Stadt im Wandel: Neue Blühwiesen auf dem Bonner Südfriedhof

Stadt im Wandel : Neue Blühwiesen auf dem Bonner Südfriedhof

Die Initiative „Bonn im Wandel“ gab den Anstoß zur Umgestaltung brachliegender Flächen. Die erste Blühwiese wurde jetzt auf dem Bonner Südfriedhof angelegt.

Mit großer Freude folgten Katharina Mischling und Julian Grinder von der Initiative „Bonn blüht und summt“ den Ausführungen von Friedhofsleiter Ulrich Pacyna und Peter Kießling, dem Abteilungsleiter im Bonner Amt für Stadtgrün. Man kam auf dem Südfriedhof zusammen, um sich ein Bild von den ersten 5000 Quadratmetern zu verschaffen, die nun als Blühwiesen mit vorwiegend Buchweizen, Sonnenblumen und Senfkraut einen optimalen Lebensraum für Insekten darstellen.

Kießling berichtete davon, wie er selbst die Erfahrung gemacht habe, dass nach sommerlichen Autofahrten keine Insekten mehr auf der Windschutzscheibe seines Autos zu sehen waren. Auch für ihn, der an maßgeblicher Stelle Einfluss ausüben kann, ein erschreckendes Zeichen des vorangeschrittenen Insektensterbens.

Er zeigte sich beeindruckt von den aktuell schon sichtbar gewordenen Maßnahmen, die Pacyna auf dem Friedhofsgelände bereits umsetzen konnte. Unter dem Motto „Der Friedhof wird bunter!“, wurden ungenutzte Rasenflächen zu Blühwiesen, über die sich nicht nur die Insekten, sondern auch die Kostenträger des Friedhofs freuen können. Die Pflege und das regelmäßige Mähen der geplanten 10.000 Quadratmeter Wildwiesenfläche, wird für die Zukunft zum großen Teil entfallen.

Die jetzigen Blühwiesen werden sukzessive in mehrjährige Blühfelder umgewandelt, um die sich die Biostation Bonn Rhein/Erft kümmern wird. Gerade hat Pacyna einen Imker gefunden, der die ersten fünf Bienenvölker auf dem Südfriedhof ansiedeln wird. Wespen und Wildbienen haben bereits ein neu erstelltes Insektenhotel angenommen. Auch die ersten Schafe können weidend auf den noch freien Rasenflächen beobachtet werden. Durch Beratung des Naturschutzbunds (Nabu) sollen noch Nistkästen für Vögel und Fledermäuse aufgehängt werden.

„Was allerdings erst passiert, wenn die dafür notwendigen Kosten von etwa 2000 Euro genehmigt sind“, so Pacyna mit einem Augenzwinkern in Richtung Kießling. Ab Herbst werden zudem zwei Streuobstwiesen mit der Pflanzung von alten Obstbaumsorten entstehen. Totholzlagerplätze und in die Erde eingegrabene Baumstümpfe sollen sich zu Rückzugsräumen für Insekten, Amphibien und Igel entwickeln. „Hier wird echte Pionierarbeit geleistet“, freute sich Grinder. „Es ist einfach toll, was eine so kleine Initiative wie ‚Bonn im Wandel‘ alles anstoßen kann“, pflichtete ihm Katharina Mischling bei.

Grünamtsleiter Kießling versicherte, dass er sich weiter dafür einsetzen werde, nicht nur auf den Friedhöfen dafür zu sorgen, dass in Bonn Blühwiesen und Schutzräume für Artenvielfalt sorgen. Er hofft dabei auf das Verständnis der Bürger, von denen etwa ein Drittel, so schätzt Kießling, noch davon überzeugt werden müsse, dass es sich nicht um ungepflegte Grünanlagen, sondern um angelegte Biotope für Insekten handele. Pacyna ist bereits dabei, die umliegenden Schulen zu besuchen und den Südfriedhof als einen Lern- und Erfahrungsort für Kindergärten und Schulen interessant zu machen.

Weitere Informationen, wie man selber in seinem Garten einen Blühstreifen anlegen oder sich an der Initiative „Bonn im Wandel“ beteiligen kann, unter www.bonnimwandel.de. Eine Karte, in der alle blühende Inseln Bonns verzeichnet sind, findet sich unter www.karte.bonnsummt.de

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