Anwohner der Südstadt: So reagieren die Bonner auf Kaiserstraße und Cityring

Anwohner der Südstadt : So reagieren die Bonner auf Kaiserstraße und Cityring

Anlieger und Verbände kritisieren sowohl den Beschluss zur Kaiserstraße als auch den zum erweiterten Cityring. Uni, ASta und Studentenwerk fürchten um die Sicherheit von Studenten und Mitarbeitern, die zu Tausenden in die Mensa auf der Nassestraße strömen.

Empört, frustriert, ohnmächtig: So ließe sich mit drei Adjektiven umschreiben, was jene Anwohner der Südstadt über den Beschluss zum erweiterten Cityring und der Kaiserstraße denken, die den Weg ins Café Orange fanden. Eingeladen hatte die Bürgerinitiative für eine lebenswerte Südstadt, um über die Planungen zu informieren „und über diese unsinnige Schleifenlösung, die wir uns im Traum nicht hätten vorstellen können, als wir im vergangenen Jahr mit unserer Arbeit begonnen haben“, sagte Stefan Rausch von der Initiative.

Erhebliche Bedenken

Während die Planungen des Cityrings seit einiger Zeit bekannt waren, ärgerte man sich über das Zustandekommen der neuen Verkehrsführung in der Kaiserstraße. „Da gab es kaum Zeit für Beratung“, so Rausch. Kaum zu überhören war im voll besetzten Café, dass nicht nur die Bürgerinitiative, sondern auch Anlieger beide Beschlüsse ablehnen. Die Initiative hat einen Bürgerantrag gestellt, die Entscheidungen zurückzunehmen. „Wie man den Klimanotstand ausrufen kann und in derselben Ratssitzung die Entscheidung trifft, den Cityring durch ein Wohngebiet zu legen, ist mir völlig unverständlich“, sagte ein Teilnehmer.

Ein Jahr vor der Kommunalwahl witterte ein anderer Aktionismus und beklagte, dass man die Bürger noch vor der Sommerpause vor vollendete Tatsachen stelle. Die politischen Gremien tagen erst wieder im September, schon am 1. September soll der Testversuch starten. Dabei sind die Bedenken erheblich. Ries- und Nassestraße seien verkehrsberuhigte Fahrradstraßen. Morgens sei die Lennéstraße Schulweg für die Münsterschule, mittags strömten Tausende Studenten durch eben diese Straßen zur Nasse-Mensa. Der Neubau der Mensa mitsamt dem Bauverkehr stünde noch bevor.

Parkplätze fallen weg

Kritisch sehen viele Besucher an diesem Tag den geplanten Wegfall der Parkplätze auf der Kaiserstraße bei der ohnehin schon angestrengten Parksituation in den Seitenstraßen. Eine Anwohnerin der Kaiserstraße schlägt eine Umgestaltung zur Fahrradstraße vor und Parkplätze in Richtung der Bahntrasse mit Grünstreifen und Raum für Car-Sharing-Autos. Das kam im Café deutlich besser an als die von der Politik beschlossene Variante. Uni, Allgemeiner Studierendenausschuss und Studierendenwerk teilen mit, dass sie die Sicherheit von Studenten und Mitarbeitern gefährdet sehen, die mittags zu Tausenden in die Mensa strömten, laut Studentenwerk sind es 3000 täglich zur Winterzeit.

Jannis Vassiliou vom Einzelhandelsverband spricht von einer „unsinnigen Schleife“, Annette Quaedvlieg (ADFC) „von einer schwachsinnigen Idee“. Auch der Eigentümerverein Haus & Grund positioniert sich gegen die Beschlüsse. Selbst die CDU, deren Fraktion die Entscheidung im Rat mittrug, bekräftigt, dass sie die vom OB vorgeschlagene Variante einer Durchfahrt der Kaiserstraße favorisiere, nun aber „auf den Praxistest hoffe“.

Die Bürgerinitiative rief dazu auf, am 3. September um 17 Uhr zur Sitzung der Bezirksvertretung Bonn ins Stadthaus zu kommen, um gegen die Beschlüsse zu demonstrieren.

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