"Sterling Gold" in Bonn: In Endenich gibt es Vintage-Roben aus Hollywood

"Sterling Gold" in Bonn : In Endenich gibt es Vintage-Roben aus Hollywood

In Michaela Kühnes Sortiment befinden sich Unikate, getragen von von Liz Taylor, Audrey Hepburn, Fred Astaire und Ginger Rogers. Quentin Tarantino kam für seinen Film „Inglourious Basterds“ extra nach Endenich.

Endlos lange Beine, eine rauchig-erotische Stimme und stets ein melancholischer Blick, der weit weg in die Ferne schweift. Marlene Dietrich war Hollywoodstar, Stilikone und Trendsetterin in Sachen Mode. Sie machte den Hosenanzug in den 1930er Jahren salonfähig, präsentierte sich verrucht in „Der blaue Engel“ und gab auf der Showtreppe die unnahbare Diva. Und sie war wunderschön.

„Das ist eines ihrer Abendkleider“, sagt Michaela Kühne und holt ganz vorsichtig einen Traum aus weißer Wildseide, verziert mit unzähligen Perlen und Pailletten unter der schützenden Hülle hervor. „Das ist das wertvollste Stück, das ich habe“, ergänzt die 48-Jährige inmitten einer schier endlosen Sammlung historischer Ball- und Cocktailkleider aus längst vergangenen Zeiten.

Von der Stange gibt es bei der gelernten Einzelhandelskauffrau, Kostümbildnerin und Stylistin nichts. Die Inhaberin von „Sterling Gold“ an der Siemensstraße 10 bietet in ihrem Geschäft in Endenich originale Vintage-Roben der 1920er bis 1980er Jahre an – von Twiggy bis Petticoat, von Tüll bis Organza. Allein in Bonn hat sie mehr als 60.000 Kleider, noch einmal rund 120.000 Unikate lagert sie derzeit in Italien.

„Ich bin als Kind mit Film, Fernsehen und Mode aufgewachsen. Da war mein Weg wohl vorgezeichnet“, lacht sie. In Berlin geboren, kam Michaela Kühne vor einiger Zeit der Liebe wegen von der Spree an den Rhein. Aus dem Nachlass ihres Vaters, dem Modedesigner Michael Boenke, baute sie ihr Unternehmen auf.

Boenke arbeitete viele Jahre für internationale Designer, lebte in Paris, Mailand, Florenz, London und in den USA. Als Chefeinkäufer in der Modebranche legte er sich in seiner Freizeit einen riesigen Fundus an ausgemusterten Ballkleidern aus den USA an. „Das war meine Welt. Als Kind habe ich es geliebt mich ständig zu verkleiden. Manchmal bin ich sogar als Prinzessin in die Schule gegangen“, lacht die Mutter von zwei Kindern, die 16 und 17 Jahre alt sind.

Quentin Tarantino kam für „Inglourious Basterds“ nach Bonn

In ihrem Sortiment befinden sich Unikate, die tatsächlich einmal von bekannten Film- und Fernsehstars getragen wurden. Roben von Liz Taylor, Audrey Hepburn, Fred Astaire und Ginger Rogers hängen neben dem Abendkleid der Dietrich.

Für Iris Berben hat Kühne als Kostümbildnerin ein Kleid für eine Fernsehproduktion entworfen und genäht, ebenso für Diane Kruger. Auch Quentin Tarantino war für seinen Kult-Streifen „Inglourious Basterds“ in Endenich shoppen. „Und ich habe alle meine Kleider im Film wiederentdeckt“, sagt Michaela Kühne nicht ohne Stolz. 15 verschiedene Outfits nahm Tarantino schließlich mit ans Set.

Arbeit und Freizeit gehören für die Bonner Unternehmerin, die in Friesdorf lebt, zusammen. „In meiner Freizeit beschäftige ich mich ebenfalls immer mit Mode. Entweder besuche ich Museen oder ich lese Bücher über Mode.“ Gerade erst hat sie die Michael-Jackson-Ausstellung besucht und dabei natürlich immer genau auf die Kostüme geachtet. „Die Ausstellung hat mir wirklich sehr gut gefallen. Absolut sehenswert“, empfiehlt sie.

Mittlerweile ist Bonn ihr Lebensmittelpunkt, Berlin vermisst sie längst nicht mehr. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich in Bonn einmal so wohl fühlen werde. Die Lebensqualität ist hier einfach anders“, erklärt sie. Dazu zählt auch, dass sie innerhalb der Stadt viel mit dem Fahrrad erledigen kann – „obwohl man als Radfahrer immer mehr abgedrängt wird.“

Doch was würde sie sich selbst für einen großen Auftritt aus ihrer Sammlung aussuchen? „Eindeutig ein figurbetontes Paillettenkleid“, sagt Michaela Kühne und holt gezielt ein Modell aus den 1960er Jahren hervor. Das kostbare goldene Seidenkleid mit indischen Mustern aus dem Jahr 1930 käme ebenso infrage. Oder vielleicht doch eher etwas im Stil von Jackie O.? „Eigentlich kann ich mich nicht festlegen“, lacht sie. „Ich finde einfach jedes Stück wunderschön.“

Aktuell sucht sie nach einem neuen Atelier, das mindestens genauso viel Charme hat wie ihre Kollektion. „In einer besonderen Umgebung wirken die einzigartigen Stücke noch mal so gut“, ist sie überzeugt. „Ich freue mich immer, wenn ich schöne Frauen noch schöner machen kann.“

Übrigens: Das kostbare Kleid von Marlene Dietrich wird niemand mehr tragen. Dieser ganz besondere Schatz wird höchstens noch ausgestellt.

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