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Das Clownkostüm geht immer: So bereitet sich eine Bonner Familie auf den Straßenkarneval vor

Das Clownkostüm geht immer : So bereitet sich eine Bonner Familie auf den Straßenkarneval vor

Bei der Auswahl der Verkleidung für den Straßenkarneval bewährt sich ein alter Spruch: Jeder Jeck is’ anders. Die Bonner haben höchst unterschiedliche Methoden, sich auf die Tollen Tage vorzubereiten.

Die letzten Karnevalssitzungen enden an diesem Sonntag, spätestens jetzt beginnt das bunte Karnevalstreiben auf den Straßen Bonns. Während einige Jecke sich für die traditionellen Karnevalszüge wappnen, wollen andere dem Straßenfest auch auf politische Weise Ausdruck verleihen.

Familie Graf aus Ippendorf hat sich dem Karneval verschrieben. Rechtsanwalt Walther Graf ist Mitglied der Ehrengarde der Stadt Bonn, und die zehnjährige Tochter Johanna war im letzten Jahr die Kinder-Bonna. Die Familie hat sich auf das Wochenende vorbereitet und auch für Verpflegung gut vorgesorgt.

Iris Graf hat traditionell „Nauzen“ gebacken – Quarkbällchen, die in der Eifel traditionell zu Karneval gegessen werden. Die Clown-
kostüme von Mutter und Tochter liegen im Partnerlook fertig bereit. „Ein Clownkostüm sollte jeder Karnevalist im Kostümfundus haben“, sagt Iris Graf. Denn es eigne sich perfekt als „Outdoor-Kostüm“, weil man sich unter dem Kostüm dick einpacken könne.

Die Kostüme hat sich die Familie extra von einer befreundeten Schneiderin anfertigen lassen, bei der sie schon im Mai anfragen mussten. Außer den Sessions-Schals haben sie nichts für ihre Kostüme im Geschäft gekauft. Damit liegt die Familie im Trend: „Immer mehr Kostüme werden selbst genäht oder gebastelt“, erklärt der Mitarbeiter eines großen Bonner Kostümfachhandels. Viele Kunden kauften lediglich Accessoires in Verkleidungsgeschäften. Zu allgemeinen Kostümtrends befragt, erklärt der Mitarbeiter: „Die Kostümtrends haben sich in diesem Jahr nicht allzu sehr verändert. Wie auch schon in den Vorjahren sind die SWAT-Militäruniformen mit Abstand die beliebteste Verkleidung bei Jugendlichen, erklärt der Mitarbeiter. „Dompteurin mit Peitsche“ und „Unterwasserwelt“ seien die diesjährigen Trends. Auch Minnie-Maus-Verkleidungen seien nach wie vor beliebt. Bei der Wahl ihrer Kostüme legten, anders als die Grafs, allerdings weniger Menschen Wert darauf, dass sie witterungstauglich sind. In Kessenich setzt eine Zwölfer-Wohngemeinschaft bei der Wahl ihrer Kostüme auf politischen Ausdruck – und Nachhaltigkeit. „Ich gehe als plastik-vermüllte Alge“, sagt die 38 Jahre alte Tessa Parya, die gemeinsam mit ihrer vierjährigen Tochter in der Wohngemeinschaft lebt. Auch sie bastelt ihr Kostüm selbst. WG-Mitglied Svenja Lampe möchte als brennendes Australien verkleidet auf Missstände beim Klimaschutz aufmerksam machen. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, können wir uns auf große Katastrophen einstellen“, warnt die 24-Jährige.

Trotz politischer Botschaft im Kostüm wird das Feiern bei den alternativen Jecken nicht vernachlässigt. Auch den Kessenicher Karnevalszug am Samstag besuchen sie traditionsgemäß. Und die Verpflegung? „Wir decken uns eigentlich immer im Kiosk ein, natürlich nur mit Limo“, scherzt Svenja Lampe. Iris Graf wird mit ihren Freundinnen unterwegs sein: „Die kommen sogar aus anderen Städten wie Nürnberg und Braunschweig extra für den Straßenkarneval nach Bonn“, erzählt sie.

An diesem Sonntag geht es ins „Ippendorfer Büdchen“, um dort im Trubel des Festzelts ausgiebig zu feiern. Nach den Zügen teilen die drei Kinder der Familie Graf untereinander die Kamelle auf, und was übrigbleibt, wird am Rosenmontagszug, an dem sie selbst teilnehmen, geworfen. Im Flur stehen fünf Kartons mit Süßigkeiten, die ein Freund den Grafs geschenkt hat. „Die habe nicht mehr auf den Wagen für den Kessenicher Zug gepasst“, sagt Iris Graf schmunzelnd.