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Karnevalsvereine: Proteste waren erfolgreich

Karnevalsvereine : Proteste waren erfolgreich

Die Stadt will die Sportstättennutzungsgebühr überarbeiten und Karnevalsvereine befreien. Damit reagiert die Verwaltung auf die Proteste der Jecken und Politiker.

Die Karnevalsvereine im Bonner Stadtgebiet können erst einmal aufatmen: Die Sportstättennutzungsgebühr ist in ihrer Ursprungsfassung vom Tisch. Die Stadtverwaltung hat auf die Proteste aus der bönnschen Karnevalsszene und aus der Politik reagiert und die seit dem 1. Juni geltende Regelung vorerst ausgesetzt. Das Thema wurde in der konstituierenden Sitzung des Stadtrates am Montagabend auf die Zeit nach der Sommerpause vertagt. Bis dahin will die Fachverwaltung einen neuen Entwurf vorlegen.

Nachdem im Mai bekannt geworden war, dass die neue Entgeltordnung auch für die Nutzung der Sportstätten durch Karnevalsvereine gilt, ging ein Aufschrei durch die Brauchtumslandschaft. Besonders kleinere Vereine haben sich daraufhin Hilfe suchend an den Festausschuss Bonner Karneval und an politische Parteien gewandt.

Marlies Stockhorst, Präsidentin des närrischen Dachverbands, hat daraufhin das Gespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch gesucht. "Der Festausschuss hat der Stadt deutlich gemacht, dass diese Regelung für viele kleine Karnevalsvereine das wirtschaftliche Aus bedeuten würde", sagte Stockhorst in einem Gespräch mit dem GA.

Sie nannte Beispiele: Die Prinzengarde Vilich-Müldorf hätte jährlich 3000 Euro zahlen müssen, die KG Narrenzunft in Endenich 2000 Euro. "Die KG Lessenicher Sterne hätte ihr gesamtes Jahresaufkommen an Mitgliedsbeiträgen für die Nutzung der Trainingshalle ausgeben müssen", sagte Marlies Stockhorst. So eine Regelung sei unzumutbar. Man könne seitens der Stadt kein Geld von ehrenamtlich tätigen Vereinen verlangen, die sich in der Jugend- und Nachwuchsarbeit derart engagieren würden.

Stockhorst nahm wohlwollend zur Kenntnis, dass auch einige politische Parteien diesen Sachverhalt so sehen. Die Grünen zum Beispiel hatten zur Ratssitzung einen Antrag gestellt, wonach Kinder- und Jugendgruppen von Karnevalsvereinen keine Gebühr entrichten sollen. Einen ähnlich lautenden Antrag hatte auch die SPD gestellt.

Die Linken übten vor allem Kritik an den Grünen. Tobias Haßdenteufel, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion, erklärte: "Etwas verspätet fällt den Grünen nun auf, dass die neue “Entgeltordnung für die sportliche Benutzung der städtischen Sportstätten„ durchaus ihre Probleme mit sich bringen kann". Darin würden die Gebühren insbesondere für Veranstalter und Vereine, die den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten sonst nicht im sportlichen Bereich haben, neu geregelt.

"Wir hatten als Linksfraktion bereits in der letzten Sitzung des Sportausschusses im April mit einem Änderungsantrag versucht sicherzustellen, dass die bislang entgeltfreie Nutzung der Sportplätze für karitative Zwecke auch weiterhin kostenlos bleibt. Damals verweigerten sich die Grünen noch jeder Änderung und vertrauten in der Anwendung der neuen Gebührenordnung ganz auf die Verwaltung", so Haßdenteufel. Nach Einschätzung der Linken würden die Grünen mittlerweile selbst einsehen, dass es bei der Einstufung der Veranstalter in die verschiedenen Nutzungsgruppen zu Unstimmigkeiten komme, so der Politiker.