter nicht mit der gebotenen Vorsicht an die alten Mäler herangegangen sind. Auch Herbert Spoelgen, SPD-Ratsherr und Mitglied im Unterausschuss Denkmalpflege, hält die Vorgehensweise für bedenklich. Er hat das Thema auf die Tagesordnung des Denkmalausschusses gebracht. „Der Test ist unprofessionell und unter Missachtung der Bedeutung der Grabmäler durchgeführt worden.“

Nach „genormten Verfahren durchgeführt“

Er fordert ebenso wie die Vorsitzende des Denkmalausschusses, Christiane Overmans (CDU), dass die Verwaltung sich an ein vor Jahren verabredetes Verfahren hält. Demnach seien zu den Untersuchungen ein sachkundiger Steinmetz oder ein Mitarbeiter der Verwaltung aus dem Städtischen Gebäudemanagement oder der Unteren Denkmalschutzbehörde hinzuzuziehen. Alle drei hegen keinen Zweifel, dass die Tests auf Standfestigkeit grundsätzlich durchgeführt werden müssen, um ein Umfallen der Steine auszuschließen.

Die Stadtverwaltung bestätigt nicht, dass die von Hüttenhain dokumentierten Schäden auf die Tests zurückzuführen sind, wehrt sich aber grundsätzlich gegen den Vorwurf der Unprofessionalität. „Die Probe wird von geschulten Mitarbeitern der Verwaltung professionell durchgeführt, in der Regel von den Gartenmeistern, die diesen Test schon seit vielen Jahren machen“, erklärt Andrea Schulte aus dem Presseamt.

Er sei von der Berufsgenossenschaft vorgeschrieben und werde nach einem „genormten Verfahren durchgeführt“, um Verletzungen von Friedhofsbesuchern zu vermeiden. Zudem erklärt sie, dass es nicht vorgeschrieben ist, dass Mitarbeiter der Denkmalbehörde oder ein Steinmetz bei der Prüfung anwesend sein müssen. „Das genormte Verfahren besagt, dass fachkundige Mitarbeiter die Prüfung vornehmen. Dies wurde eingehalten.“ Weiter teilt Schulte mit: „Wenn die Notwendigkeit besteht und es keine andere Sicherungsmöglichkeit gibt, muss der Stein umgelegt werden.“ Komme es zu Beschädigungen, sei das „auf den schlechten Zustand der Steine zurückzuführen, nicht auf unsachgemäße Ausführung“.

Alte Grabsteine sind empfindlich

Der Bonner Steinmetz Josef Simon, der im Vorstand seiner Innung sitzt, weiß um die Vorsicht, mit der alte Grabsteine zu behandeln sind. Der vorgeschriebene Drucktest auf einen Punkt im oberen Bereich der Grabsteine werde deshalb mitunter auch mit speziellen Prüfgeräten durchgeführt, die ein Signal geben, wenn der Druck die erforderlichen 50 Kilogramm erreicht hat. „Gerade wenn man viele Grabsteine prüfen muss, kann die Muskelkraft mit der Zeit nachlassen“, sagt Simon. Vor allem ältere Gedenksteine seien teils bedenklich konstruiert. Ihm seien schon welche untergekommen, bei denen zwischen Sockel und Grabtafel die Dübel gänzlich fehlten. „Da fragt man sich schon, wer hat so etwas gemacht.“

Hüttenhain schlägt vor, dass die Stadt auf dem 300 Jahre alten und unter Denkmalschutz stehenden Friedhof, auf dem unter anderem Beethovens Mutter, der Schriftsteller und Übersetzer August Wilhelm von Schlegen und der Gelehrte Barthold Georg Niebuhr beerdigt sind, wieder einen verantwortlichen Friedhofsgärtner anstellt. Für die nun entstandenen Schäden könne der Förderverein nicht aufkommen. Die Stadt weist daraufhin, dass die Kosten für Reparaturmaßnahmen der Eigentümer zu tragen habe. „Falls es sich um denkmalgeschützte Grabsteine im Eigentum der Stadt handelt, werden die Kosten für eine Reparatur, wenn möglich, auch von der Stadt getragen“, sagt Schulte.