Pilotprojekt "Lead City": So will Bonn Modellstadt für saubere Luft werden

Pilotprojekt "Lead City" : So will Bonn Modellstadt für saubere Luft werden

Die Bonner Stadtverwaltung und die Stadtwerke bereiten sich auf die Zeit als Modellstadt für saubere Luft vor. Für die zweijährige Testphase müssen mehr Busse angeschafft und mehr Fahrer beschäftigt werden.

Was braucht es, um dem Etikett der „Modellstadt Saubere Luft“ auch tatsächlich gerecht zu werden? In Bonn laufen dazu die Planungen auf Hochtouren – erschwert durch den Umstand, dass es bei einem Pilotprojekt naturgemäß keine Erfahrungswerte gibt.

Gerechnet, kalkuliert und abgewogen wird derzeit vor allem in den Büros von Stadtverwaltung und Stadtwerken (SWB). Dort stellt man nun noch einmal klar: Das Programm „Lead City“ wird das Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr ergänzen, die bestehende Tarifstruktur aber keineswegs durcheinanderwirbeln.

Wie berichtet, sind die drei Maßnahmen in ihrem Rahmen abgesteckt: besondere Tarifangebote, Angebotsverbesserungen bei Bus und Bahn sowie betriebliches Mobilitätsmanagement. Besonders das geplante „Klima-Jahresticket“ für 365 Euro, gültig für die Tarifstufe 1b, hatte eine Kontroverse hervorgerufen. Kritisiert wurde etwa, dass damit nur Neukunden angesprochen werden sollen.

In diesem Zusammenhang stellen die Stadtwerke auf Anfrage noch einmal klar, dass die zweijährige Projektlaufzeit das bestehende Tarifsystem zeitlich begrenzt ergänzt, mitnichten aber revolutionieren soll. „Das 365-Euro-Ticket hat keine Auswirkungen auf das bestehende Tarifsystem“, erklärt Veronika John von der SWB-Pressestelle. Die Kurzstrecke, das Semesterticket und auch die anderen Tickets bleiben erhalten.

30 neue Stellen

Doch nicht nur die Belange der Fahrkarten halten die SWB derzeit auf Trab: „Lead City“ werde in der zweijährigen Testphase eine Verstärkung des Fahrpersonals erfordern, sagt John, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Der Betriebsrat bei SWB Bus und Bahn hatte zuletzt die Zahl der erforderlichen zusätzlichen Stellen auf 30 veranschlagt. Inwieweit zusätzliches Personal und womöglich eine Erweiterung des Fuhrparks – sprich: neue Busse und Bahnen – ohne Weiteres aus dem Fördertopf des Bundes, aus dem allein Bonn 37,25 Millionen Euro bis 2020 erhält, zu finanzieren sind, dürfte sich spätestens im Antragsverfahren für die Förderung zeigen.

Damit ist derzeit vor allem die Stadtverwaltung befasst. „Die Ministerien und die Stadt haben eine abschließende Bearbeitung der Förderanträge im Oktober als gemeinsames Ziel gesetzt, das aber unter Vorbehalt steht“, sagt Markus Schmitz vom Presseamt der Stadt. Sodann gehe es um die Organisation der Mehrverkehre bei Bus und Bahn, die technische Einführung und das Marketing für die günstigen Ticketangebote sowie die Einrichtung einer Stelle für Betriebliches Mobilitätsmanagement. „Daran wird bereits jetzt parallel gearbeitet“, sagt Schmitz.

Kölner Vorschlag

Auch in den Reihen der Verwaltung wird offenbar nicht kategorisch ausgeschlossen, dass auch sie für die Umsetzung des Pilotprojekts zusätzliches Personal benötigt. Hierzu erfolge noch eine verwaltungsinterne Abstimmung.

Während in Bonn noch fleißig gerechnet wird, liegt in Köln ein forschen Vorschlag auf dem Tisch: Auf Antrag von SPD und Grünen hat sich dort die Bezirksvertretung Mitte mehrheitlich dafür ausgesprochen, Fahrkarten für die Kurzstrecke (derzeit 1,90 Euro) künftig kostenlos auszugeben. Offen blieben dabei Fragen nach der Finanzierung und der Praxis der Fahrscheinkontrolle. Ein zusätzlicher Einwand kam von den Kölner Verkehrsbetrieben: Mit einer kostenlosen Kurzstrecke erreiche man vor allem die jetzigen Fußgänger und Radfahrer; einen Umwelteffekt hingegen erziele man nicht.