Nach dem Fall Niklas Pöhler: Staatsanwälte ermitteln wieder gegen Walid S.

Nach dem Fall Niklas Pöhler : Staatsanwälte ermitteln wieder gegen Walid S.

Die Polizei ermittelt erneut gegen Walid S., der im Fall Niklas Pöhler freigesprochen wurde. Der 23-Jährige soll vor einem Jahr an einer Schlägerei beteiligt gewesen sein, bei der ein weiterer 23-Jähriger krankenhausreif geprügelt wurde.

Walid S., der wegen des gewaltsamen Todes des Bad Godesbergers Niklas Pöhler vor Gericht stand und am Ende freigesprochen wurde, steht erneut im Fokus der Ermittler: Der 23-Jährige steht im Verdacht, zusammen mit vier weiteren teils polizeibekannten jungen Männern aus Bad Godesberg einen 23-Jährigen krankenhausreif geschlagen zu haben. Wie der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Sebastian Buß, auf GA-Anfrage bestätigte, „läuft gegen Walid S. und vier weitere Beschuldigte ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung“.

Wie der Sprecher mitteilte, geschah die Tat, derer die Truppe verdächtigt wird, bereits am 14. Oktober vergangenen Jahres auf der Kurfürstenallee in Bad Godesberg. Nähere Angaben zum Hergang wollte der Sprecher mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Nach GA-Informationen soll eine Gruppe von fünf Männern auf den 23-Jährigen losgegangen sein, immer weiter auf ihn eingeschlagen und ihm die Nase mehrfach gebrochen haben. Angeblich sei der Mann so verletzt gewesen, dass man ihn nicht habe wiedererkennen können.

Ermittlungen scheinen nicht einfach zu sein

Ob es sich bei der Schlägertruppe tatsächlich um Walid S. und die weiteren vier Beschuldigten handelt, müssen nun die Ermittlungen klären. Die scheinen sich allem Anschein nach nicht einfach zu gestalten, wenn man bedenkt, dass die Attacke schon ein Jahr zurückliegt.

Was das betrifft, lassen sich durchaus Parallelen zum Fall des am 6. Mai 2016 getöteten 17-jährigen Niklas Pöhler erkennen. Auch damals dauerte es, bis die Ermittler glaubten, in Walid S. den Täter gefunden zu haben, der Niklas den Schlag gegen den Kopf versetzt hatte, durch den der 17-Jährige ins Koma gefallen war, aus dem er nicht mehr aufwachte. Wie sich herausstellte, litt der Schüler an einer unerkannten Vorerkrankung der Gefäße im Gehirn, die zu einer tödlichen Gehirnblutung führte. Aus diesem Grund wurde Walid S. nicht wegen Totschlags, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Und bestritt vor der Jugendstrafkammer vehement jede Beteiligung an der Attacke auf Niklas und dessen Begleitung.

Walid S. beteuert seine Unschuld

Tatsächlich wurde die Anklage im Laufe des Strafverfahrens im vergangenen Jahr immer brüchiger, so dass am Ende selbst beim Staatsanwalt die Zweifel an Walid S.' Täterschaft überwogen und er Freispruch beantragte, zumal im Verlauf des Prozesses ein anderer junger Mann zunehmend als Täter in Verdacht geriet: der polizeibekannte Hakim D., der Walid S. zumindest auf Fotos recht ähnlich sah. Letztlich wurde Walid S. freigesprochen, aus der Untersuchungshaft entlassen und war wieder ein freier Mann.

Verurteilt wurde im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Gruppe um Niklas Pöhler am Ende nur der 23-jährige Roman W., der eine Begleiterin des Schülers geschlagen hatte. Nachdem W.'s Verurteilung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung rechtskräftig geworden war, er nicht länger die Aussage verweigern durfte und als Zeuge aussagen musste, beschuldigte er im Mai plötzlich Walid S., doch der Täter gewesen zu sein, der Niklas zu Boden geschlagen habe. Walid S.' Verteidiger Martin Kretschmer wertete dies jedoch „als ein taktisches Manöver, um den wahren Täter zu schützen“, zumal Hakim D. ein enger Freund von W. sei.

Auch die Ermittler betrachten W.'s Aussage mit Skepsis. Wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender auf GA-Anfrage erklärte, sind die Ermittlungen gegen Hakim D. und auch Walid S. im Fall Niklas Pöhler noch nicht abgeschlossen. Walid S. beteuert jedenfalls auch im jüngsten Fall seine Unschuld. Wie sein Anwalt Martin Kretschmer gegenüber dem GA erklärte, bestreite sein Mandant vehement, an der Attacke auf den 23-Jährigen im vergangenen Oktober beteiligt gewesen zu sein.